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Diese Sieben wollen in den Landtag

Im Raum Niesky und Weißwasser treten Kandidaten für die CDU, Die Linke, SPD, Grüne, AfD, FDP und Freie Wähler an. Hier stellen wir alle vor.

Das sind die sieben Kandidaten im Wahlkreis 57.
Das sind die sieben Kandidaten im Wahlkreis 57. © SZ-Montage

Am 1. September 2019 wird der neue Sächsische Landtag gewählt – der siebente seit der politischen Wende. Am 31. August 2014, bei der Wahl des 6. Landtages, wurden 126 Sitze vergeben. Davon holte die CDU 59, verfehlte knapp die absolute Mehrheit; 27 Mandate erhielt Die Linke, 18 gingen an die SPD, 14 bekam die AfD (fünf Abgeordnete traten später aus und in die Blaue Partei ein), acht verbuchten die Grünen; die NPD scheiterte knapp an der Fünf-Prozent-Hürde. 

Jetzt werden die Karten neu gemischt – nicht zuletzt im Wahlkreis 57 („Görlitz 1“) von 60 in ganz Sachsen. Sieben Direktkandidaten bewerben sich – wir stellen sie hier kurz vor:

Familie
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„Strukturwandel bringt neue Chancen“

Die große Politik ist Tilmann Havenstein (CDU) vertraut. Jetzt will der Daubitzer mitregieren.

© privat

Tilmann Havenstein leitet seit elf Jahren das CDU-Wahlkreisbüro in Weißwasser. Begonnen hat er als Angestellter von Michael Kretschmer (MdB). Seit zehn Jahren steht Havenstein in den Diensten von Lothar Bienst (MdL). Mit seiner Kandidatur für den Landtag will der Daubitzer die politische Arbeit von Ruheständler Bienst fortsetzen.

„Meine Kraft werde ich für die Region einsetzen“, betont er. Der Schwerpunkt liegt dabei im Strukturwandel der Lausitz. Dabei geht es dem 50-Jährigen nicht nur um die Ansiedlung neuer Behörden wie in der ehemaligen Glasmacherschule in Weißwasser. Sein Augenmerk liegt auch auf der Unterstützung bestehender Unternehmen und des Handwerks sowie der Neuansiedlung von Firmen. Damit könnte die Lausitz sich neue Märkte erschließen und bestehende festigen, wie etwa in Russland.

Als Christ und Vater von vier erwachsenen Töchtern sieht er die Arbeit mit den Bürgern als vorrangig an. Viele Menschen sind voll mit Optimismus und Ideen, sie bringen das Land voran, ist Havenstein überzeugt. Wenn dazu das Strukturstärkungsgesetz des Bundes greift, können die vielen Projekte für die Lausitz umgesetzt werden, meint der gelernte Elektromaschinenbauer.

Der Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbandes Rietschen/Daubitz sitzt seit 2004 im Gemeinderat und im Görlitzer Kreisvorstand der CDU. Seit 2014 ist der Verwaltungsfachangestellte Mitglied des Kreistages. Ebenso gehört Havenstein mehreren Vereinen an, unter anderem dem der Daubitzer Karnevalisten und der Kirchgemeinde. (SZ/sg)

„Die Menschen befragen, was sie wollen“

Antonia Mertsching engagiert sich in Sachen Nachhaltigkeit und kandidiert für Die Linke.

Antonia Mertsching (34) lebt in Weißwasser. 
Antonia Mertsching (34) lebt in Weißwasser.  © privat

Um der Region mehr Gehör in Dresden zu verschaffen, kandidiert die 34-Jährige aus Weißwasser, die in Berlin geboren wurde und ihre Jugend in einem 52-Seelen-Dorf im Oberspreewald-Lausitz-Kreis verbrachte. Antonia Mertsching sind somit ländlicher Raum, Probleme und Strukturwandel bekannt.

„Beim Strukturwandel ist mir wichtig, dass er wirklich einen Umbau der Wirtschaft bringt. Dazu müssen erst die Menschen befragt werden, wie sie ihre Region entwickeln wollen. Dazu soll ein Nachhaltigkeits-Check durchgeführt (sozial und klimagerecht!) und dann erst sollen die Milliarden in einem transparenten und demokratischen Verfahren ausgegeben werden.“ Strukturwandel heißt für sie auch Ausbau der erneuerbaren Energien – Solar, Wind und Wasserstoff – und Neubelebung traditioneller Industriezweige wie Textil- und Glasproduktion sowie kurze Wege bei und zwischen Produktion, Verarbeitung und Konsum.

Die Linke will im Strukturwandelprozess zudem ein Modellprojekt „Grundeinkommen“ in der Lausitz einführen. Antonia Mertsching, die nach dem Politik-Studium fünf Jahre beim Entwicklungspolitischen Netzwerk Sachsen arbeitete und nun Wissenschaftliche Mitarbeiterin in Niesky ist, fordert zudem den massiven Ausbau des ÖPNV und einen Fonds „Zivilgesellschaft“, damit Kultur- und Sozialarbeit einen höheren Stellenwert in der Region bekommen.

„Mein persönlicher Beitrag zu Nachhaltigkeit ist, auf dem Land kein Auto zu haben, nur ÖPNV und Rad zu fahren und im Winter keinen Kühlschrank zu nutzen“. (red)

„Die Region hat Priorität“

Thomas Baum aus Bad Muskau war bereits SPD- Landtagsabgeordneter. Er kandidiert jetzt erneut.

Thomas Baum (55) lebt in Bad Muskau. 
Thomas Baum (55) lebt in Bad Muskau.  © privat

Als Ur-Bad Muskauer ist der 55-jährige Familienvater und langjährige Stadtrat fest in der Region verwurzelt. „Die Region hat Priorität“ war und ist auch sein Motto für den Landtag, wo Thomas Baum zuletzt im Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sowie im Petitionsausschuss mitwirkte und in der SPD-Fraktion als Fachsprecher für Wirtschaft, Verkehr und Strukturpolitik. „Genau diese Themen sind die Herausforderungen beim Strukturwandel der Lausitz und im Wahlkreis, weshalb sie Schwerpunkte meiner Arbeit waren und weiter sein werden, wenn ich erneut in das Landesparlament gewählt werde“, sagt Baum, der seit 2004 auch Stadtrat in Bad Muskau ist.

Um den Strukturwandelprozess der Lausitz als größte gesellschaftliche Aufgabe zu schaffen, sieht Baum die Prioritäten in der Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen durch Neuansiedlungen, in Investitionen zur Stärkung vorhandener Unternehmen und in der Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur. Insbesondere sieht er den Ausbau der Bahntrasse Cottbus–Görlitz und die Nordverlagerung der B 178 n von Weißenberg (A 4) bis Cottbus (A 15), eng an Weißwasser vorbei, als unverzichtbar. „Die Projekte helfen dem Kreis Görlitz als schnelle Anbindung an Berlin, machen die Region für Wirtschaft, Tourismus und Menschen attraktiv.“ Zur baldigen Umsetzung der Projekte fordert Baum ein Planungsbeschleunigungsgesetz. „Und die Milliardenhilfen müssen für und in die Lausitz fließen.“ (red)

„Kein Versprechen, das nicht einlösbar ist“

Roberto Kuhnert hat was gegen Luftschlösser. Der Stadt- und Kreisrat der AfD will auch in den Landtag.

Roberto Kuhnert (56) lebt in Weißwasser.
Roberto Kuhnert (56) lebt in Weißwasser. © privat

Die Lausitz braucht „einen soliden Strukturwandel“, sagt Roberto Kuhnert. Mit der Neuansiedlung und der Stärkung des verarbeitenden Gewerbes, damit Menschen weiterhin in ihren erlernten Berufen Lohn und Brot bekommen. Der Landkreis Görlitz stehe bei der Kaufkraft bundesweit an letzter Stelle. Viele Menschen fühlen sich abgehängt im Ergebnis des bisherigen Kahlschlags, sagt Kuhnert. 

Deshalb setzt sich die AfD für den Erhalt der Kohleverstromung bis 2040/50 ein, wie es Vattenfall/Leag in Aussicht gestellt wurde. Niemand sei gegen den Schutz von Natur und Umwelt. Aber mit Kernaussagen, wie sie sich gegen Menschen in der Lausitz richten, habe er ein Problem. Die klare Ansage der AfD zu einer Sonderwirtschaftszone Lausitz werde inzwischen von allen aufgegriffen. „Wir brauchen aber kein Versprechen, das nicht einlösbar ist“, so Kuhnert. Der 56-jährige Weißwasseraner ist verheiratet und seit acht Jahren selbstständiger Baudienstleister. 

Politisch interessiert sei er schon immer gewesen, konnte „aber nie in den bestehenden Parteien eine politische Heimat finden“. Mit der AfD kam für ihn die Initialzündung, sich aktiv zu engagieren. Seit 2015 ist er Mitglied, sitzt für die Partei im Kreistag. Mit „Dingen, die nicht bloß für uns, sondern für die Leute wichtig sind“, will man sich noch breiter aufstellen. Inzwischen gewählter Stadtrat in Weißwasser, möchte Roberto Kuhnert nun auch in die Landespolitik, „um Akzente für die Region zu setzen“. (ck)

„Demokratie ist zu hinterfragen“

Einst im Neuen Forum, lässt die Politik Thomas Pilz nicht los. Den Grünen zieht es nach Dresden.

Thomas Pilz (54) wohnt in Mittelherwigsdorf. 
Thomas Pilz (54) wohnt in Mittelherwigsdorf.  © Picasa

Als an die friedliche Revolution 1989 noch nicht zu denken war, engagierte sich Thomas Pilz in Friedens-, Umwelt und Menschenrechtsgruppen in und um Zittau, zu Beginn der 1980er Jahre noch als EOS-Schüler. Im Wendejahr gründete er das Neue Forum Oberlausitz mit und zog ein Jahr später in den Kreistag ein. Da hatte Pilz seine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger im Katharinenhof Großhennersdorf bereits beendet.

Sozial engagiert ist der Mittelherwigsdorfer bis heute geblieben. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben“, sagt er. Pilz führte das Multikulturelle Zentrum, arbeitete in der Umweltbibliothek Großhennersdorf und als freiberuflicher Kulturmanager und Geschäftsführer der Hillerschen Villa. Seit 2004 sitzt der Diplomsozialpädagoge und Sozialarbeiter im Gemeinderat seines Heimatortes und als Bündnisgrüner seit 2005 im Kreistag.

„Was mir fehlt, ist Zeit“, sagt Pilz. Ehrenamtlich engagiert sich der 54-Jährige im Beirat des Kulturraumes Oberlausitz/Niederschlesien und im Vereinsvorstand der Kulturfabrik Meda. Pilz ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter. Wenn er für Bündnis 90/Die Grünen im Landtag sitzt, möchte der kirchlich geprägte Oberlausitzer die Demokratie in seinem Land mitgestalten. „Demokratie ist immer wieder zu hinterfragen. Dafür lohnt es sich zu kämpfen“, ist sein Standpunkt. Körperliche Ausarbeitung findet Pilz in seinem großen Garten: „Hier ist der Ort, wo ich mich erden kann.“ (SZ/sg)

„Drüber nachdenken und einfach machen“

Viel Bürokratie behindert Entwicklung in Sachsen. Das möchte FDP-Mann Sebastian Grubert ändern.

Sebastian Grubert (33) lebt in Boxberg-Jahmen.
Sebastian Grubert (33) lebt in Boxberg-Jahmen. © privat

Auf dem Bau geht es so zu: Anpacken und loslegen! Insofern deckt sich der Slogan der FDP „Einfach machen“ mit dem Berufsalltag von Sebastian Grubert. „Drüber nachdenken und einfach machen“, ist sein Credo. Der Jahmener gründete 2015 seinen Baubetrieb, beschäftigt inzwischen sechs Mitarbeiter. Das kostet Zeit und Nerven. Als Unternehmer fühlt er sich „schon lange nicht mehr richtig verstanden“ und weiß sich darin eins mit vielen Mittelständlern. 

Warum Gewerbesteuer im Voraus zu zahlen ist, obwohl man das Betriebsergebnis noch gar nicht kennt, bewegt ihn genauso wie steigende Strompreise. Was in dieser Hinsicht mit dem Kohleausstieg auf Wirtschaft und Bürger zukommt, sei unklar. Ebenso wie die Zukunft von 20 000 Menschen in Tagebauen, Kraftwerken und bei Zulieferern in der Lausitz. Ganz abgesehen davon, dass die Schließung einer Enteignung gleichkomme. Viel zu viel Bürokratie behindere die Entwicklung. Das störe ihn als Unternehmer und als Privatperson. Dass man, um im eigenen Garten einen Hühnerstall zu bauen, Genehmigungen braucht, sei nicht zu vermitteln. 

So bleiben Ideen und Eigeninitiative auf der Strecke. Seit 2017 ist Grubert in der FDP. Im Dorf bringt sich der 33-Jährige ein, neuerdings im Ortschaftsrat. Weil es Zeit ist, dass sich junge Menschen politisch engagieren, kandidiert er für den Landtag. „Ich möchte etwas verändern, damit meine Kinder in einem Sachsen aufwachsen, das lebenswert und zukunftsorientiert ist“. (ck)

„Keine Betreuungskosten mehr für Eltern“

Für die Freien Wähler kandidiert Siegmund Hänchen. Der Neusorger ist Stadtrat in Rothenburg.

Siegmund Hänchen (48) ist aus Neusorge.  
Siegmund Hänchen (48) ist aus Neusorge.   © SZ/Gerhardt

Von der Versicherungsbranche in die Landespolitik will Siegmund Hänchen wechseln. Der Vater von drei Kindern sitzt bereits die zweite Legislaturperiode im Stadtrat Rothenburg. Den Freien Wählern (FW) gehört der 48-Jährige seit einigen Jahren an und ist Vorsitzender in der Kreisvereinigung Görlitz. Seit 2018 ist Hänchen Mitglied in der Bundesvereinigung der FW.

Die Schwerpunkte seiner politischen Arbeit in seiner Heimatstadt sind: Eine ausgewogene Finanzierung des neuen Schulstandortes. Mehr Ärzte auf das Land holen. Profilierung Rothenburgs zu einer Gesundheitsstadt mit einer bedarfsgerechten Betreuung älterer Menschen. Über die Stadtgrenzen hinaus will sich Hänchen einsetzen für einen Abbau der Kinderbetreuungskosten für Eltern, den dreispurigen Ausbau der A 4 bis zur Grenze und einen sozialverträglichen strukturellen Wandel bezüglich der Einstellung der Kohleverstromung. Die in Rothenburg ansässige Polizeifachhochschule soll Bedeutung für die gesamte Region haben und die Stadt als sächsischen Schulstandort etablieren. 

Mehr Potenzial sieht Hänchen in der touristischen Erschließung seiner Heimatstadt und ihres Umfeldes. Zudem will er sich dafür einsetzen, dass Fördermittelanträge mit weniger Bürokratie gestellt werden können und Feuerwehrleute eine Rente bekommen. Ehrenamtlich ist Hänchen Vize-Wehrleiter der Ortswehr Neusorge, stellvertretender Friedensrichter und Kassenwart im Jagdverband Neusorge. (SZ/sg)

Das sind die Görlitzer Wahlkreise

Wahlkreis 57 (Weißwasser/Niesky): Tilmann Havenstein (CDU), Antonia Mertsching (Die Linke), Thomas Baum (SPD), Roberto Kuhnert (AfD), Thomas Pilz (Bündnisgrüne), Sebastian Grubert (FDP), Siegmund Hänchen (Freie Wähler).

Wahlkreis 58 (Görlitz und Umland): Michael Kretschmer (CDU), Mirko Schultze (Linke), Mike Thomas (SPD), Sebastian Wippel (AfD), Franziska Schubert (Grüne), Stefan Waurich (FDP), Frank Hannig (Freie Wähler), Michael Krause (Die Partei), Dietmar Jakowitz (BüSo).

Wahlkreis 59 (Löbau und Oberland): Matthias Reuter (CDU), Marie Wobst (Linke), Thomas Kuhne (SPD), Mario Kumpf (AfD), Sylvio Pfeiffer-Prauß (Bündnisgrüne), Christine Schlagehan (FDP), Rico Hertrampf (Freie Wähler).

Wahlkreis 60 (Zittau und Umgebung): Stephan Meyer (CDU), Tuomo Neumann (Linke), Andreas Hermann (SPD), Christian Siegert (AfD), Marie Mühlich (Bündnisgrüne), Hans Grüner (FDP).

Zum Wahlkreis 57 gehören diese Orte: Bad Muskau, Boxberg/O.L., Gablenz; Groß Düben, Hähnichen; Hohendubrau; Horka; Kodersdorf; Krauschwitz i.d. O.L.; Kreba-Neudorf, Mücka; Neißeaue; Niesky, Quitzdorf am See; Rietschen; Rothenburg/O.L., Schleife; Schöpstal; Trebendorf; Waldhufen; Weißkeißel; Weißwasser/O.L.

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