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Dipps zeigt ältesten sächsischen Holzpokal

Ein wertvolles Trinkgefäß, eine Geldbörse und ein Holzschwert sind im Dippser Miberz-Museum zu sehen. Gefunden wurden sie an einem unappetitlichen Ort.

Andree Forßbohm ist Restaurator und auf alte Hölzer spezialisiert. Er stellt den wertvollen Holzpokal in Dippoldiswalde in die Sondervitrine.
Andree Forßbohm ist Restaurator und auf alte Hölzer spezialisiert. Er stellt den wertvollen Holzpokal in Dippoldiswalde in die Sondervitrine. © Foto: Miberz Dippoldiswalde

Eine Vitrine im Museum für mittelalterlichen Bergbau im Erzgebirge (Miberz) wird regelmäßig mit besonderen Funden bestückt. Jetzt hat Restaurator Andree Forßbohm den ältesten Holzpokal, der bisher in Sachsen gefunden wurde, hier ins Museum gestellt. Aber nicht nur dieses seltene Stück, sondern auch eine besondere Geldbörse und ein Holzschwert, das noch einige Rätsel aufgibt, sind momentan hier zu sehen. Sie haben allesamt gemeinsam, dass sie aus dem Jahrhundert nach 1200 stammen und dann irgendwann in einer Latrine gelandet sind. Niemand weiß heute warum, ob sie vor Feinden versteckt wurden oder versehentlich in dem Abort gelangt sind.

Warum Archäologen gerne in Latrinen wühlen

„Die Latrinen in den sächsischen Bergstädten sind wahre Schatzgruben für Archäologen“, teilt das Miberz. In dem feuchten Milieu erhalten sich viele organische Objekte, die andernorts zerfallen wären. Außerdem ist dort allerlei Haushaltsabfall gelandet, der Einblicke in die Alltagskultur vergangener Zeiten gibt. Was haben sie gegessen? Welches Besteck hatten sie im Haus? So wertvolle Stücke, wie sie in Dipps jetzt gezeigt werden, sind aber doch seltene Funde. Archäologen haben sie bei Grabungen in der Nonnengasse in Freiberg gefunden und sie sind jetzt bis Oktober in Dippoldiswalde ausgestellt.

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Eine Geldbörse, und niemand kennt den Inhalt

Der Holzpokal ist aus einem Stück gedrechselt worden und mit markanten Rillen geschmückt. „Er zählte zum exquisiten Tafelgeschirr in der Bergstadt“, sagt Linda Burghardt, die Leiterin des Miberz. 

Daneben liegt eine Geldbörse, Fachleute sprechen auch von einer Brakteatendose. Brakteaten war der Name der Münzen, die darin aufbewahrt wurden. Das Stück ist zwischen 1230 und 1250 entstanden und noch vollständig erhalten. „Sonst findet man meist nur Boden oder Deckel. Hier haben wir sie vollständig“, sagt Burghardt. Genau deswegen weiß aber bisher niemand, was in der Dose ist. Denn die Scharniere würden zerstört, wenn man die Dose aufklappt. Außen zeigt sie jedenfalls ein Bild von Heinrich, dem Erlauchten, der von 1221 bis 1288 Markgraf von Meißen war.

Dieser Holzpokal gehörte vor 800 Jahren zum exquisiten Tafelgeschirr Freiberger Bürger. Es ist der älteste seiner Arbeit, der bisher in Sachsen gefunden wurde. 
Dieser Holzpokal gehörte vor 800 Jahren zum exquisiten Tafelgeschirr Freiberger Bürger. Es ist der älteste seiner Arbeit, der bisher in Sachsen gefunden wurde.  © Foto: Miberz Dippoldiswalde
Das ist eine Geldbörse aus der Zeit um 1230. Sie zeigt ein Bild von Heinrich dem Erlauchten, Markgraf von Meißen. Aber niemand weiß, was drin ist. 
Das ist eine Geldbörse aus der Zeit um 1230. Sie zeigt ein Bild von Heinrich dem Erlauchten, Markgraf von Meißen. Aber niemand weiß, was drin ist.  © Foto: Miberz Dippoldiswalde

Als drittes Objekt stellt das Miberz jetzt ein zerbrochenes Holzschwert aus. Auch das hat in der Latrine die Jahrhunderte überlebt. Allerdings ist sein ursprünglicher Zweck nicht ganz klar. Möglicherweise war es ein Kinderspielzeug. Es kann aber auch ein Webschwert gewesen sein. Damit wurde der Schussfaden angeschlagen und damit der Stoff verdichtet.

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