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„Gefühl der Angst ist immer da“

Ein Einbruch in Zittau hinterlässt nicht nur materielle Spuren. Eine Betroffene erzählt.

© www.foto-sampedro.de

Von Jana Ulbrich

Die Einbrecher kommen frühmorgens kurz vor halb vier. Ingrid T. und ihr Mann schlafen tief und fest im Obergeschoss ihres Zittauer Einfamilienhauses. Die Einbrecher kommen von der Straßenseite. Im Schein ihrer Taschenlampe durchtrennen sie alle Kabel am Haus, die sie finden können. Im Glauben, eine mögliche Alarmanlage auszuschalten, zerstören sie die Steuerung für die Heizungsanlage und für das Einfahrtstor. Ein riesengroßer Schaden. Ins Haus steigen die Täter durch ein Toilettenfenster. Als sie genau 3.33 Uhr die Tür zur Küche öffnen, schlägt die Alarmanlage an.

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Statistik über die Entwicklung der Eigentumsdelikte seit 2008
Statistik über die Entwicklung der Eigentumsdelikte seit 2008 © SZ-Grafik

Ingrid T. und ihr Mann werden jäh aus dem Schlaf gerissen. Die Einbrecher flüchten ohne Beute. Ein Fährtenhund der Polizei kann ihre Spur später noch ein paar Hundert Meter weit verfolgen – bis zu der Stelle, an der sie wahrscheinlich in ein Auto gestiegen sind. Kriminaltechniker werden auch diesmal wieder viele Spuren sichern. Es ist schon der zweite Einbruch in das Haus der Zittauer Eheleute. Nach dem ersten vor anderthalb Jahren haben sie sich die teure Alarmanlage gekauft. Sie haben lange überlegt, ob das wirklich nötig ist. „Aber jetzt haben wir ja gesehen, wie gut das war“, sagt Ingrid T.

Die 61-Jährige sitzt am Küchentisch. Sie ist müde. Seit dem Einbruch am letzten Wochenende kann sie nicht mehr richtig schlafen. „Dieses Gefühl der Angst ist immer da“, sagt sie leise. Sie schreckt ständig aus dem Schlaf, lauscht angestrengt in die Nacht hinein, erschrickt vor jedem noch so kleinen Geräusch. Auf dem Küchentisch liegt das Telefon griffbereit. Ingrid T. hat den ganzen Tag telefoniert. Mit der Heizungsfirma, die einen neuen Temperaturfühler installieren muss, mit dem Tischler, der das Fenster neu einsetzt, mit der Firma, die das Einfahrtstor repariert, mit der Versicherung. Die Höhe des Sachschadens, den die Einbrecher anrichten, ist vierstellig. „Die materiellen Schäden lassen sich ja alle wieder beheben“, sagt Ingrid T., „aber dieses Gefühl der Angst und der Hilflosigkeit, das bleibt“.

Es ist schon seit dem ersten Einbruch im Frühsommer letzten Jahres da. „Früher haben wir die Tür zum Garten aufgelassen, wenn wir draußen waren“, erzählt sie. „Jetzt schließe ich sogar zu, wenn ich nur mal schnell den Müll rausbringe.“ Die Zittauerin fühlt sich nicht mehr sicher. Natürlich können hier nicht jeden Tag Polizisten Streife laufen, sagt sie, aber irgendwie habe sie den Eindruck, dass es immer weniger Polizisten auf der Straße werden. Eben auch nachts. „Müsste nicht die Politik dafür sorgen, dass wir hier ohne Angst leben können?“, fragt sie sich. „Muss man denn wirklich eine Alarmanlage haben?“

In der Zeitung hat sie gelesen, dass erst wenige Tage zuvor in ein anderes Haus in ihrer Straße eingebrochen wurde. Nimmt die Kriminalität in der Grenzregion wieder zu? Nein, sagt die Statistik der Görlitzer Polizeidirektion. Zwar liegen aktuelle Zahlen aus diesem Jahr noch nicht vor, doch sind die Eigentumsdelikte hier seit Jahren rückläufig. 2017 lag die Fallzahl auf dem tiefsten Stand seit 2008, dem ersten Jahr nach Wegfall der ständigen Grenzkontrollen.

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Dennoch: Jeder Einbruch ist einer zu viel. Das weiß man auch bei der Polizei. „Das Thema Eigentumskriminalität im grenznahen Raum besorgt die Bewohner nach wie vor“, sagt der Görlitzer Polizeipräsident Torsten Schultze. Für die Polizeidirektion sei die Bekämpfung von Einbrüchen und Diebstählen deshalb ein strategischer Schwerpunkt der Arbeit. Polizisten – uniformiert und in Zivil – seien jeden Tag und jede Nacht entlang der Neiße und im Oberland im Einsatz. Immer enger würden die Beamten der Landespolizei dabei auch mit den Kollegen der Bundespolizei und der Nachbarländer zusammenarbeiten.