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Dippser Finanzkrise wirft neue Schatten

Der Kämmerer muss nach der Probezeit gehen. Wie kommt Dipps nun aus dem Schlamassel wieder raus?

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Von Franz Herz

Die Stadtverwaltung Dippoldiswalde hat die Information still und leise auf ihre Homepage gestellt: Die Stadt sucht einen neuen Finanzchef. Die Fraktion der Freien Wähler hat es gestern über ihre Facebookseite weiter bekannt gemacht. Der Abteilungsleiter Finanzen, Heinz Dieter Guderian, wird Ende Juli seine Tätigkeit in Dippoldiswalde beenden. Es war ein nichtöffentlicher Beschluss des Stadtrats, das Arbeitsverhältnis zum Ende der Probezeit zu kündigen. Guderian nimmt noch Urlaub und hört zum Ende dieser Woche auf, für die Stadt zu arbeiten, wie Oberbürgermeister Jens Peter (Freie Wähler) informierte. Auf die Finanzsituation der Stadt fallen damit erneut dunkle Schatten.

Oberbürgermeister Peter hat Riesenprobleme, die Unordnung in der Finanzabteilung in den Griff zu bekommen. Guderian hat den Schlamassel nicht angerichtet. Das ist eine Erblast noch aus der Amtszeit von Ralf Kerndt (Freie Wähler). Aber Guderian war offenbar auch nicht der Richtige, um hier aufzuräumen.

Dippoldiswalde hat auf mehreren Ebenen Probleme. Akut ist, dass die Stadt für dieses Jahr noch keinen Haushaltsplan vorliegen hat. Damit sind wichtige Investitionen wie die Turnhallenbauten in Seifersdorf und Reichstädt immer noch blockiert, obwohl die Fördergelder dafür schon lange bereitstehen. Der Entwurf für den Haushalt soll nun am 15. Juli dem Stadtrat vorgestellt werden, dann schon ohne Guderians Unterstützung.

Das nächste Problem ist die Strategie, um Geld zu sparen und mehr einzunehmen. Diese ist in einem Haushaltsstrukturkonzept zusammengefasst. Das hat der Stadtrat zwar beschlossen, aber es hat sich schnell gezeigt, dass den Räten der nötige Ernst fehlt, um es auch umzusetzen. Hier wäre eine starke Person nötig, die deutlich macht, wie es um die Finanzen steht.

Schließlich muss Dippoldiswalde Aufgaben nachholen, die in den vergangenen Jahren liegen geblieben sind. Seit 2011 hat die Stadtverwaltung keinen Jahresabschluss mehr vorgelegt. Angekündigt ist, dass mit dem Haushalt für dieses Jahr auch wenigstens die Jahresabrechnung 2011 mitgeliefert wird. Das ändert aber nichts daran, dass die Stadt weiter um Jahre hinterherhinkt. So hat ein neuer Finanzchef in Dippoldiswalde einige große Brocken wegzuräumen.

Doch erst muss OB Peter jemand finden, der die Aufgabe übernimmt. Die Stellenausschreibung steht seit Montag auf der Homepage der Stadt Dippoldiswalde. Heute wird sie noch auf anderen Portalen zur Bewerbersuche veröffentlicht. Bis 14. August läuft die Bewerbungsfrist. Danach wird es sicher September, bis eine Entscheidung fällt. Wenn ein Favorit ein halbes Jahr Kündigungsfrist hat, kommt das Frühjahr, ehe er in Dippoldiswalde anfangen kann. Außerdem ist die Frage, wer sich auf den Schleudersessel in Dippoldiswalde setzen will, gibt Torsten Teubner (CDU), der stellvertretende Bürgermeister, zu bedenken. Denn hier haben sich in kürzester Zeit drei Finanzchefs abgewechselt. Vergangenen Sommer hat die langjährige Kämmerin Astrid Hamann die Stadtverwaltung verlassen. Ihre Nachfolgerin, Heike Herzig, blieb nur bis zum Winter.

Nun will Peter Ruhe reinbringen und keinen Schnellschuss abgeben. Er hat schon ein Konzept vorbereitet, wie die Dippoldiswalder Finanzverwaltung mit ihren eigenen Mitarbeitern die zu erwartende Vakanz überbrücken soll. „Es wird eine kommissarische Leitung geben, über die der Stadtrat entscheidet“, sagt der OB.