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Döbeln

„Dieses Haus lebt“

Der CDU-Stadtverband befürchtet Mängel am teuer sanierten Museumshaus. Die Verwaltung sieht das anders.

So sah das Napoleonhaus vor der Sanierung aus. Heute ist es ein kleines Schmuckstück. Innen und außen haben sich jedoch einige Risse gebildet.
So sah das Napoleonhaus vor der Sanierung aus. Heute ist es ein kleines Schmuckstück. Innen und außen haben sich jedoch einige Risse gebildet. © Archiv/Dietmar Thomas

Waldheim. Während der Eröffnung der Kunsttreppe im Stadt- und Museumshaus am Waldheimer Niedermarkt sind dem Vorsitzenden des CDU-Stadtverbandes Ricardo Baldauf einige Mängel aufgefallen, wie er sagte: Risse um die Türen und Fenster, Fugen, die auseinanderklaffen und abbröckelnder Putz. Er wandte sich daraufhin an die Stadtverwaltung.

Die habe laut Bauamtsleiter Michael Wittig „das Haus im Auge. Die schadhaften Stellen stehen schon seit längerer Zeit unter Beobachtung“, erklärte Wittig den Stadträten während des Technischen Ausschusses. Im Museumshaus treffe Altbausubstanz auf Neubausubstanz. „Da kann es dazu kommen, dass sich Risse bilden“, so Wittig. „Das Haus lebt und die Substanz arbeitet, das dürfte eigentlich jedem bekannt sein“, so der Bauamtsleiter. Es habe zwei Hochwasser überstanden. Derzeit setze der zweite trockene Sommer dem Objekt zu. 

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Die Frage sei: Sind das wirklich Baumängel, die jetzt zutage treten? Gravierende Missstände jedenfalls sieht die Verwaltung nicht, auch wenn sich einige Fugen und Risse gebildet hätten, so Wittig. Es sei jedoch nicht immer der richtige Weg, diese sofort wieder zu verschließen. Dabei könne viel falsch gemacht werden. „Das jetzige Erscheinungsbild zwingt uns nicht zum sofortigen Handeln.“ 

Der Bauamtsleiter verwies gleichzeitig darauf, dass es kein Mangel sei, dass die alte Eingangstür und die im Gebäude befindliche Glastür gegeneinander aufschlagen. „Das ist sowohl vom Denkmalsschutz als auch aus brandschutztechnischer Sicht so abgenommen und gewollt“, erklärte der Bauamtsleiter. Die eigentliche Hauptfunktion habe die neue Innentür. „Die Außentür ist nur Attrappe.“ Wittig bot den Ausschussmitgliedern an, sich selbst noch einmal das Haus anzuschauen.

Rechtzeitige Kontrolle wichtig

CDU-Stadtrat Albrecht Hänel bestätigte: „Ja, es ist richtig, dass es bei einem so alten Haus, das saniert wird, zu Setzungen kommen kann“. Rechtzeitig vor Ablauf der Gewährleistungsfrist – diese ist auf vier Jahre nach Fertigstellung ausgelegt – sollten sich Fachleute aber auf jeden Fall noch einmal mit dem Gebäude beschäftigen.

Erst vor eineinhalb Jahren war das im Jahr 1771 erstmals erwähnte Haus am Niedermarkt 8 aufwendig saniert und zum Stadt- und Museumshaus umgebaut worden. 1810 erwarb es Tuchmacher Christian Friedrich Riehle. Es fiel einem Brand zum Opfer, wurde aber ein Jahr später wieder aufgebaut und trägt seitdem den Namen Tuchmacherhaus. Oft wird es auch als Napoleonhaus bezeichnet. Der französische Kaiser Napoleon Bonaparte soll eine Nacht dort verbracht haben.

Der Um- und Ausbau des Gebäudes kostete insgesamt rund 1,8 Millionen Euro. Davon flossen 90 Prozent als Fördergeld vom Land Sachsen.