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"Dieses Virus verschwindet nicht mehr"

Gesund – infiziert – infektiös – krank – hoffentlich geheilt: Wer ist ansteckend, wer ist immun? Ein Dresdner Virologe erklärt es uns.

Schleswig-Holstein, Elmshorn: Eine Ärztin entnimmt an einer Drive-in-Teststation einen Abstrich von einem möglicherweise Infizierten. Menschen mit Covid-19 Verdacht können sich hier nach Voranmeldung testen lassen.
Schleswig-Holstein, Elmshorn: Eine Ärztin entnimmt an einer Drive-in-Teststation einen Abstrich von einem möglicherweise Infizierten. Menschen mit Covid-19 Verdacht können sich hier nach Voranmeldung testen lassen. © Daniel Reinhardt/dpa

Die Türen sind verschlossen. „Bio II“ und „Infektionsgefahr“ steht dort. Es ist der Zugang zum Genlabor. Hier laufen Tests auf das Coronavirus. Nur mit gentechnischen Methoden lässt sich dieses Virus nachweisen. Das Team von Institutsdirektor Alexander Dalpke am Dresdner Universitätsklinikum hat von Tag zu Tag mehr zu tun. Corona-Tests von der Uniklinik selbst, von Arztpraxen aus Dresden und der ganzen Region kommen hierher. Um Mikrobiologie geht es sonst vor allem in seinem Institut, um Viren und um den Schutz vor ihnen. Infektionsepidemiologie nennt sich das, und da ist Medizinprofessor Dalpke Spezialist. Wie breitet sich dieses Virus aus, und was macht es mit uns? Wie lange bleibt es? Wie lange bleibt jemand ansteckend? Wer ist noch gesund? Was bedeutet infiziert, was krank? Und ist man letztlich restlos geheilt? Sächsische.de sprach darüber mit Professor Dalpke.

Infiziert

Damit fängt das Unheil an. Solange sich die Viren an der Hand befinden, ist man noch nicht infiziert. Ist das Virus dann aber einmal vom Körper aufgenommen und beginnt sich in den Zellen zu vermehren, ist man infiziert. „Modellrechnungen ergeben, dass prinzipiell 60 bis 80 Prozent der Bevölkerung infektempfänglich wären bei einer unkontrollierten Ausbreitung.“

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Das Coronavirus befindet sich zunächst im Mund- und Rachenraum, es wandert später in die tieferen Atemwege hinein. Zu spüren ist da noch gar nichts. „Das Virus lässt sich da auch noch nicht nachweisen“, sagt Dalpke. Zumindest für die verfügbaren Tests existieren noch zu wenige Viren. Die gute Botschaft dabei ist: Die Person ist zwar infiziert, kann aber die Krankheit noch nicht verbreiten. Das ändert sich erst mit Ausbruch der Erkrankung.

Infektiös

„Etwa einen knappen Tag bevor man die ersten Anzeichen selbst spürt, ist das Virus so weit vermehrt, dass man es übertragen kann.“ Fatal ist die Situation deshalb, weil diese Infektion noch immer nicht zu spüren ist. In diesen Stunden bis zum Ausbruch der Erkrankung wäre das Virus mit einem Test nun aber schon nachweisbar. Allerdings: Ein Virentest nur einen Tag davor würde noch „negativ“ anzeigen, ein falsches Ergebnis. „Es wäre eine trügerische Sicherheit.“ Eine, die sich binnen Stunden in Erkrankung wandeln kann. „Man kann mit den bisherigen Tests nicht die Abwesenheit des Virus beweisen.“ Da hilft nur Abwarten, also Quarantäne. Mehr als 99 Prozent aller Infizierten erkranken nach der Infektion innerhalb von 14 Tagen.

Erkrankt

In aller Regel beginnt die eigentliche Erkrankung in der Hälfte aller Fälle nach fünfeinhalb Tagen und dauert damit etwas länger als bei der Virusgrippe. „Innerhalb von zehn Tagen sind mehr als 80 Prozent der Infizierten erkrankt.“ Erkrankt ist jemand, bei dem Beschwerden auftreten. 85 Prozent der Infizierten haben bislang nur leichte Symptome wie Halsschmerzen oder ein wenig erhöhte Temperatur. Erkrankt ist aber erkrankt und die Ansteckungsgefahr für andere Menschen in dieser Zeit enorm. Sie bleibt bis zum Abklingen der letzten Krankheitsmerkmale. Im leichten Fall verschwinden die nach vier, fünf Tagen. Im krassen Notfall mit künstlicher Beatmung dauert dies drei bis fünf Wochen. Ein Test, der anzeigt, von nun an besteht keine Ansteckungsgefahr mehr, den gibt es so noch nicht. Denn bis zu drei Wochen weist der bisherige Test das Virus noch nach, infektiös ist der Patient aber dann schon lange nicht mehr.

Mitunter fällt die Erkrankung aber auch ganz aus. Die Mediziner nennen dies asymptomatisch, also ohne jedes Symptom. Genau diese Fälle sind mit das größte Problem. Solche Personen verbreiten über Tage hinweg das Virus weiter, ohne dass es jemand bemerkt. „Vor allem bei Kindern scheint es so zu sein. Das weiß man aus Familienuntersuchungen.“ Solche Erkenntnisse haben letztlich Einfluss auf Entscheidungen wie Schulschließungen.

Es gibt bisher keine Tests, die eine überstandene, unbemerkte Infektion nachweisen könnten. „An solchen Antikörpertests wird weltweit geforscht“, sagt Alexander Dalpke. Vielleicht gibt es sie im Herbst. Dann könnte man eine statistische Probe machen, 1.000 Personen oder mehr auf Antikörper testen und dies mit den jetzigen Daten vergleichen. „Wichtig wären die, um die Durchseuchung zu kennen. Dann wüssten wir deutlich mehr über das Virus. Und auch darüber, wie tödlich es wirklich ist.“ Denn sollten viele Menschen ohne Erkrankung diese Virusattacke unbemerkt überstehen, wäre damit die Sterberate geringer. „Die jetzigen Zahlen zu infizierten Personen sind eben nur ein Bruchteil.“ Die Dunkelziffer liegt erheblich darüber

Geheilt

Erst nach überstandener Krankheit ist man nicht mehr infektiös, also ansteckend. Wieder gesund und für andere unbedenklich im Umgang. Diese Menschen geben die Viren nicht mehr weiter. Sie können sich nach jetzigem Stand der Forschung auch nicht wieder erneut anstecken. Und noch besser: Sie übertragen dann auch diese Viren nicht mehr von anderen auf wiederum andere. Die Infektionskette wäre unterbrochen. Nur, derzeit gibt es halt so gut wie keine geheilten Personen, auch keine geimpften, was das Gleiche bedeuten würde.

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Und insofern lassen sich Infektionsketten erst einmal nur durch Distanz unterbrechen. Sollte das Virus sich eindämmen lassen, dann nur für eine gewisse Zeit. „Dieses Virus verschwindet nicht mehr, es zieht sich vielleicht zeitweise zurück.“ Doch wenn es wiederkommt, wäre schon ein Teil der Bevölkerung immun. Bis Sars-CoV-2 keinerlei Chance mehr hat, müssten jedoch bis zu 80 Prozent der Bevölkerung mit diesem Virus einmal Kontakt gehabt haben. Eine Impfung wäre dafür die beste Lösung. Daran wird weltweit gearbeitet.

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