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Hoyerswerda

Diese Schätzchen haben Straßen-Sehnsucht

Der Motor-Veteranen-Club Hoyerswerda hat trotz vieler Misslichkeiten die Saison 2020 noch nicht abgeschrieben.

Vor Hoyerswerdas Gaststätte „Zum Adler“: links Jürgen Haink, Präsident des Motor-Veteranen-Clubs, an seinem Ford Eifel Roadster von 1937, rechts Reinhard Haink an seinem Ford Eifel (Cabrio-Limousine, Viersitzer) von 1936.
Vor Hoyerswerdas Gaststätte „Zum Adler“: links Jürgen Haink, Präsident des Motor-Veteranen-Clubs, an seinem Ford Eifel Roadster von 1937, rechts Reinhard Haink an seinem Ford Eifel (Cabrio-Limousine, Viersitzer) von 1936. © Foto: Uwe Jordan

Hoyerswerda. Fast sah es so aus, als ob die Saison des Motor-Veteranen-Clubs (MVC) Hoyerswerda, zwar mit einiger Verspätung, aber nun doch noch in halbwegs geordnete Bahnen kommen sollte: Ab dem heutigen Freitag, dem 15. Mai, dürfen in Sachsen die Gaststätten wieder öffnen; auch das MVC-Clublokal „Zum Adler“ an der Dresdener Straße 70. Dort hatte heute ein Clubtreff der Oldtimerfreunde stattfinden sollen.

Absagen, Absagen, Absagen ...

Doch Adler-Wirt Karsten Haiser, dessen Haus wieder für normale Besucher offen steht, musste ausgerechnet dem MVC absagen: Die Abstandsregelungen für Tische und Besucher hätten für solch eine Versammlung bestenfalls zehn Teilnehmer im vorgesehenen Raum ermöglicht. Nun kann man zwar Parlamentssitzungen notfalls mit maßstabsgerecht verkleinerten Fraktionen abhalten – doch einen solchen Clubtreff? Unmöglich. So blieb dem Präsidenten Jürgen Haink nicht anderes, als den heutigen Termin auszusetzen. „Vielleicht im Juni“ hofft er. Überhaupt ist das Jahr 2020 für die Oldtimerfreude aus Hoyerswerda und Umgebung bislang ein eher unglückliches: Traditionelle Veranstaltungen wie das Motoren-Anlassen am 19. April in Spremberg oder am 1. Mai in Lauta? Ausgefallen. Das 3. Oldtimertreffen in Oßling, kombiniert mit dem 20-Jahr-Jubiläum des Oldtimerclubs Oßling am 30. Mai? Abgesagt. Der Treff am 31. Mai in Kromlau? Findet nicht statt. Die 8. Lausitz Classic Tour vom 4. bis 7. Juni zwischen Roggosen und Neuhausen/Spree? Gestrichen. Die liebgewordene Tour ins tschechische Liberec vom 5. bis 7. Juni? Für dieses Jahr nicht durchführbar, auch wegen der Situation an den Grenzen.

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Pläne gibt es schon

Bleibt nur die Hoffnung auf Veranstaltungen wie das noch nicht abgeblasene Oldtimertreffen in Steina/Ohorn vom 5. bis 7. Juni, das die tschechische Fahrt ersetzen könnte. Oder das Ausweichen auf den ganz kleinen Rahmen. Eventuell sei in Oßling später doch noch etwas ohne großes Programm möglich, hofft Jürgen Haink. Vielleicht kann man auch in nicht all zu ferner Zeit eine Mini-Ausfahrt zur Weißenberger Mühle am Löbauer Wasser organisieren – mit fünf, sechs Fahrzeugen, unter strengster Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften, wie der Präsident betont. Das hat man auch am 26. April so gehalten, als eine Mini-Karawane von drei (drei!) Fahrzeugen sich von Hoyerswerda aus zur Langen Bank im Elstraer Ortsteil Rehnsdorf (bei Kamenz) in Bewegung gesetzt hatte, um wenigstens den Anschein eines gemeinsamen Motoren-Anlassens zu wahren. Und das gemeinsame Kaffeetrinken auf Sachsens längster Bank hat bei 29,50 laufenden Metern Sitzbreite gewiss keinen Anlass zu Beanstandungen gegeben – Platz war reichlich.

Einige Stunden Werkstatt-Arbeit

Bis auf weiteres machen die Oldtimerfreunde aus der Not eine Tugend, denn zu tun ist an den Schätzchen von einst immer etwas in Sachen Restauration oder Pflege. So hat Jürgen Haink etwa seinem Wartburg 311/300 HT neue (originale!) Kotflügel verordnet, was natürlich auch mit dem entsprechenden Farb-Auftrag verbunden war. An seinem Ford Eifel Roadster vom Baujahr 1937 macht ihm eine Kerze Sorgen, die ständig verölt, einen der vier Zylinder stottern lässt und dem Motor so einen unrunden Lauf beschert. Das gibt einige Stunden Werkstatt-Arbeit, bei der Erfahrung und Kenntnis des „Seelenlebens“ des 1,2-Liter-Vierzylinders gefragt sind, weil ja kein Computer zur Diagnose bereit steht, sondern ausschließlich der Fachverstand des Besitzers und das Wissen um die mitunter ganz individuellen Befindlichkeiten seines Goldstücks vonnöten sind.

Bewegung ist die beste Pflege

Aber die beste Pflege ist, wie beim Menschen auch: Bewegung! Nicht hetzen, aber doch „in den Gängen bleiben“ – das ist das wirkungsvollste Mittel gegen Stillstands-Korrosion, die der Volksmund umschreibt mit „Wer rastet, der rostet“.Daher hoffen Jürgen Haink und alle MVC-Aktiven, dass die Saison 2020 keine verlorene sein möge, sondern sich noch die eine oder andere Ausfahrts-Möglichkeit eröffnet. Nicht minder sollte’s das Publikum freuen, das nur zu gern mit bewundernden Blicken die Technischen Denkmale in Aktion bewundert; CO2-Ausstoß hin, ökologischer Fuß- (nein: Reifen!-) Abdruck her. Wohlgeformte Karosserien, Duft nach Benzin und Öl und kernige Motorklänge zaubern ein Lächeln ins Gesicht – Erinnerung ans Märchenland „Es war einmal ...“