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So wird der Weg zum Amt überflüssig

Deutschland hinkt bei der Digitalisierung hinterher. Auf dem einzigartigen Studiengang der Hochschule Meißen liegen deshalb große Hoffnungen.

Die Studenten des neuen Studiengangs "Digitale Verwaltung" lernen die Zusammenhänge aus Wirtschaft, Recht und Informatik kennen.
Die Studenten des neuen Studiengangs "Digitale Verwaltung" lernen die Zusammenhänge aus Wirtschaft, Recht und Informatik kennen. ©  Claudia Hübschmann

Nur noch zwei Jahre - dann sollen wenige Klicks und Online-Formulare den Behördengang ersetzen. Eine Verpflichtung, die den Freistaat ganz schön unter Druck setzt. Denn immer noch gäbe es Gemeinden, die eine Webseite und einen Facebook-Account für Digitalisierung halten, erklärt Innenminister Roland Wöller (CDU). Vor ihm sitzen 16 Studenten aus Meißens neuem Studiengang "Digitale Verwaltung". Bis sie als digitale "Sanierer" herhalten müssen, dauert es allerdings noch sieben Semester. Solange lernen Sie die wichtigsten Zusammenhänge aus Wirtschaft, Recht und Verwaltung kennen. Ein bisschen Informatik steht auch auf dem Stundenplan.

Mit diesem vielfältigen Grundwissen sollen die Studenten später zwischen Verwaltungsmitarbeitern und Programmierern vermitteln. Solche Absolventen hätten den Behörden schon Anfang der 2000er-Jahre gutgetan, meint Digital-Staatssekretär Thomas Popp (parteilos), der damals in Finanzämtern am digitalen Umbau gearbeitet hat, um festzustellen, dass die Mitarbeiter aus beiden Welten einfach nicht die gleiche Sprache sprechen.

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Jetzt gibt es endlich den passenden Studiengang. Der Staatssekretär verspricht den Studienanfängern deshalb schon nach der Einführungsveranstaltung eine erfolgreiche Zukunft: "Jedes Ministerium brauch mindestens zwei, drei solcher Absolventen", unterstreicht Popp. "So viele können wir gar nicht ausbilden."

Mit der speziellen Ausrichtung der Ausbildung hat die Hochschule ein deutschlandweit einzigartiges Programm geschaffen. Im gleichnamigen Studiengang in Bayern liege der Schwerpunkt nämlich auf der IT-Ausbildung. In Meißen sollen hingegen keine Programmierer ausgebildet werden, sondern Generalisten, die wissen, wie solche Programme aufgebaut sind. Außergewöhnlich ist auch die verlängerte Studiendauer, doch für den Bachelor of Science Abschluss möchte die Hochschule die Zeit für zwei Praxissemester einräumen.

Viel zu wenig Geld und Ressourcen

Nicht nur mit dem Studiengang möchte Sachsen die Blicke auf sich ziehen - sowieso würde der Freistaat in Digitalisierungsfragen besser vorankommen als zwei Drittel aller anderen Bundesländer. "In einigen wichtigen Bereichen wie der digitalen Datenverarbeitung sind wir sogar sehr weit vorne", schlüsselt Popp auf. Die Hochschule Meißen hat trotzdem noch kein WLAN.

Von der freien Wirtschaft seien die Bürger anderes gewohnt und würden nun auch vom Staat so schicke Anwendungen wie von Facebook, Google oder Amazon erwarten, erklärt Popp. "Nur haben wir in den vergangenen Jahren viel zu wenig Geld und viel zu wenig Ressourcen in die Entwicklung gesteckt." Mit den Milliarden der Großkonzerne könne man zwar nicht gleichziehen: "Trotzdem kann sich die Staatsregierung dieser Entwicklung, die mehr als ein Trend ist, nicht entziehen." Die Aufgabe der ersten Absolventen würde vor allem darin liegen, das durchschnittlich über 50 Jahre alte Stammpersonal von einer digitalen Zukunft zu überzeugen.

Denn für Sachsen ist die digitale Verwaltung mehr als ein Bürgerservice. Bis 2030 werden 40.000 Mitarbeiter den öffentlichen Dienst altersbedingt verlassen. "Die Stellen werden wir nicht eins zu eins nachbesetzen können", prognostiziert Popp und sieht die Lösung in effizienteren digitalen Arbeitsabläufen. Zur Ausstattung des einzigartigen Studiengangs ist deshalb ungewöhnlich viel Geld geflossen: Im rechten Flügel von Haus 1 und im IT-Flügel sind Lehrsäle zu digitalen Arbeitsplätzen umgebaut worden. 

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