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Dieter Nuhr und der Sieg der Wissenschaft

Ein Statement des Kabarettisten zur Forschung wurde nach einem Shitstorm entfernt. Der Streit endet versöhnlich.

Dieter Nuhr in der Wiener Stadthalle.
Dieter Nuhr in der Wiener Stadthalle. © Bildagentur Zolles KG/Markus Wache

Echte Wissenschaft unterscheidet sich von Verschwörungstheorien auch dadurch, dass Kritik immer dazugehört. „Wissenschaft ist nämlich keine Heilslehre, keine Religion, die absolute Wahrheiten verkündet.“ So erklärt es der Kabarettist Dieter Nuhr in einem Audiobeitrag für die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). So weit, so richtig. Zumindest sollte das jeder Student im ersten Semester lernen.

Trotzdem hat die DFG Nuhrs Statement einige Tage nach der Veröffentlichung von ihrer Seite zum 100-jährigen Jubiläum entfernt. Warum? Weil es mal wieder einen Shitstorm gab. Wo? Natürlich auf Twitter. „Dieter Nuhr ist wirklich Abfall. Ich arbeite in der Wissenschaft. Danke für nichts“, schreibt zum Beispiel einer unter Hunderten Kommentaren. Oder: „Euer verdammter Ernst? Aus all den Leuten sucht ihr diesen Kloakenclown aus?“ Die Empörung entzündet sich weniger daran, was Nuhr sagt, sondern an seiner Person. Viele erinnern an seine Haltung zu Greta Thunberg und Fridays For Future, denen er ein fragwürdiges Verständnis von Wissenschaft vorgeworfen hatte. Nuhr sei der „humoristische Arm der Pegida“, meint einer.

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DFG entschuldigt sich bei Nuhr

Der DFG wurde das zu viel. Sie löschte den Beitrag von ihrer Seite. Begründung: „Wir nehmen die Kritik ernst.“ Auf Twitter ließ sie das Statement stehen, zur Dokumentation der Debatte. Nuhr kritisierte auf seiner Facebook-Seite die DFG scharf: Sie beteilige sich an „Ketzerei“. Die Diskussionskultur einzelner Gruppen sei „mittelalterlich und beängstigend“. Denunziation und soziale Ausgrenzung prägten die Debatte. „Mir gruselt es.“ Über mangelnden Zuspruch kann sich Nuhr nicht beklagen. Mehr als 30.000 haben unter seiner Protestnote „Gefällt mir“ geklickt.

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Inzwischen hat sich die DFG bei Nuhr entschuldigt und seinen Beitrag wieder online gestellt. „Herr Nuhr ist eine Person, die mitten in unserer Gesellschaft steht und sich zu Wissenschaft und rationalem Diskurs bekennt“, heißt es in einer Erklärung. Auch die DFG beklagt eine Debattenkultur, „in der oft nicht das sachliche und stärkere Argument zählt, (…) sondern immer häufiger vorschnell geurteilt und verurteilt wird“. Umso wertvoller ist solche Fähigkeit zur Selbstkritik.

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