merken
PLUS Bautzen

Diese sieben wollen in den Landtag

Zur Wahl stehen altbekannte, aber auch einige neue Gesichter. Die SZ stellt die Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Wahlkreis 55 vor.

© Montage: SZ

Bautzen. Wer macht künftig in Sachsen Politik? Am 1. September werden die Wähler darüber entscheiden. Wer in den Gemeinden Spreetal, Puschwitz, Radibor, Neschwitz, Lohsa, Königswartha, Elsterheide oder in der Stadt Hoyerswerda wohnt, entscheidet sich mit seiner Erststimme für einen der acht Direktkandidaten des Wahlkreises 56/Bautzen 5. Zur Wahl stehen altbekannte, aber auch einige neue Gesichter. Die SZ stellt die Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Wahlkreis vor.

Für einen fairen Strukturwandel

Frank Hirche tritt für die CDU an. Er will sich weiterhin im Landtag engagieren.
Frank Hirche tritt für die CDU an. Er will sich weiterhin im Landtag engagieren. © privat

Frank Hirche kandidiert zum dritten Mal für den Sächsischen Landtag, seit 2009 sitzt er im Parlament des Freistaats. Angesichts der kommenden Legislaturperiode, sagt er, liegt ihm vor allem die Debatte um einen sozialverträglichen Strukturwandel am Herzen. „Die Lausitz darf nicht der Verlierer der Bundespolitik werden“, sagt er – für ihn gilt das Motto: „Erst Perspektive, dann Ausstieg.“ Er will sich um neue Arbeitsplätze in der Region bemühen und spricht sich für eine Sonderwirtschaftszone aus.

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Einsetzen möchte er sich zum Beispiel für Fördermittel für den ländlichen Raum. Auch eine flächendeckende ärztliche Versorgung und eine, wie er sagt, „gute Bildungspolitik“ sind ihm wichtig. Zudem will er sich dafür einsetzen, dass Städte seniorenfreundlich gestaltet werden.

Außerdem möchte er sich noch einmal dem Wolf widmen. „Hier gilt es, alle Betroffenen erneut an einen Tisch zu holen“, erklärt er. Hemmnisse, um eine Entnahme von Problemwölfen zuzulassen, müssten abgebaut werden. Auch für die Sicherheit in Sachsen möchte er sich nach eigenen Angaben einsetzen. So sieht er als einen Erfolg seiner Arbeit, dass das Polizeirevier in Hoyerswerda erhalten wurde und dort Investitionen durchgeführt werden konnten.

In seiner Freizeit engagiert sich der 57-Jährige, der mit seiner Frau und Hund Bella in Hoyerswerda lebt und einen Sohn hat, in Vereinen. Besonders am Herzen liegt ihm dabei das Schicksal der Vertriebenen und Spätaussiedler. Seit 2011 ist der gelernte Elektromonteur Vorsitzender der Vertriebenen und Spätaussiedler in Sachsen. (SZ/the)

Für einen attraktiven ländlichen Raum

Ralph Büchner tritt für die Linke an. Wichtig ist für ihn, dass es genügend Jobs in seiner Region gibt.
Ralph Büchner tritt für die Linke an. Wichtig ist für ihn, dass es genügend Jobs in seiner Region gibt. © Die Linke Sachsen

Sein politisches Vorbild, sagt Ralph Büchner, ist Gregor Gysi. Büchner, der als Wahlkreismitarbeiter im Landtagsbüro von Marion Junge arbeitet, möchte dafür sorgen, dass die Kohleregion im laufenden Strukturwandel ausreichend Beachtung in der Bundes- und Landespolitik findet. Dieser sollte sozialverträglich ablaufen, dafür will er sich engagieren. Das bedeutet für ihn: Es muss Beschäftigungsgarantien für die Leute geben, die aus der Kohle herausgeschmissen werden.

Der 57-Jährige möchte als Landtagsabgeordneter Voraussetzungen schaffen, damit junge Leute eine zukunftsfähige Ausbildung absolvieren können. Es ist ihm wichtig, dass die fertig Ausgebildeten danach auch in der Region leben können. Um das zu erreichen, möchte er die Wirtschaft stärken, aber auch den Tourismus fördern. Er will sich für einen Ausbau der öffentlichen Infrastruktur einsetzen, die Taktung der Busse verbessern. Auch die staatliche Unterstützung von Dorfläden und Gastronomen ist seiner Sicht nach eine Lösung, um den ländlichen Raum wieder attraktiver zu machen.

Bildungseinrichtungen will Ralph Büchner finanziell besser ausstatten, dabei denkt er an Kindergärten ebenso wie Schulen. Er möchte sich dafür einsetzen, dass mehr Lehrer ausgebildet werden und spricht sich für eine Gemeinschaftsschule und somit ein längeres gemeinsames Lernen der Kinder aus.

Als Hobby bezeichnet der in Hoyerswerda lebende Olsenbande-Fan seine Arbeit als Stadt- und Kreisrat. Büchner ist gelernter Koch, Betriebswirt und Facharbeiter für Wasserbautechnik. (SZ/the)

Für kostenfreie Kitas

Kevin Stanulla tritt für die SPD an. Wichtig ist ihm, dass die Leute von ihrer Arbeit auch leben können.
Kevin Stanulla tritt für die SPD an. Wichtig ist ihm, dass die Leute von ihrer Arbeit auch leben können. © Götz Schleser

Als eines seiner drei wichtigsten Ziele für die anstehende Landtagswahl bezeichnet Kevin Stanulla, der für die SPD antritt, kostenfreie Kitas. Auch Studieren möchte er kostenfrei anbieten, zudem soll es seiner Meinung nach ein Azubi-Ticket für den öffentlichen Personennahverkehr geben.

Passend dazu möchte sich Stanulla dafür einsetzen, dass der Nahverkehr besser ausgebaut wird. Auch für einen Ausbau des Straßennetzes möchte sich Stanulla einsetzen. „Im ländlichen Raum fehlt es an kurzen Wegen in die Zentren“, sagt er, das will er ändern. Auch das Leben in der Stadt hat Stanulla im Blick: „Dort fehlt es an Wohnraum“, sagt er, auch dafür möchte er sich engagieren.

Mit einem Blick auf die Region erklärt er: „Die Wege für Pendler müssen verkürzt werden.“ Auch das Leben im ländlichen Raum muss attraktiv gestaltet werden: „Jeder, der beruflich Fuß fassen möchte, muss die Gelegenheit bekommen, um finanziell auf eigenen Füßen zu stehen“, erklärt er.

Wichtig sei ihm ein Miteinander. Dafür setzt er sich, so sagt er, privat und beruflich ein. So zählt er Aktivitäten auf, die er als Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt mit organisiert. Sei es nun eine Unterhaltung oder gemeinsames Sporttreiben – „Entscheidend ist, dass wir uns generationsübergreifend und unabhängig von Hautfarbe und Geschlecht gegenseitig unterstützen“, findet er.

Kevin Stanulla wohnt in Bernsdorf und ist 45 Jahre alt, Vater von zwei Kindern. In seiner Freizeit engagiert er sich als Vorsitzender im Bernsdorfer Ortsverein und geht gern im Wald spazieren. (SZ/the)

Für eine Sonderwirtschaftszone

Doreen Schwietzer tritt für die AfD an. Sie will sich für mehr Eigenverantwortung der Kommunen einsetzen.
Doreen Schwietzer tritt für die AfD an. Sie will sich für mehr Eigenverantwortung der Kommunen einsetzen. © AfD Landesverb. Sachsen

Als staatlich geprüfte Finanzbuchhalterin und Teamleiterin für Finanzen im Industriepark Schwarze Pumpe ist für Doreen Schwietzer der Strukturwandel ein wichtiges Thema. Die 46-Jährige, die erst seit 2018 politisch in Erscheinung tritt, möchte sich für eine Sonderwirtschaftszone einsetzen und dafür sorgen, dass die Gewerbesteuer in der Region herabgesetzt wird. So will sie die Gegend attraktiv für Firmen machen.

Im persönlichen Gespräch schlägt Schwietzer eine moderate Tonlage an. Sie erzählt, dass sie sich für eine bessere Anbindung des ländlichen Raumes einsetzen möchte und spricht sich für ein Miteinander aus. Die dreifache Mutter erklärt, dass ihr Bildungspolitik am Herzen liegt. „Kinder sollen sich eine eigene Meinung bilden können“, sagt sie. Ihre Kinder hätten ihr aus dem Unterricht berichtet. Nach der U-18-Wahl, so erzählt sie, habe es eine Stunde politische Bildung gegeben. „Da wurde negativ über die AfD geredet“, ärgert sie sich.

Schwietzers moderate Tonlage steht im Gegensatz zu dem, was ihre Partei im Wahlkampf äußert. Und auch ihr Ton klingt auf ihrer Facebook-Seite bereits härscher. Dort teilt sie Artikel der umstrittenen Plattform Epoch Times und einen Beitrag von Parteikollegin Alice Weidel. Sie versucht darin, mit dem Tod des kleinen Jungen, der vom Bahnsteig geschubst wurde, politisch Stimmung zu machen und postet Beiträge mit den üblichen AfD-Parolen. Zum Beispiel teilt sie eine Grafik zu Kriminalität durch Zugezogene. Kontext zu den Zahlen gibt es nicht, stattdessen kommentiert Schwietzer mit den Worten „Danke, Merkel“. (SZ/the)

Für eine bessere Bildungslandschaft

Tom Vetter tritt für die Grünen an. Er ist durch seinen Beruf als Lehrer in die Politik geraten.
Tom Vetter tritt für die Grünen an. Er ist durch seinen Beruf als Lehrer in die Politik geraten. © Karin Koar

Mit seinen 24 Jahren ist Tom Vetter der jüngste Direkt-Kandidat in den Bautzener Wahlkreisen. Er arbeitet als Lehrer im Vorbereitungsdienst, absolviert also sein Referendariat. Das, was er als Lehrer erlebt, hat ihn dazu gebracht, sich politisch zu engagieren: „Ich sehe jeden Tag, wie bedrohlich es um den Lehrermangel in Sachsen steht und ich möchte dagegen aktiv etwas tun“, sagt er. „Wir haben eine gute Bildungsqualität, aber wir müssen viel dafür tun, dass es so bleibt.“

Dazu gehört für ihn, dass mehr Lehrkräfte für den ländlichen Raum angeworben werden und dass mehr Geld in die Schulen fließt. Ein Ziel dabei: kostenlose Lehrmittel. Im Großen und Ganzen sollten Schulen Fördermittel freier verwalten dürfen, findet er. Auch für wohnortnahe Gemeinschaftsschulen will er sich einsetzen.

Ein anderes Herzensthema für Tom Vetter ist der Klimawandel. Um auch auf dem Land etwas zu verbessern, sollte es einen besser ausgebauten öffentlichen Personennahverkehr geben, findet er. Und: „Das Leben im ländlichen Raum ist in vielerlei Hinsicht ökologischer, ich würde mich für eine Art Gegenbewegung zur Urbanisierung einsetzen wollen.“

Tom Vetter sieht sich – nach seinem Studium in Dresden – als Rückkehrer in seine Heimat und möchte sich als Landtagsabgeordneter dafür einsetzen, dass die Chancen des Strukturwandels, der Digitalisierung und auch des demografischen Wandels genutzt werden. „Wir sollten nicht ängstlich die Augen verschließen“, sagt er. „Ich stehe für optimistische, aber auch pragmatische Lösungen“, ordnet er ein. Tom Vetter ist verheiratet und wohnt in Lauta. Seine Freizeit verbringt er gerne mit der Familie in der Natur. (SZ/the)

Für mehr Polizisten im grenznahen Raum

Ina Deutschmann tritt für die FDP an. Ihr Thema für die Landtagswahl ist das Bauen.
Ina Deutschmann tritt für die FDP an. Ihr Thema für die Landtagswahl ist das Bauen. © privat

Die Architektin Ina Deutschmann möchte im Landtag eine persönliche Note durch ihren Beruf einbringen. „Als Architektin möchte ich besonders für den ländlichen Raum an Lösungen arbeiten, die diesen als lebenswertes Wohnumfeld attraktiv machen“, sagt sie. Auch in der Stadt sieht sie Potenzial – dort will sie das Bauen attraktiver machen, um gegen den Wohnraummangel vorzugehen. Dazu gehöre auch, Standards zu reduzieren und Genehmigungsverfahren zu verkürzen.

Ihr „wichtigstes Ziel“ aber sei, „dass der Einzug der FDP in den Landtag gelingt“, erklärt sie. Inbegriffen, dass es eine stabile Regierung gibt.

Sie ist nicht die Einzige, die den Strukturwandel erwähnt. „Ich will dafür sorgen, dass die Lausitz Energieregion bleibt“, sagt sie. Auch sie möchte sich für eine sogenannte Sonderwirtschaftszone einsetzen. Also: ein Gebiet innerhalb Deutschlands, für das besondere wirtschaftsfördernde Regeln, wie etwa niedrige Steuern, gelten.

Auch die innere Sicherheit ist ein Thema, für das sich Deutschmann einsetzen möchte. Es gäbe zu wenig Polizisten, vor allem im grenznahen Raum. Als Landtagsabgeordnete will sie sich dafür einsetzen, dass das geändert wird. Dabei seien auch Bürgerpolizisten oder mobile Polizeistationen ein Ansatz. Auch das Thema Bildung ist ihr als zweifache Mutter wichtig. Sie will sich für einen niedrigeren Betreuungsschlüssel in Kitas einsetzen; ebenso dafür, dass mehr Lehrer eingestellt werden. Dabei will sie schon bei der Lehrerausbildung ansetzen und diese verstärken. Die Schulen müssen ihrer Meinung nach besser ausgestattet werden, sie will die Digitalisierung der Schulen vorantreiben. (SZ/the)

Für mehr Mitspracherecht der Bürger

Dirk Nasdala tritt für die Freien Wähler an. Ihm ist kommunale Selbst-
verwaltung wichtig.
Dirk Nasdala tritt für die Freien Wähler an. Ihm ist kommunale Selbst- verwaltung wichtig. © Andreas Rümcke

Was viele als Herausforderung sehen, sieht Dirk Nasdala als Chance: den Strukturwandel. „Dass der Kohleausstieg kommen muss, ist seit Langem Konsens“, sagt er. Wenn man ihn fragt, wurde der Prozess dorthin aber zu spät eingeleitet. Es sei nun jeder gefragt, mitzugestalten. Es brauche mehr Verantwortungsbewusstsein; auch der Bürger. Seine Lösung: repräsentative und direkte Demokratie.

Ganz im Stil der Freien Wähler möchte sich Dirk Nasdala, der sich als Fraktionschef der Freien Wähler im Bautzener Kreistag bereits einen Namen gemacht hat, auch als Landtagsabgeordneter für kommunale Selbstverwaltung einsetzen. Außerdem ist ihm wichtig, dass Bürger leichter am politischen Prozess teilhaben können. Dann, so erklärt er, müsste auch niemand mehr auf Lobbyisten und politische Repräsentanten schimpfen. „Dadurch nehmen wir Extremisten den Wind aus den Segeln und bieten ihnen zukünftig keinen Raum mehr“, ist der 53-Jährige überzeugt.

Auch dem Rechtsanwalt ist die Verbesserung von Sachsens Bildungslandschaft ein wichtiges Thema. Immer mehr Leute beklagen sich seiner Sicht nach über die knappe Finanzausstattung der kommunalen Ebene und „die Misere unseres Bildungssystems“. Er stört sich daran, dass in der Schule der Fokus auf der Vermittlung reproduzierbaren Wissens liege.

Nasdala ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Später studierte er in Leipzig und beteiligte sich an der Friedlichen Revolution. Heute engagiert er sich bei Rotary, in einer evangelischen Kirchengemeinde und singt im Chor. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. (SZ/the)

© SZ-Grafik: Romy Thiel

Mehr zum Thema Bautzen