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Diese sieben wollen in den Landtag

Zur Wahl stehen altbekannte, aber auch einigen neue Gesichter. Die SZ stellt die Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Wahlkreis 53 vor.

Aloysius Mikwauschk (CDU), Marion Junge (Linke), Kathrin Michel (SPD), Christian F. Schultze (AfD, oben, v. l.), Gerd Kirchhübel (Grüne), Matthias Schniebel (FDP) und Günter Hutschalik (Freie Wähler, unten, v. l.)
Aloysius Mikwauschk (CDU), Marion Junge (Linke), Kathrin Michel (SPD), Christian F. Schultze (AfD, oben, v. l.), Gerd Kirchhübel (Grüne), Matthias Schniebel (FDP) und Günter Hutschalik (Freie Wähler, unten, v. l.) © Montage: SZ

Wer macht künftig in Sachsen Politik? Am 1. September werden die Wählerinnen und Wähler darüber entscheiden. Wer in Kamenz, Elstra, Haselbachtal, den fünf Gemeinde im Sorbenland, in Pulsnitz und den umliegenden Gemeinden sowie in Großröhrsdorf und Arnsdorf wohnt, entscheidet sich mit seiner Erststimme für einen der sieben Direktkandidaten des Wahlkreises 53 (Bautzen 2). Zur Wahl stehen altbekannte, aber auch einigen neue Gesichter. Die SZ stellt die Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Wahlkreis vor.

Regionale Infrastruktur befördern

Aloysius Mikwauschk tritt für die CDU an. Er setzt weiter auf das Engagement der Menschen vor Ort.
Aloysius Mikwauschk tritt für die CDU an. Er setzt weiter auf das Engagement der Menschen vor Ort. © privat

Der 61-jährige Räckelwitzer ist seit zehn Jahren Wahlkreisabgeordneter im Landtag. 2014 erreichte er 47 Prozent der Erststimmen, diesmal dürfte es knapper werden. Dabei ist sein Vor-Ort-Engagement legendär. Immer wieder ist er in den Kommunen unterwegs, oft mit Ministeriellen im Schlepptau. Da er auch in Dresden einfach nicht abzuschütteln ist, konnte er dort manches mit auf die Reihe bringen, was zunächst unlösbar schien. Beispiele sind die Schulstandort-Reform und der Hallenbadneubau in Kamenz. Beides ist auf dem Weg. In der „Stärkung der regionalen Infrastruktur“ sieht Mikwauschk auch weiterhin seine Aufgabe. Ein Hauptziel bleibe die Sicherung und Gewinnung neuer Arbeitsplätze in der Region – „mit gut ausgestatteten Bildungseinrichtungen und der Förderung praxisorientierter Ausbildung“.

Geld und Recht
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Für die Stärkung des ländlichen Raumes ist ihm besonders der Ausbau des bestehenden Radwegenetzes wichtig. Er plädiert für die Bewahrung der Zweisprachigkeit, des Brauchtums und die Pflege von Traditionen. Ehrenamt und soziales Engagement müssen gewürdigt werden. Mikwauschk tritt für einen besseren Energiemix und mehr Konsequenz in der Asylproblematik ein. „Wer kein Bleiberecht hat, muss gehen. Wer es bekommt, muss viel besser integriert werden.“ In unmittelbarer Nachbarschaft mit dem Rosenthaler Rudel ist der Räckelwitzer für einen strikten Umgang mit „Problemwölfen“ – auf der Basis klarer Regeln.

In seiner Freizeit schlägt sein Herz für das Ehrenamt und den Sport. „Insbesondere für meinen Heimatverein SV Viktoria Räckelwitz 92, den ich seit 1997 leite.“ (SZ)

Länger gemeinsam lernen

Marion Junge tritt für die Partei Die Linke an. Im Landtag kämpft sie um bessere Bildungsangebote.
Marion Junge tritt für die Partei Die Linke an. Im Landtag kämpft sie um bessere Bildungsangebote. © privat

Die 56-jährige Diplomlehrerin ist seit zehn Jahren Landtagsabgeordnete. Vor fünf Jahren erreichte sie mit 21,1 Prozent die zweitmeisten Erststimmen im Wahlkreis und schaffte über Listenplatz 17 den Sprung nach Dresden. Diesmal muss sie auf Platz 21 gelingen, was knapp werden könnte. Ihre Schwerpunkte sieht sie vor allem in Bildungs- und Erziehungsfragen sowie in der kommunalen Selbstverwaltung. „Ich will mich weiterhin für gute Bildung von Anfang an einsetzen – für alle und lebensbegleitend.“ Die soziale Auslese nach der 4. Klasse müsse aufhören. Überaus engagiert hat die Kamenzerin deshalb auch den Volksantrag für längeres gemeinsames Lernen im Freistaat unterstützt. Ein weiteres Hauptziel ist für sie die Verbesserung des Betreuungsschlüssels in den Kindereinrichtungen. „Hier müssen schrittweise Verbesserungen gesetzlich durchgesetzt werden.“ Bildung insgesamt müsse weiter kostenlos sein, dies gelte aber auch bereits für die Kita.

Die Linken-Kandidatin tritt für ein modernes, transparentes und bürgerbeteiligtes Petitionswesen sowie eine kommunale Selbstverwaltung ein, die durch aufgabengerechte Stadt- und Gemeindefinanzen abgesichert ist. Kopfzerbrechen mache der Landtagsabgeordneten die wachsende soziale Spaltung in der Gesellschaft. Vor allem sie erzeuge Unmut und gefährde damit die innere Sicherheit. Sie werde sich weiter für die gelingende Integration von Flüchtlingen einsetzen. „Ich sehe Vielfalt als Bereicherung, die gebraucht wird.“

In der Freizeit treibt Marion Junge Sport oder wandert. Auch Stadtrats- und Vereinsarbeit füllt sie aus.

Für mehr gut bezahlte Arbeit

Kathrin Michel tritt für die SPD an. Sie will gestärkte Arbeitnehmerrechte – vor allem auch für Frauen.
Kathrin Michel tritt für die SPD an. Sie will gestärkte Arbeitnehmerrechte – vor allem auch für Frauen. © privat

Die 56-jährige Kathrin Michel ist als gelernte Industriekauffrau und jetzige Personalmanagerin eng mit Gewerkschaftsthemen verbunden. Die Sozialdemokratin, die auf Landeslistenplatz 26 steht, setzt einen Schwerpunkt auf den Strukturwandel in der Lausitz. Er brauche im Übergang noch die Braunkohle, in der Perspektive aber „100 Prozent erneuerbare Energie“.

Insbesondere will sie sich für mehr (gut bezahlte) Arbeit im Land einsetzen, inklusive einer Entgeltgleichheit für Männer und Frauen. Dabei spiele die Tarifgebundenheit in den Betrieben eine wichtige Rolle. „Mit 39 Prozent Tarifbindung steht Sachsen immer noch ganz am Ende. Die Zeiten eines Billiglohnlandes müssen vorbei sein.“ Die Kandidatin plädiert in diesem Zusammenhang auch für ein Bildungsfreistellungsgesetz im Freistaat Sachsen. Arbeitnehmer sollten demnach im Jahr fünf Tage bezahlt an Weiterbildungsprojekten teilnehmen können.

Die Kandidatin tritt für längeres gemeinsames Lernen in der Schule, für eine bessere infrastrukturelle Anbindung des ländlichen Raumes und für mehr sozialen Wohnungsbau ein. „Deshalb bin ich auch für die Mietpreisbremse.“ Die Kinderbetreuung sollte mittelfristig kostenlos sein, und beim Hort soll es sofort losgehen. Die gestiegene Polizeipräsenz möchte Kathrin Michel vor allem im Kampf gegen Hasskriminalität eingesetzt sehen.

In ihrer Freizeit schlägt ihr Herz vor allem für ehrenamtliche Arbeit in der Gewerkschaft – und für Yoga. Sie möchte viel Zeit mit der Familie verbringen und hört gern Musik – am liebsten laute mit Kraftklub, Rammstein oder Metallica. (SZ)

Kohle bleibt wichtig für die Lausitz

Christian F. Schultze tritt für die AfD an. Er sieht Nachholbedarf vor allem auch bei der Infrastruktur.
Christian F. Schultze tritt für die AfD an. Er sieht Nachholbedarf vor allem auch bei der Infrastruktur. © privat

Mit 75 gehört der Pulsnitzer Christian F. Schultze zu den ältesten Landtagskandidaten im Freistaat Sachsen. Seine Kandidatur für die Alternative für Deutschland ist auch ein später Wiedereinstieg in die Politik. Der gelernte Tischler, Ingenieur für Holztechnik, Finanzwirt und Diplomjurist schaut auf eine lange berufliche Karriere zurück. Zuletzt schrieb er Bücher, die teilweise utopischen Charakter haben, in jedem Fall aber gesellschaftliches Problembewusstsein zum Ausdruck bringen.

Ein aktuelles politisches Kernthema des AfD-Kandidaten ist zum Beispiel die Energiewende. „Ich bin für den Ausstieg aus dem Kohleausstieg“, sagt Schultz zuspitzend. Die Braunkohleverstromung könne nur langsam ersetzt werden, um die Energiesicherheit in Deutschland nicht zu gefährden. Es gehe dabei auch um den längeren Erhalt von etwa 30 000 Arbeitsplätzen in der Lausitz und in den anderen Abbaugebieten.

Im Wahlkreis sieht Schultze nach wie vor großen Nachholbedarf in Sachen Infrastruktur. „Der Breitbandausbau kommt zu spät und wird am Ende wieder nicht ausreichen.“ Sollte er direkt in den Landtag einziehen, wolle er sich vor allem auch für die weitere Entwicklung des Verkehrslandeplatzes in Kamenz stark machen – und für die Fertigstellung der Spange zur A 13 bis Ruhland. Beim Asylrecht wiederum tritt Schultze „für die Schließung der Grenzen für illegale Einwanderer ein“.

In seiner Freizeit schlägt sein Herz vor allem für Radtouren. „Es gibt nichts Besseres, als auf den Wegen unserer schönen deutschen Heimat unterwegs zu sein.“ (SZ)

Den ländlichen Raum stärken

Gerd Kirchhübel tritt für die Grünen an. Er will zum Beispiel mehr Bahnservice und besseren Baumschutz.
Gerd Kirchhübel tritt für die Grünen an. Er will zum Beispiel mehr Bahnservice und besseren Baumschutz. © privat

Der 63-jährige Pulsnitzer ist kein kommunalpolitischer Neuling. Seit vielen Jahren macht er sich im Landkreis für Bürgerrechte stark. 2014 war er bereits als Direktkandidat von Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis 53 angetreten, erreichte aber nur 3,5 Prozent der Stimmen. Der Aufschwung der Grünen hat ihm bei der Kommunalwahl 2019 erstmals ein Mandat für den Pulsnitzer Stadtrat verschafft.

Im Landtag würde sich Gerd Kirchhübel – er steht auf Landeslistenplatz 26 – vor allem für den ländlichen Raum einsetzen, insbesondere auch für eine bessere Anbindung an Dresden. Zum Beispiel durch einen Halbstundentakt. Die sächsischen Gesetze müssten bürgerfreundlicher werden, meint er. Vielerorts würden Rechte von Bürgerinnen und Bürgern immer weiter zurückgedrängt und beschnitten. In Sachen Umweltschutz tritt Kirchhübel vor allem für einen besseren Schutz der Bäume ein. „Die Baumpflege mit der Kettensäge muss aufhören!“ In Sachen Bildung will sich der Maschinenbediener für mehr Lehrer in den Schulen und mehr Erzieher in den Kindertagesstätten stark machen, sagt er.

Auch die Zweisprachigkeit möchte er pflegen helfen. „Die sorbische Bevölkerung ist mir nicht nur im Hinblick auf die kulturelle Vielfalt in unserem Sachsenland wichtig.“ Es gehe vor allem auch um die Beachtung von allgemeinen Menschenrechten.

In seiner Freizeit schlägt sein Herz natürlich besonders für seine Heimat. Neben der Pfefferkuchenstadt Pulsnitz zählt er die Oberlausitz und im Grunde ganz Sachsen dazu. „Wir leben in einer historisch, kulturell und landschaftlich einmaligen Gegend. Bei uns leben und arbeiten Menschen, für die es lohnt, sich einzusetzen.“ (SZ)

Nahverkehr muss ausgebaut werden

Gerd Kirchhübel tritt für die Grünen an. Er will zum Beispiel mehr Bahnservice und besseren Baumschutz.
Gerd Kirchhübel tritt für die Grünen an. Er will zum Beispiel mehr Bahnservice und besseren Baumschutz. © privat

Der 46-jährige Matthias Schniebel ist ein echter Seiteneinstejger in die Politik. 2017, als die Liberalen auch in Sachsen Erneuerung dringend nötig hatten, wurde er Mitglied der FDP. Im Mai dieses Jahres wurde er in den Elstraer Stadtrat und in den Kreistag gewählt. Auch sein erfolgreiches Unternehmen „Schniebel Trading“ dürfte dabei zu seiner gewachsenen Bekanntheit beigetragen haben. Dass es für den Einzug auch in den Landtag reicht, ist eher unwahrscheinlich. Auch, weil der Elstraer sich noch um keinen Listenplatz beworben hat.

Auf alle Fälle will er sich so oder so für kleine und mittelständische Unternehmen stark machen. „Dafür braucht es bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen und vor allem Bürokratieabbau.“ Außerdem wünsche er sich in Sachen Bildung eine 100-prozentige Lehrerversorgung und modern ausgestattete Schulen überall. Und eine Umstrukturierung und den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. „Jeder sollte jederzeit überall hingelangen können, mit zumutbaren Fahrt- und Wartezeiten.“ Das Aus der Städtebahn Sachsen sei ein Signal, dass beim Schienenverkehr der Freistaat mehr Verantwortung übernehmen müsse. Was aber an der liberalen Grundsatzforderung an anderer Stelle nichts ändere, Kommunen insgesamt finanziell zu stärken. „In der Regel weiß man vor Ort doch viel besser, wo der Schuh drückt und wo Entscheidungen anstehen.“

In seiner Freizeit ist er mit Frau und Söhnen gern in der wunderschönen Region unterwegs. „Wir nutzen die Vorzüge der Natur. Ausgedehnte Wanderungen und sportliche Radtouren sind meine Favoriten.“ Außerdem begeistern ihn Fremdsprachen wie Englisch, Spanisch und Italienisch. (SZ)

Abwanderung der Jugend stoppen

Günter Hutschalik tritt für die Freien Wähler an. Er möchte mehr Mitsprache der Menschen vor Ort.
Günter Hutschalik tritt für die Freien Wähler an. Er möchte mehr Mitsprache der Menschen vor Ort. © René Plaul

Der Großröhrsdorfer ist seit mehr als 20 Jahren bei den Freien Wählern kommunalpolitisch aktiv, zum Beispiel als Stadtrat. Der 64-Jährige erreichte bei der Landtagswahl 2014 als Direktkandidat im Wahlkreis 3,3 Prozent der Stimmen. Aus seinen Erfahrungen in der Kommunalpolitik heraus sieht er vor allem in handlungsstarken Städten und Gemeinden ein wichtiges Entwicklungsziel im Freistaat. „Kommunen benötigen Fördermittel ohne Zweckbindung, also pauschal und ohne Eigenmittelzwang.“ Damit würde auch die Abhängigkeit von Zuschüssen geringer werden.

Außerdem will sich der Volljurist verstärkt für den Schutz der Familie im ländlichen Raum einsetzen. „Ziel muss es sein, die Lebensbedingungen in den Dörfern und Städten unserer Region so zu verbessern, dass die Abwanderung der jungen Menschen gestoppt werden kann.“ Zum Beispiel auch durch ein kostenloses Kita-Angebot und eine bessere Landarztversorgung. Von Mietpreisbremsen hält er dagegen nichts. Damit werde keine einzige Wohnung neu geschaffen, derer es im Ländlichen aber auch gar nicht bedarf. „Wir haben genug davon.“

Insgesamt müssten die mittelständischen Strukturen in der Lausitz gestärkt und bürokratische Belastungen abgebaut werden. Die Schulen bräuchten eine Lernstoffentrümpelung und modernere pädagogische Ansätze. Neben einem zukunftsfähigen Energiemix sollte mehr Wert auf die autarke Versorgung vor Ort gelegt werden.

In seiner Freizeit kocht er viel, am liebsten Fischgerichte. Im Garten mag er Bäume und Tulpen. Außerdem ist er gern mit Walking-Stöcken unterwegs. (SZ)

© SZ-Grafik: Romy Thiel

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