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Diese sächsische Corona-App hilft auch dem Striezelmarkt

Programmierer in Dresden kennen eine Technik, die wieder mehr Gäste zu Not leidenden Veranstaltern bringen könnte. Sie ersetzt nicht die Warn-App.

Dresdner Programmierer haben eine neue Corona-App programmiert.
Dresdner Programmierer haben eine neue Corona-App programmiert. ©  dpa/Sebastian Gallnow (Symbolbild)

Dresden. Mit 500 leeren Stühlen vor der Frauenkirche hat Kathleen Parma angefangen: Mitte April holte die Dresdner Gastronomin Kollegen zu einem stillen Protest zusammen, weil fast alle Restaurants geschlossen bleiben mussten. Inzwischen haben die Wirte immer mehr Stühle auf den Dresdner Neumarkt gestellt, und die Gäste sitzen auch wieder darauf. 

Selbst ein Jahrmarkt auf dem Gelände der Vogelwiese darf wieder Besucher einlassen – wenn sie am Eingang Namen und Telefonnummer in eine Liste eintragen. Doch Kathleen Parma weiß, dass viele Veranstaltungen noch ausfallen. Sie sorgt sich, dass selbst der Striezelmarkt in diesem Jahr wenig Besuch bekommen könnte. Ihre Idee zur Vorbeugung: Eine App fürs Smartphone, die Adresslisten überflüssig macht und im Fall einer Infektion Kontakte nachverfolgen lässt.

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Zwar gibt es schon die Corona-Warn-App, die von der Bundesregierung empfohlen wird. Doch deren Funktion reicht Kathleen Parma nicht aus: Die Corona-Warn-App informiert Smartphone-Nutzer, wenn sie sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten haben. Die Dresdner Eisproduzentin und Marketing-Expertin Parma dagegen möchte es mit einer App vereinfachen, Kontakte nachzuvollziehen – ohne lästige Listen, aber mit Datenschutz.

Parma hat sich mit Jörg Meißner zusammengetan, der Krimi-Dinnerpartys organisiert, und mit den Chefs der Dresdner Softwarefirma Casonex, Tino Grimmer und Christian Müller. Zu viert haben sie das Unternehmen Pass4all gegründet, und so soll auch ihre App heißen. Ab 1. September soll sie gratis in den App-Stores zum Download bereitstehen, bis dahin sind noch Rest-Programmierarbeiten zu erledigen. Die App soll nicht die Corona-Warn-App ersetzen, sondern ergänzen.

Registrierung mit QR-Code

So soll Pass4all funktionieren: Wer ein Veranstaltungsgelände betritt, checkt sich aktiv per Smartphone ein. Die Veranstalter hängen dafür einen QR-Code an den Eingang oder geben per Bluetooth ein Signal. Auf diese Weise wird im Smartphone gespeichert, wo der Benutzer sich aufgehalten hat. Nach vier Wochen werden diese Informationen wieder gelöscht. 

Infiziert sich aber der Besitzer des Smartphones inzwischen und gibt das Corona-Testergebnis in seiner App an, dann wird das örtliche Gesundheitsamt informiert. Es kann dann andere Teilnehmer derselben Veranstaltung warnen. Der Gastgeber erfährt die Namen nicht. Parma sieht darin eine Vereinfachung für Veranstalter und für Gesundheitsämter. Auch Kirchen oder Möbelhäuser könnten die App nutzen, sagt sie.

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Die Dresdner Corona-App macht es auch möglich, die Sitzplatznummer bei einer Veranstaltung einzugeben. Dann muss das Gesundheitsamt im Fall einer Infektion nur Teilnehmer informieren, die in der Nähe gesessen haben. Fußballstadien lassen sich in Blocks einteilen, auch der Striezelmarkt könnte laut Parma mit „Geofencing“ elektronisch in Segmente unterteilt werden. Dann könnte die App zeitweilig speichern, in welchem Segment sich jemand aufgehalten hat.

Parma und Meißner halten ihre Entwicklung für einen Weg, Veranstalter beim Aufstellen eines Hygienekonzepts zu unterstützen. Von Dresdner Gesundheitsamt, Sozialministerium und Deutscher Barkeeper Union fühlen sie sich nach eigenen Angaben ermutigt. Finanziert werden soll die App vor allem durch Beiträge der Veranstalter: Die zahlen je nach Kapazität ihres Geländes Geld an die Dresdner Firma.

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