merken
PLUS

Diese Saison soll sein letzter Speer fliegen

Der 86-jährige Horst Fuhrmann will seine Leichtathletikkarriere in Weißig beenden.

Von Stephan Klingbeil

Aus dem Handgelenk heraus lässt Horst Fuhrmann die drei Kilo schwere Eisenkugel durch die Luft sausen. Der 86-jährige Leichtathlet aus Dippoldiswalde packt locker die acht Meter, schaut dem Wurfgerät aber nicht mal hinterher. Der Löwenzahn sprießt auf der Wiese im Stadion der SG Weißig. Seine Kugel liegt irgendwo mittendrin. Der Rentner schnappt sich die nächste Kugel aus der Schubkarre, wirft fleißig weiter. Mit dem Vehikel karrt er die schweren Sportgeräte stets quer über den Platz. „In Dippoldiswalde habe ich nicht so gute Trainingsmöglichkeiten wie hier“, sagt er.

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Seit 1998 trainiert der Allrounder vom TuS Dippoldiswalde mehrmals pro Woche in Weißig. Auf der Anlage trifft er sich mit dem Freitaler Paar Maria und Manfred Kern. Das Trio lernte sich bei einem Wettkampf kennen. „Horst suchte damals auch eine Mitfahrgelegenheit“, sagt Manfred Kern und schmunzelt. In der Tat tourt Fuhrmann mit den nicht minder erfolgreichen Kerns von Turnier zu Turnier, oft Hunderte Kilometer weit.

Im Training pushen sich die drei, jedoch hat jeder seinen eigenen Trainingsplan. Fuhrmann schleudert Speer, Hammer, Kugel und Diskus so weit, wie er kann. Sein nächstes Ziel ist der Wettkampf Mai-Athletik am 10. Mai in Weißig.

Der Rentner sieht sehr fit aus. Seit über 70 Jahren treibt der Mann Sport. Wäre er nach dem Zweiten Weltkrieg nicht zu alt gewesen, er hätte es zum Leistungssportler schaffen können, ist sich Fuhrmann sicher. In seiner Altersklasse führt er mehrere deutsche Bestenlisten an, etwa im Speer- und Hammerwurf.

Doch nach der laufenden Freiluftsaison macht der Dippser Schluss. „Ende des Jahres höre ich auf“, so der 86-Jährige. „Ich muss mich nicht mehr beweisen.“

In der Tat hat der Leichtathlet in den vergangenen Jahren im Seniorenbereich alles gewonnen, was er sich vornahm. Da es in seiner Altersklasse kaum noch Konkurrenz gibt, startet er oft bei den 80-Jährigen – und siegt auch dort. 2004 wurde er Speerwurf-Weltmeister bei den Senioren, Deutscher Meister war er in verschiedenen Altersklassen. Wie viele Landesmeistertitel er eingeheimst hat, weiß Fuhrmann nicht. „Ich lagere die Medaillen mittlerweile im Schieber in meiner Schrankwand, ich kriege den kaum noch zu, so voll ist der“, sagt er. Der Dippoldiswalder, der einst als Steuerfachmann im Rat des Kreises tätig war, entdeckte erst als Rentner die Leichtathletik wieder für sich. Zuvor sammelte der aus dem ehemaligen Sudetenland stammende Fuhrmann Pokale und Urkunden auch bei Ski-Rennen und Tischtennis-Wettkämpfen. Er stand für seinen Heimatklub Motor Dippoldiswalde im Fußball-Tor, spielte über 40 Jahre Handball, drosch für Kreischa Tennisbälle über das Netz.

„Ich habe mein ganzes Leben lang Sport getrieben“, sagt Fuhrmann. Das habe ihn fit gehalten. Nie wäre er richtig krank gewesen. Bis vor Kurzem: Wegen einer schweren Bronchitis musste er Ende März ins Krankenhaus, verpasste deshalb die Hallen-WM der Senioren in Budapest. Die Ärzte stellten bei ihm zudem Herz-Rhythmusstörungen fest. „Sie rieten mir, in Maßen weiter Sport zu treiben“, sagt der Sportler des Jahres im Landkreis 2004. „Aufhören wollte ich ohnehin nicht sofort.“ Ab 2015 will er aber mehr Zeit mit Lebensgefährtin Gisela verbringen. „Ich mag dann ein bisschen faulenzen“, sagt Fuhrmann. Der Sächsische Werfermehrkampf im Herbst in Weißig wird wohl sein letzter Wettkampf sein.