merken
PLUS Niesky

Züge bald pünktlicher

Die Bahn lässt zwischen Knappenrode und Horka ein digitales Sicherheitssystem installieren. Ein Pilotprojekt für die Lausitz.

Auch das Streckennetz am Nieskyer Bahnhof wurde in den vergangenen Jahren elektrifiziert. Ab Ende 2022 werden Bahnfahrer hier dann auf der "digitalen Schiene" unterwegs sein.
Auch das Streckennetz am Nieskyer Bahnhof wurde in den vergangenen Jahren elektrifiziert. Ab Ende 2022 werden Bahnfahrer hier dann auf der "digitalen Schiene" unterwegs sein. ©  Archiv/André Schulze

Die Erneuerungen auf dem zur Niederschlesien-Magistrale gehörenden Teilstück Knappenrode - Horka nehmen kein Ende. Nachdem hier vor knapp zwei Jahren die Elektrifizierung in Betrieb gegangen ist, aktuell noch an den Zugängen für den Rettungsdienst und verschiedenen Natur-Ausgleichsprojekten gewerkelt wird, steht ein weiteres Projekt bereits in den Startlöchern: ein supermodernes Zugsteuerungssystem.

Was die Deutsche Bahn vor ein paar Wochen nur in einem Nebensatz verkündete, ist für die Lausitz ein Meilenstein. Denn nirgendwo sonst auf den Bahnstrecken zwischen Hoyerswerda, Bautzen, Zittau, Görlitz, Niesky und Weißwasser gibt es bis jetzt die Technik mit dem sperrigen Namen "europäisch harmonisiertes Zugsteuerungssystem" (ETCS).

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Neue Technik soll europaweit für mehr Sicherheit sorgen

Laut dem für Großprojekte bei der Deutschen Bahn zuständigen Pressesprecher Michael Baufeld nimmt die Strecke in der Lausitz damit eine Vorreiterrolle ein. Was allerdings nicht überraschend kommt. Denn: Sie ist Teil eines wichtigen europäischen Güterverkehrskorridors. Die Ausrüstung mit ETCS erleichtere und beschleunige den grenzüberschreitenden Verkehr, erklärt der Sprecher. Und fügt hinzu, dass die moderne Technik auf polnischer Seite zwischen der Grenze und Kattowitz (Kattowice), der Hauptstadt der Woiwodschaft Schlesien, auf mehreren Abschnitten schon aktiv sei.

Mit dem neuen System soll die Sicherheit auf den Bahnstrecken europaweit verbessert werden. Bis jetzt setzt jedes Land seine eigene Technik ein. Nach Vorgaben der EU müssen die Mitgliedsländer den modernen Standard jedoch in den nächsten Jahren auf ihren Territorien umsetzen. "Damit will man den grenzüberschreitenden Verkehr erleichtern, Zeit und Kosten sparen, insgesamt aber auch mehr Züge auf die Schienen bringen", erklärt Baufeld den Sinn der Investition.

Deutschland hat hierfür das Programm "Digitale Schiene" aufgelegt. Damit werden neben dem ETCS auch digitale Stellwerke aufgebaut. Insgesamt werden laut dem Bahnsprecher "flüchtige Beobachter davon aber kaum etwas merken", wenn ab der zweiten Jahreshälfte die notwendige Technik zwischen Knappenrode und Horka installiert wird. Speziell geht es dabei um kleine, mit Elektronik vollgepackte, gelbe Kästen, die auf den Schwellen zwischen den Schienen montiert werden. Zwischen ihnen, den Stellwerken und Zügen gibt es intensiven Funkkontakt.

Bordcomputer bremsen den Zug im Notfall ab

Im Abgleich mit den Streckendaten wird so permanent die zulässige Höchstgeschwindigkeit ermittelt, außerdem der Punkt, an dem das Fahrzeug wieder stehen muss. Die Bordcomputer der Züge gleichen dies mit der tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeit und der Entfernung zum Ziel ab und bremsen bei einer Überschreitung der Werte automatisch ab.

Aktuell werden die zwischen Knappenrode und Horka notwendigen Arbeiten geplant. Erst nach deren Genehmigung könnten Aussagen zu Ort und Zeit der Installationen getroffen werden, erklärt Michael Baufeld. Das Kostenvolumen liegt nach vorliegenden Berechnungen bei circa 15,5 Millionen Euro. Außerhalb der Lausitz kommt die Strecke Dresden - Berlin noch eher in den Genuss der erhöhten Sicherheit. Hier wird das neue System schon ab Ende 2020 auf großen Abschnitten eingebaut.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Niesky