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Diffuse Flüchtlingsängste in Zgorzelec

Antiislamische Aufkleber sind nun auch in Zgorzelec aufgetaucht. Dabei leben dort überhaupt keine Schutzsuchenden.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Katarzyna Wilk-Sosnowska und Katrin Schröder

Sie sind ungefähr 15 mal 15 Zentimeter groß und zeigen eine Moschee oder einen Halbmond – beides durchgestrichen. „Zgorzelec frei vom Islam“ steht auf den Aufklebern, die in den vergangenen Tagen immer wieder auf der Daszynski-Straße am Zgorzelecer Neißeufer, nahe der Altstadtbrücke, aufgetaucht sind. Mancher Zgorzelecer, der sich über die Aufkleber geärgert und sie abgerissen hat, sah sich am folgenden Tag mit neu angebrachten Stickern konfrontiert. Wer sie angebracht hat, ist unklar.

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Überrascht zeigt man sich bei der Zgorzelecer Stadtverwaltung. „Bei uns hat dies niemand gemeldet“, sagt Stadtsprecherin Renata Burdosz. Sie vermutet einen Zusammenhang zu den Protesten gegen Flüchtlinge, die in jüngster Zeit auch in Polen organisiert wurden und werden. „Bei uns gab es zwar keine Demonstrationen, aber in jeder Stadt in Polen besteht ein Umfeld, das mit nationalistischen Gruppierungen in Verbindung steht.“ In diesem Umfeld vermutet sie die Urheber der Aufkleber-Aktion. Zgorzelec hat keine Flüchtlinge aufgenommen. Und Asylbewerber, die auf der deutschen Seite in Görlitz leben, dürfen die Grenze nicht überqueren.

Dennoch scheinen in der polnischen Neißestadt diffuse Ängste um sich greifen, die unlängst ein Zeitungsartikel zusätzlich geschürt hat. Konkrete Aussagen dazu, was die Zgorzelecer fürchten, blieb der Autor allerdings schuldig. Es machen Gerüchte die Runde, dass Flüchtlinge Frauen belästigen und Überfälle verüben, obwohl aus Görlitz und Umgebung keine derartigen Fälle bekannt sind. Bei der polnischen Polizei weiß man ebenfalls nichts von den anti-islamischen Aufklebern am Neißeufer. Bei der Stadtpolizei hebt man ebenfalls die Hände: Keine Erkenntnisse. Nun wollen die Beamten die Aufnahmen überprüfen, die ihre Kameras am Neißeufer aufzeichnen. Allerdings nehmen diese nur einen Teil der Daszynski-Straße nahe der Altstadtbrücke in den Blick.

Allerdings untersuchen die polnischen Sicherheitsbehörden auch ähnliche Fälle im Süden des Landkreises Zgorzelec. So hatten Unbekannte antiislamische Aufkleber auf Verkehrsschilder bei Sieniawka (Kleinschönau), am gegenüberliegenden Neißeufer von Zittau, geklebt. Sie sind mittlerweile überstrichen worden. Doch beschäftigt das Thema die Einwohner des polnischen Grenzlandkreises weiter. So erklärte der Gemeindevorsteher des zu Bogatynia gehörenden Ortsteils Porajow (Groß Poritsch) in einem Fernseh-Interview, dass Bürger Angst vor Übergriffen seitens der Flüchtlinge hätten. „Ich habe gehört, dass zwei junge Mädchen von solchen Männern angesprochen wurden. Dabei machten diese seltsame Gebärden, schickten Luftküsse hinüber und vollführten zweideutige Handbewegungen.“

Die polnische Polizei reagierte skeptisch auf die Äußerungen des Vorstehers. „Wenn er irgendwelche diesbezüglichen Informationen besitzt“, sagt Antoni Owsiak, Pressesprecher des Bezirkskommandos Zgorzelec, „so erinnere ich daran, dass jeder Bürger das Recht und die Pflicht hat, Straftaten – unabhängig von deren Schwere – den Strafverfolgungsbehörden zu melden.“ Im Moment liege der Polizei aber keine Anzeige vor. (mit SZ)