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Dieser Mann weiß genau, wofür er abspeckt

Gewichtheber Max Lang tritt mit Ernährungsplan an die Hantel. Die WM-Generalprobe in Meißen gelingt. Jetzt setzt er alles auf sein großes Ziel.

Publikumsliebling Max Lang lässt die Muskeln spielen.
Publikumsliebling Max Lang lässt die Muskeln spielen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Für Gewichtheber ist Meißen eine gute Adresse. Die Atmosphäre sei eine besondere, schwärmen die Akteure. Olympiasiegerin Lidia Valentin genoss schon die Ovationen beim Pokalturnier der Blauen Schwerter und kehrte auch wegen der Stimmung gern in die Domstadt zurück. Die Spanierin tritt entgegen aller Vorhersagen erst am Sonnabend auf die Bühne. Sie war eine Gewichtsklasse aufgestiegen. Ganz besonders hatte das Publikum am Freitag Max Lang ins Herz geschlossen, der die Meißner Porzellan-Trophäe 2012, 2013 und 2017 als Chemnitzer gewonnen hatte.

Diesmal verschenkte Lang keine Gedanken an den Gesamtsieg bei der 30. Auflage. Dafür erschien die Konkurrenz beim Olympia-Qualifikationswettbewerb zu stark. Doch am Abend lag er in der Gesamtwertung überraschend auf Rang drei hinter dem Griechen Theodoros Iakovidis und dem Obrigheimer Nico Müller. Für die Klasse und den Konkurrenzdruck im Teilnehmerfeld sprachen gleich zwei „geplatzte“ Europameister: Die Finnin Anni Vuohijoki und der Franzose Bernardin Kingue Matam scheiterten dreimal an ihrer Anfangslast.

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Für den 26-jährigen Lang war am wichtigsten, wie seine Generalprobe vor der WM in gut drei Wochen ausfällt. Dafür trat er auch noch mal in seiner alten Gewichtsklasse bis 81 Kilo an. Bereits im Mai hatte er sich entschieden, eine Klasse abzusteigen. Damit geht er auch Europameister Müller aus dem Weg. In Meißen hatte sich Lang seiner neuen Klasse stark angenähert, brachte gut 75 Kilo auf die Waage und sagte: „Es wäre aber für den Körper eine zu große Belastung geworden, innerhalb kurzer Zeit zweimal stark abzunehmen.“

Auch wenn er kaum Fettreserven hat, ist er optimistisch, zur WM sein neues Kampfgewicht gestemmt zu haben. Dabei hat er „keine Ahnung, wo ich noch abnehme. Manche sagen: ,Im Gesicht.‘ Ich arbeite mit einer Ernährungsberaterin zusammen, die kennt sich aus, hat viele Werte abgestimmt und weiß, wie der Körper reagiert.“

Der Ex-Trainer beobachtet ihn besonders interessiert

Bisher funktionierte der Reduktionsplan. Lang muss sich dabei nicht kasteien. „Ich bin nicht hungrig, selbst wenn ich nur das esse, was im Plan steht“, beschreibt er seinen kulinarischen Alltag. „Ich weiß ja genau, wofür ich das mache“, sagt er bestimmt. „Ich würde mich vielleicht quälen, wenn ich nicht wüsste, wofür ich mich so planmäßig und konsequent ernähre.“

Sein großes Ziel ist Olympia 2020. Rio de Janeiro hat er knapp verpasst. Tokio soll gelingen. Dafür wechselte er den Trainer, bestritt in Meißen den ersten Wettkampf mit ihm. Das Duo suchte nach neuen technischen Wegen. Die Meißner feierten ihn für sechs gelungene Versuche, für 329 Kilo im Zweikampf. „Es herrschte wieder eine wunderbare Stimmung“, schwärmt Lang.

Unter den Zuschauern waren nicht wenige, die ihn auch im Netz begleiten. Bei Instagram verfolgen den Gewichtheber 87 800 Menschen. Er wusste anfangs nicht, in welche Richtung sein Auftritt gehen könnte. „Ich habe es probiert, es ist gewachsen, keine Follower sind gekauft“, erzählt er. Ihm folgen vor allem Gewichtheber, Kraftsportler und Crossfitter, die zehn Fitnessdisziplinen vereinen. Lang bekam Botschaften, die ihn rührten, wie: „Wegen Dir habe ich mit dem Gewichtheben angefangen.“ Oder: „Du motivierst mich.“

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Die Meißner Lang-Auftritte beobachtete Stefan Grützner besonders interessiert. Der Weltmeister von 1971 und Olympiadritte von 1972 im Schwergewicht war einige Jahre Langs Trainer in Chemnitz. Der 71-Jährige bedauert, „dass das letzte Quäntchen, das i-Tüpfelchen in seiner Karriere noch fehlt“. Er traut dem Vizeeuropameister von 2014 im zweiten Anlauf aber noch einen Karrieresprung zu. Dafür würde er alles mitbringen. „Er ist hochtalentiert, konsequent, diszipliniert, kontaktfreudig“, listet Grützner Lang-Tugenden auf. „Solche Sportler wünschen sich Trainer.“ Nur eins tat Grützner weh, dass er seinen Chemnitzer Bundesliga-Kapitän verlor an Mutterstadt. Er sagte aber auch: „Dort gibt es andere Möglichkeiten. Ich drücke ihm weiter die Daumen, wie auch den Meißnern mit ihrem Blaue-Schwerter-Turnier.“

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