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Der "ewige" Tierparkdirektor geht

Am Dienstag ist Bernd Großers letzter Arbeitstag gewesen. Doch für den Zittauer Tierpark bleibt er auch künftig aktiv - nur in anderer Funktion.

Nach 34 Jahren übergibt Bernd Großer die Tierparkleitung in andere Hände.
Nach 34 Jahren übergibt Bernd Großer die Tierparkleitung in andere Hände. © Matthias Weber/photoweber.de

Es ist ein normaler Tag für Bernd Großer - und dennoch auch ein besonderer. Denn an diesem Dienstag ist sein letzter Tag als Zittauer Tierparkchef. Ab Mittwoch befindet er sich offiziell im Ruhestand, dann wird Andreas Stegemann den Tierpark weiterführen. Am Vormittag musste noch einiges für die Übergabe besprochen werden, nachmittags verabschiedeten sich dann alle Kollegen von ihrem Chef. Und Mitarbeiter hat Bernd Großer viele kommen und gehen gesehen - immerhin leitete er den Zittauer Tierpark 34 Jahre lang. 

1986 beerbte er den langjährigen Direktor Werner Brunzel, der sein Amt seit der Eröffnung des Zittauer Tierpark 1965 ausübte. Großer selbst übergibt die Leitung nun an seinen langjährigen Stellvertreter Andreas Stegemann, der seit über 30 Jahren im Tierpark tätig ist. Bernd Großer war seinerzeit bei der Übernahme des Direktorenpostens noch recht neu im Tierpark - ein Jahr zuvor hatte der gebürtige Wittgendorfer, der in Radgendorf aufgewachsen ist, hier begonnen.

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Veränderungen brauchen Zeit

Der junge Tierparkchef - Großer war 1986 erst 31 Jahre - setzte aber schnell eigene Akzente. Während sein Vorgänger den Besucher auch exotische Tiere wie Leoparden, Panther und Antilopen präsentierte und die Anzahl der großen Wildtiere sogar noch erhöhen wollte, verfolgte Großer diese Pläne nicht weiter. Ihm war es wichtiger, dass die Tiere artgerecht gehalten und aus diesem Grund in großzügigeren Gehegen untergebracht werden. "Von einem Schauobjekte-Tierpark sollte sich unsere Einrichtung zu einem Zoo entwickeln, der den Ansprüchen der Zootierhaltung gerecht wird", sagt Großer. Das war natürlich keine Aufgabe, die sich von heute auf morgen umsetzen ließ. Diese Veränderungen brauchten Zeit. Stück für Stück wurden die Gehege umgebaut und vergrößert. Aus kleinen Käfigen wurden begehbare Anlagen. Die neueste wird am Mittwoch eröffnet: das Nerzgehege.

Dessen Umbau ist durch eine große Spende eines Zittauer Unternehmens möglich geworden. Ohne Spenden, Fördermittel oder Initiativen Einzelner wäre im Zittauer Tierpark in den vergangenen Jahrzehnten vieles nicht erreicht worden. So gibt es schon seit Längerem die Idee, einen Wasserspielplatz zu bauen. Schwung bekam das Vorhaben durch eine Spendenaktion der Stadtwerke Zittau, bei der aktuell rund 9.500 Euro zusammengekommen sind. Die Realisierung des Projektes obliegt nun dem neuen Tierparkdirektor.

Die Liste der verwirklichten Bauvorhaben während Großers Amtszeit ist auch ohne den Wasserspielplatz sehr lang. Das meiste war lange geplant, manches war aber auch durch das August-Hochwasser 2010 notwendig geworden. Die damalige Flut richtete enormen Schaden an. Das hatte zur Folge, dass schon länger geplante Baumaßnahmen wie das Luchs-Gehege, jahrelang auf ihre Umsetzung warten mussten.

Um überhaupt bauen zu können, braucht es Geld. Darum habe er in den ganzen 35 Jahren immer kämpfen müssen, sagt Großer. "Zu DDR-Zeiten hatten wir kein Geld und kein Material, danach gab es zwar Material, aber Geld hatten wir immer noch keines", meint der scheidende Tierparkchef. Großer ist dankbar, dass sich die Stadt Zittau nach der Entlassung in die "Selbstständigkeit" nicht aus der finanziellen Verantwortung herausgezogen hat. Bis heute gibt sie einen festgelegten Betrag pro Jahr an die Einrichtung. Der Vertrag wurde im Vorjahr verlängert und sieht nun auch finanzielle Steigerungen vor.

Eigeneinnahmen steigen von 5 auf 50 Prozent

Der Tierpark Zittau erwirtschaftet heute knapp 50 Prozent seiner Einnahmen selbst. Dieser Anteil hat sich in Großers Amtszeit deutlich erhöht, als er anfing lag er der Eigenanteil bei unter fünf Prozent. Damals kostete der Eintritt aber auch nur 30 Pfennige. Heutzutage müssen die Besucher zwar mehr bezahlen, aber die Preise sind immer noch "familienfreundlich". Eine Jahreskarte kostet beispielsweise "nur" 15 Euro. Dafür kann man dann jeden Tag den Tierpark besuchen. Bernd Großer hatte sich immer dafür eingesetzt, dass der Eintritt so preiswert bleibt.

Dass die Gäste das zu schätzen wissen, zeigen die Besucherzahlen. Im Vorjahr kamen über 75.000 in den Tierpark. Damit erreicht die Einrichtung fast wieder die Zahlen aus DDR-Zeiten, als bis zu 80.000 Besucher gezählt wurden.

Dieses Jahr werden es wohl nicht ganz so viele Besucher sein - aufgrund der Corona-Krise und der damit verbundenen siebenwöchigen Schließung. Im Juni seien zwar mehr Besucher gekommen als im Juni vorigen Jahres, aber die Ausfälle während der Corona-Pandemie lassen sich damit nicht so schnell kompensieren, erklärt Großer. Immerhin will der Förderverein, dessen Vorstand Bernd Großer weiter angehört, die finanzielle Schlappe mit einem größeren Betrag ausgleichen.

Weiter für Finanzen zuständig

Großer Abschied von der Tierparkleitung bedeutet aber nicht, dass er sich ganz zurückzieht. Als neuer Vorsitzender des Tierpark-Trägervereins wird er sich weiterhin um die Finanzen kümmern, mit Geldgebern Kontakt halten und Fördermittel beantragen und abrechnen. Geplant sei, dass er mindestens einmal in der Woche im Tierpark tätig ist, so der 65-Jährige. Auch bei den Tierparkfesten wird man ihn weiterhin antreffen, verspricht er. 

Als Großer im Tierpark anfing, feierte dieser gerade groß sein 20-jähriges Bestehen. Zu dem traditionellen Tierpark-Sommerfest kamen später noch das Frühlingsfest am Muttertag, der Bauern- und der Adventsmarkt dazu. Dieses Jahr musste das Frühlingsfest wegen Corona abgesagt werden. Ob die anderen Feste und Märkte stattfinden können, ist derzeit noch nicht endgültig klar.

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Selbst wenn als Vereinschef nichts zu tun ist oder kein Fest stattfindet, wird man Bernd Großer als "normalen" Besucher immer mal wieder im Tierpark antreffen. Von Ruhestand kann ab dem 1. Juli also nicht die Rede sein. Darüber hinaus gibt es ja noch die zahlreichen anderen Vereine, in denen sich Großer engagiert, oder die vielen sportlichen Aktivitäten (Mountainbike, Fußball, Tennis), denen er sich widmet.

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