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Dieser Dresdner will sein drittes Olympia-Gold holen

Karl Schulze wäre der erste Ruderer, der ein historisches Triple schaffen könnte. Dabei lässt er sich filmen.

Zwei goldene Olympiaplaketten hat Karl Schulze schon. Die dritte soll 2020 bei den Sommerspielen in Tokio folgen.
Zwei goldene Olympiaplaketten hat Karl Schulze schon. Die dritte soll 2020 bei den Sommerspielen in Tokio folgen. © Robert Michael

Der blonde Kerl hat im Grunde genommen bereits alles erreicht. Karl Schulze ist 31 Jahre alt, zweimal Olympiasieger im Rudern, Welt- und Europameister. Viel mehr geht in dieser olympischen Kernsportart nicht. Und Papa ist er auch, bald zweifacher. Nun könnte sich der gebürtige Dresdner aber noch zur Legende machen, wobei ihm dieser Status eher unwichtig ist. Schulze könnte als erster deutsche Ruderer dreimal hintereinander in derselben Bootsklasse olympisches Gold gewinnen.

Er saß 2012 in London und vier Jahre später in Rio de Janeiro im siegreichen deutschen Doppelvierer. Dann gönnte sich Schulze eine Auszeit. Seine Lebensgefährtin Marie-Christin Jonekeit brachte Tochter Leni Marie zur Welt. Über dieses Ereignis ging für ihn nicht einmal sein Sport. Erst 2018 stieg er wieder ins Boot, noch immer erfolgshungrig, verpasste aber die WM.

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Drei glückliche Menschen. Karl Schulze mit seiner Partnerin Marie-Christin und Töchterchen Leni Marie. Ab September ist die Familie zu viert. 
Drei glückliche Menschen. Karl Schulze mit seiner Partnerin Marie-Christin und Töchterchen Leni Marie. Ab September ist die Familie zu viert.  © privat

In diesem vorolympischen Jahr ist er wieder fest eingeplant im Doppelvierer. „Für mich ging es darum, wieder in die Mannschaft zu kommen, mich wieder auf ein Fitnessniveau zu bringen, mit dem ich konkurrenzfähig bin“, erklärt Schulze, der dafür mit seiner Familie sogar nach Hamburg umzog. Der Deutsche Ruderverband verlangt von seinen Kaderathleten im Skullbereich eine Residenzpflicht am Stützpunkt Hamburg/Ratzeburg.

Zähneknirschend willigte er ein, polterte aber: „Die Zentralisierung sehe ich als absolute Frechheit an.“ Eigentlich wollte Schulze, der seit 2012 für den Berliner RC antritt, am Bundesstützpunkt in Dresden trainieren. Nun konstatiert er einigermaßen zufrieden: „Ich bin auf dem Fitnessniveau von Olympia 2016, also topfit, kann man so sagen. Damit habe ich mich auch in die Mannschaft zurückgekämpft.“

Machtgefüge innerhalb des Quartetts hat sich geändert

Allerdings ist der Doppelvierer auf internationalem Terrain noch nicht ganz konkurrenzfähig. Bei der EM und beim ersten Weltcup reichte es zu vierten Plätzen. Zu wenig für Schulzes Ansprüche – und die des Verbands. Was nicht nur, aber auch an der mangelnden Erfahrung von Schulzes Bootskollegen Lars Hartig (28), Timo Piontek (27) und Max Appel (23) liegt – deren sportliches Renommee bei Weitem nicht an das des Dresdners heranreicht. Deshalb tauscht der DRV vor dem nächsten Weltcup Hartig gegen Schulzes Olympiasieger-Kollegen Hans Gruhne (30) aus. „Damit kommt noch mehr Erfahrung rein. Wir hoffen, dass wir damit ganz vorn noch konkurrenzfähiger sein werden“, sagt Schulze.

Dieser Wechsel ändert auch das Machtgefüge innerhalb des Quartetts. Allerdings hat Schulze seine Aufgabe als erfolgreicher und einziger Leader durchaus gern verrichtet. „Die anderen Jungs haben natürlich nicht die Erfahrung. Aber meine Kollegen, die jetzt im Boot sitzen, sind genauso fit und talentiert wie die Besatzungen in den Jahren zuvor“, sagt Schulze.

Bisher wusste nur der bekennende Dynamo-Fan, welche Anstrengungen, Kniffe, Wege zu großen Titeln führen. „Ich habe ein Bild vor Augen oder ein Gefühl im Kopf, von dem ich weiß, dass das schon zweimal Gold bei Olympia gebracht hat. Ich versuche schon, das den anderen zu vermitteln. Aber natürlich kann man nicht alle Abläufe kopieren“, weiß der 1,90 Meter große Hüne – zumal sich auch die technischen Möglichkeiten und Anforderungen im Rudern stetig weiterentwickeln.

Der neue Doppelvierer nutzt beispielsweise modernere Skull-Blätter, mit denen die Olympiasieger nie zurechtkamen. Schulzes Wissen, seine Erfahrung seien nur ein Faden, „an dem man sich lang hangelt und der auf die Menschen im Boot angepasst werden muss. Das ist ein Entwicklungsprozess“. Den will Schulze aber lieber früher als später abgeschlossen wissen. „Bei der WM wollen wir ganz, ganz vorn dabei sein“, sagt er. Die für den Olympiaquotenplatz nötige Platzierung – mindestens auf Rang acht – „soll da mit abfallen“.

Nuancen bis zur Perfektion

Das Ziel ist, nächstes Jahr bei den Sommerspielen in Tokio ganz oben auf dem Podest zu stehen. „Dafür müssen wir in dieser Saison schon ganz nah an die Perfektion herankommen, damit wir 2020 nur noch an Nuancen arbeiten müssen“, fordert Schulze von sich und seinen Bootskollegen.

Dafür hat sich der Modellathlet auch mit seiner neuen Heimat auf Zeit in Glinde, knapp sieben Kilometer östlich der Hamburger Stadtgrenze, angefreundet. „Wir haben es uns schöngemacht. Bei mir war das nicht so schwer, weil ich jeden Tag Training oder Wettkämpfe habe. Aber auch meine Familie hat sich gut eingelebt. Wir haben Freunde gefunden, soziale Kontakte geknüpft, sodass wir uns wohlfühlen“, erzählt Schulze. „Natürlich haben wir dabei im Hinterkopf, dass das nicht für ewig ist und wir danach schon ganz gern wieder in die Heimat zurückkommen wollen.“ Dann als vierköpfige Familie. Marie-Christin erwartet im September ihr zweites Kind, wieder eine Tochter.

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Gut möglich, dass dieser emotionale Höhepunkt auch bald Teil eines Films ist. Die Hamburger Firma Close Distance Productions begleitet schwerpunktmäßig den deutschen Doppelvierer über anderthalb Jahre unter dem Arbeitstitel „Sxulls – Row to Tokyo“ – auch in privaten Momenten. Eine Dokumention fürs Kino soll entstehen. „Das Filmteam begleitet uns nicht täglich. Das wäre auch relativ monoton“, erklärt der Bundespolizist lachend, „sondern nur in wichtigen Phasen oder Wettkämpfen.“ Zusätzlichen Druck, Erfolgsgeschichten verkaufen sich schließlich super, verspürt Schulze nicht. „Wir merken kaum, dass wir gefilmt werden. Ich sehe das durchweg positiv. Wir Ruderer bekommen als Randsportart ja nicht so viel Aufmerksamkeit.“

Daran will Schulze etwas ändern – am besten mit dem dritten Olympia-Gold.

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