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Bautzen

Dieser Zahnarzt macht Hausbesuche

Normalerweise müssen Patienten in die Praxis kommen. Dr. Mathias Wunsch aus Bautzen macht regelmäßig Ausnahmen.

Ruth Scholze wohnt im Pflegeheim in der Bautzener Erich-Pfaff-Straße. Weil sie Probleme mit einer Brücke hatte, kam Zahnarzt Dr. Mathias Wunsch zu ihr ins Heim.
Ruth Scholze wohnt im Pflegeheim in der Bautzener Erich-Pfaff-Straße. Weil sie Probleme mit einer Brücke hatte, kam Zahnarzt Dr. Mathias Wunsch zu ihr ins Heim. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Wer geht schon gern zum Zahnarzt? Auch Hildegard Steinmann (Name geändert) hat keine Luftsprünge gemacht, wenn wieder ein Termin anstand. Aber gegangen ist sie regelmäßig, ihr Leben lang. Dass die Beißerchen gut funktionieren, war ihr immer wichtig. Inzwischen sind von den Echten nicht mehr viele übrig, aber die Prothesen sitzen gut. Na ja, manchmal ist da doch was zu richten. Und die letzten richtigen Zähne müssen auch ab und zu kontrolliert werden. Bis vor Kurzem hat sich die 82-Jährige immer noch regelmäßig bei ihrem langjährigen Stamm-Zahnarzt Dr. Mathias Wunsch an der Bautzener Bahnhofstraße sehen lassen, auch wenn ihr die steile Treppe von Mal zu Mal schwerer fiel. Aber jetzt spielen die Beine gar nicht mehr mit.

Deshalb ist Hildegard Steinmann froh, dass der Zahnarzt nun zu ihr kommt, ins Pflegeheim, wo sie seit einiger Zeit wohnt. Meist bringt er eine der netten Sprechstundenhilfen mit, die sie ja auch alle kennt. Und er hat auch immer die nötigsten Gerätschaften für die Behandlung dabei. Natürlich nicht den großen, verstellbaren Stuhl mit allem Drum und Dran. Aber dafür muss sie eben nicht ihr Zuhause verlassen, sondern nur in ein anderes Zimmer gehen, das für Arztbesuche vorgesehen ist. Sogar eine kleine Maschine zum Abschleifen bringt Mathias Wunsch mit. Eine Steckdose gibt es schließlich überall. Das Schönste ist aber, dass er sich vor und nach der Behandlung immer auch noch ein paar Minuten Zeit nimmt für einen kleinen Plausch. Er will immer wissen, wie es ihr geht – nicht nur ihren Zähnen. Beide kennen sich halt seit vielen Jahren. „Ich werde ja vor allem zu Patienten gerufen, die schon lange bei mir in Behandlung sind“, berichtet der 63-jährige Stomatologe.

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Im Durchschnitt steht jede Woche mindestens ein Hausbesuch an, berichtet Mathias Wunsch. Entweder er selbst oder seine Assistenzärztin Rebecca Habel folgen dann dem Ruf der Patienten, die meist nicht mehr gut zu Fuß oder bettlägerig sind. Eine neue Erfindung ist das nicht, sagt Mathias Wunsch. Hausbesuche von Zahnärzten habe es auch zu DDR-Zeiten schon gegeben, erinnert er sich an seine ersten Jahre in Bautzen. Seit 1981 arbeitete er in der damaligen Poliklinik, 1991 ließ er sich mit einer Praxis an der Bahnhofstraße nieder. Mit den Jahren seien Hausbesuche häufiger geworden, berichtet Mathias Wunsch. Der zunehmende Altersdurchschnitt der Bevölkerung macht sich schon bemerkbar.

Hausbesuche würden inzwischen von vielen Kollegen angeboten, weiß Mathias Wunsch, der bis 2018 Präsident der Landeszahnärztekammer Sachsen war. Nach drei Amtsperioden als Präsident konnte er nicht wieder kandidieren, sein Nachfolger wurde ein Zahnarzt aus Meißen. In Bautzen fallen Dr. Wunsch auf Anhieb mindestens zehn andere Stomatologen ein, die wie er nicht nur in der Praxis Sprechstunde halten, sondern auch bei Patienten zu Hause oder im Pflegeheim. Deshalb fände er es auch gut, wenn größere Heime einen richtigen Behandlungsstuhl mit der dazugehörigen Technik anschaffen würden. „Aber so richtig will da noch keiner ran.“

Große Erleichterung für die Bewohner

Deshalb wird es wohl zumindest vorerst dabei bleiben, dass die hausbesuchenden Zahnärzte einige Instrumente und auch die kleine Schleifmaschine mitbringen. Die Bohrer werden anschließend in der Praxis gereinigt. „Die Unterfütterung einer Prothese und Ähnliches ist ohne Probleme auch zu Hause oder im Heim machbar“, erklärt Wunsch. Sogar das Zähneziehen sei beim Hausbesuch möglich. „Aber nur, wenn wir uns sicher sind, dass wir den ganzen Zahn auf einmal erwischen“, schränkt der Arzt ein. Für kompliziertere Fälle müssen die Patienten dann doch in eine Praxis gefahren werden.

Für die fast 130 Bewohner des Vitanas-Seniorenzentrums Bautzen ist der Besuch vom Zahnarzt eine große Erleichterung, berichtet Hausleiterin Desiree Ziesche. „Die Zusammenarbeit mit Dr. Wunsch ist ganz toll. Er kommt schon seit vielen Jahren hier ins Haus, und wenn wir ihn anrufen, ist er schnell zur Stelle.“ Im Alter sei es besonders wichtig, ordentlich essen zu können. Und wenn etwa die Prothese drückt, nehmen die Senioren weniger zu sich und verlieren schnell an Gewicht.

Aber der Doktor komme nicht nur zur Behandlung, er berate auch. „Unsere Mitarbeiter bekommen Schulungen zur Mundhygiene im Alter“, erzählt Desiree Ziesche. „Wir möchten Herrn Wunsch und sein Team nicht mehr missen!“

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