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Die  Welt nur für uns drei!

Mit der Kinderoper „Gold“ feiern die Landesbühnen erstmals Premiere in Pirna.

Von Thomas Morgenroth

Gesund und Fit

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Ein Computer schwimmt auf den Wellen, das Schlossportal, Mauerbrocken, eine Schachtel mit Pralinen. Alles treibt vorbei zum Meer. Jacob steigt auf eine Düne und sieht, wie die Dinge verschwinden, die gerade noch so wichtig waren. Vier gelbe Quietscheentchen bleiben übrig, und ein blaues. Und das Glück, das in das Erdloch unter dem Baum zurückgekehrt ist, in die Dreisamkeit der Familie, in der die Eltern nun wieder ihren Jungen herzen.

Nein, einen Palast brauchen sie doch nicht, die armen Fischer, die ja noch nicht einmal ein Haus hatten, auch keine Bediensteten, die immer nur stören mit ihren Staubsaugern, selbst auf dem Klo ist Jacob nicht alleine. Auch die Urlaubsreisen nach Afrika und zum Südpol, ja selbst auf den Mond enden in Gemeckere der Mutter und des Vaters, die den Hals nicht voll genug kriegen können und ihren Sohn immer wieder zu seinem wundertätigen Fisch ans Meer schicken. Am Ende wollen sie „die ganze Welt nur für uns drei!“. Statt der Erde aber bekommen sie ihre Armut zurück und werden so von ihrer Habgier geheilt.

Der Komponist Leonard Evers und die Autorin Flora Verbrugge aus den Niederlanden ließen sich vom Grimm’schen Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ zu der modernen wie phantasievollen Kinderoper „Gold“ anregen. Klaus-Peter Fischer inszeniert das Musiktheaterstück für Kinder ab fünf in dieser Spielzeit für die Landesbühnen. Die Premiere ist am Sonntag in der Kleinkunstbühne Q 24 in Pirna, die zum ersten Mal überhaupt eine Premiere des Reisetheaters erlebt.

„Gold“ hat keine opulenten Bühnenbilder, alle Requisiten befinden sich in einem Wäschekorb; kein Orchester und keine Heerscharen von Mitwirkenden, sondern nur zwei: einen Musiker und eine Sängerin. Die aus der Schweiz stammende Sopranistin Patrizia Häusermann singt und spricht und spielt alle Rollen: Jacob, die Eltern, eine Erzählerin. Und wie sie das tut: voller Trotz, wenn sie als Junge für die Eltern Größenwahnsinniges wünscht und er für sich dafür endlich mal eine Woche im Freizeitpark. Völlig überdreht als Mutter, die sich beklagt, dass es überall störende Kinder gibt, oder als knurriger Vater, der mit nichts zufrieden ist. Dann kämpft sie schwankend mit Spielzeugflugzeugen gegen den Sturm, hängt sich Postkarten-Leporello und Blumenkette um den Hals sowie Auto, Limobüchse, Jacht oder Gartenzwerg an den Gürtel. Und bittet mit den Augen die Zuschauer in der ersten Reihe, das riesige gletscherblaue Tuch zu bewegen, damit das Meer auch wirklich turmhohe Wellen schlägt.

Das alles wäre freilich nur halb so fröhlich, traurig oder dramatisch, wenn nicht Stefan Köcher oder Hendrik Gläßer, sie teilen sich in die Aufführungen, dazu ihre Schlagwerke bedienen würden. Die Musiker der Elbland Philharmonie Sachsen erzeugen mit Marimba und Vibraphon, das auch mit einem Geigenbogen gespielt wird; mit Holzklötzen, Becken und Trommeln, aber auch mit einer Schüssel voller Kies, einer Triola und einer Spieluhr ein ganzes Universum an sphärischen Tönen und erdiger Musik. Es klimpert und pluckert, säuselt und knallt, schmeichelt und krächzt, und wie das zur Handlung passt!

Eine Herausforderung für Musiker wie Sängerin, die im Grunde ja – von wenigen pantomimischen Einlagen abgesehen – die ganze Zeit solistisch arbeiten müssen. Aber sie sind des Lobes voll: „Musik und Text passen gut zusammen, eines unterstützt das andere, das habe ich selten so erlebt“, sagt Patrizia Häusermann.

„Gold“, Premiere am 1.2., 15.30 Uhr, in der Kleinkunstbühne Q 24 in Pirna; 3./4.2., 10.3. und 28.4. in Radebeul

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