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Dipps verkauft Müllkippe

Ein Unternehmen wollte im Gewerbegebiet Reinholdshain bauen. Aber zuerst musste entrümpelt werden.

Von Mandy Schaks

Eine böse Überraschung erlebte die Stadt Dippoldiswalde beim Verkauf einer Fläche im Gewerbegebiet Reinholdshain. Und der Investor wahrscheinlich erst! Dabei fing die Geschichte so gut an, die Oberbürgermeister Ralf Kerndt (Freie Wähler) jüngst im Haupt- und Verwaltungsausschuss der Stadt erzählte. Die geht ungefähr so.

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Die einheimische Dowaldwerke GmbH, die erst Ende vergangenen Jahres ein neues Verwaltungs- und Fertigungsgebäude für rund 2,5 Millionen Euro in dem Dippser Ortsteil einweihen konnte, brauchte noch etwas mehr Platz. So bestand zum Beispiel Bedarf an Pkw-Stellflächen. Die Stadt hatte zum Glück in dem florierenden Gewerbegebiet noch ein Fleckchen frei und konnte dort sozusagen das letzte Stück verkaufen. Man will ja schließlich Unternehmen unterstützen und helfen, wo man kann. Obendrein hätte Dipps auch noch gut 22 000 Euro mit dem Verkauf des Flurstückes verdient. Immerhin!

Was dann nach dem Vertragsabschluss im Juni vergangenen Jahres passiert ist, hat sich bis vor Kurzem wohl niemand vorstellen können. Außer vielleicht im Bauamt oder im Büro des Oberbürgermeisters. Aber der Reihe nach.

Als die Bagger nämlich anrückten, um den Bau vorzubereiten und sich ihre Schaufeln in die Erde gruben, prallten sie auf Altlasten, „deren Herkunft nicht eindeutig ist“, wie es aus dem Rathaus heißt. Das ist die diplomatische Umschreibung für – Müll. Da redete schließlich Oberbürgermeister Kerndt zur Ausschusssitzung gar nicht herum. Machte auch keinen Sinn, die Rechnung lag längst auf dem Ratstisch.

Wie Kerndt schilderte, seien „unwahrscheinlich große Mengen an Müll“ beim Bodenaushub zum Vorschein gekommen. „Wir hatten zum Zeitpunkt des Verkaufes keine Kenntnis davon.“ Er konnte nur noch über die Ursachen mutmaßen. Entweder sei da mal eine Grube oder so verfüllt oder nach dem Jahrhundert-Hochwasser 2002 Müll abgelagert worden. Das ließe sich nicht mehr abschließend klären. Nun geht es nur noch um Schadensbegrenzung.

Denn auf dem Müll sitzengeblieben war schließlich der ahnungslose Investor. Die Beseitigung der Altlasten kostete dem Käufer des Baulandes demnach rund 31 500 Euro. Da das so weder geplant noch verabredet war, flatterte eine Rechnung ins Rathaus. Der Eigentümer bat die Stadt, sich mit 35 Prozent an den Kosten zu beteiligen. Das schmälert den Verkaufserlös nun um die Hälfte. Darüber gab es aber keine Diskussionen. „Aufgrund der vorgefundenen Bodensituation und der tatsächlich angefallenen Kosten für das Unternehmen hält es die Verwaltung auch im Hinblick auf die Transparenz und Glaubwürdigkeit der Stadt Dippoldiswalde als Verkäufer für geboten, dem Beschlussvorschlag zu folgen“, hieß es zur Begründung.

Leider ist so etwas nicht zum ersten Mal passiert, wie Oberbürgermeister Kerndt durchblicken ließ. Beim Bau einer Kindertagesstätte auf dem Firstenweg war schon einmal bei Erdarbeiten plötzlich Unrat aufgetaucht. Damals sei zum Beispiel alte Dachpappe zum Vorschein gekommen.

Angesichts der Peinlichkeiten mahnte Stadtrat Falk Kühn-Meisegeier (Freie Wähler) an, aus den Erfahrungen zu lernen. Vor dem Verkauf gerade einer Brachfläche sollte eine Probe gezogen werden, regte er an. Oder – ganz profan – könnte man ja mal mit einer Schaufel kratzen, ob da vielleicht was unter der Erdoberfläche liegt, das dort nicht hingehört.

Aus einem anderen, ähnlich gelagerten Vorfall hat die Stadt inzwischen Schlüsse gezogen. Im Reinholdshainer Gewerbegebiet war jüngst eine überdurchschnittlich hohe Radonbelastung eher zufällig festgestellt worden. Ein Unternehmen hatte daraufhin den Standort verlassen, andere forderten mehr Aufklärung. Die Stadtverwaltung weist nun Bauwillige sowohl bei Eigenheimbaugebieten als auch Gewerbeansiedlungen auf dieses Risiko hin und händigt den Investoren eine Broschüre aus mit Beratungshinweisen zu Radon.