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Diskussion über die Werbung auf dem Po

Die Bundesliga-Volleyballerinnen aus Suhl wurden vom Werberat gerügt. Beim VC Dresden wundert man sich darüber.

Man muss da schon sehr genau hinschauen. Auf den Rückseiten der Hosen des VC Dresden steht der Schriftzug und das Firmenmotto des Werbepartners Erlebniswelt: „Wir schaffen Höhepunkte.“ Das kann man zweideutig interpretieren, muss man aber nicht.  Foto: C-
Man muss da schon sehr genau hinschauen. Auf den Rückseiten der Hosen des VC Dresden steht der Schriftzug und das Firmenmotto des Werbepartners Erlebniswelt: „Wir schaffen Höhepunkte.“ Das kann man zweideutig interpretieren, muss man aber nicht. Foto: C- © Foto: C- Juppe

Selten haben Sportler-Hinterteile in der 1. Volleyball-Bundesliga der Frauen größere Aufmerksamkeit generiert als in dieser Spielzeit. Der zweideutige Werbe-Schriftzug beim VfB Suhl hat die Aufmerksamkeit des Deutschen Werberates auf sich gezogen. Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen wirbt mit der Aufschrift „Prachtregion.de“ auf den Rückseiten der Spielerhosen für die Region.

Der Deutsche Werberat hat das vorige Woche in einer Mitteilung öffentlich als sexistisch und respektlos gegenüber Frauen gerügt – auch mehrere Vertreter anderer Bundesligisten hätten die Selbstkontrolleinrichtung der Werbewirtschaft darauf hingewiesen. Der Dresdner SC, sagt dessen Geschäftsführerin Sandra Zimmermann, habe nicht zur Riege der Empörten gehört. „Die auf den körperbetonenden Hosen aufgebrachte Werbung lenke die Aufmerksamkeit bewusst auf das Gesäß der Spielerinnen als ,Prachtregion‘“, heißt es in der öffentlichen Rüge des Werberates: „Damit würden Frauen auf ihr Äußeres reduziert und eine Sexualisierung von Sportlerinnen begünstigt oder jedenfalls toleriert“, lautet die Begründung weiter.

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Keine Hinweise vom DSC

Sandra Zimmermann möchte sich nicht zum zweideutigen Werbeinhalt des Bundesliga-Konkurrenten äußern. „Ich habe die Diskussion nur am Rande verfolgt.“ Vielmehr weist sie nochmals auf die existenzielle Bedeutung von Sponsoren hin. „Das ist eine der wichtigsten, der wertigsten und reichweitenstärksten Werbeflächen. Jeder Verein in der Bundesliga ist auf die Unterstützung von Sponsoren angewiesen“, sagt sie. Der DSC etwa hat Rückseiten der Sporthosen der AOK Plus und Wyndham Garden für die Logos überlassen.

Sportlich zwei Etagen tiefer kann man über die öffentliche Aufregung nur müde lächeln. Denn legt man die Debatte über den Suhler Po-Werbeschriftzug zugrunde, gäbe es durchaus auch Anlass, beim VC Dresden genauer hinzuschauen. Abseits überregionaler Aufmerksamkeit hat dort vor Saisonbeginn der neue Partner „Erlebniswelt“ unter dem eigenen Markennamen den Firmenleitspruch „Wir schaffen Höhepunkte“ auf die Hosenrückseite drucken lassen. Ebenfalls zweideutig.

„Ich finde das blödsinnig, wie der Werberat argumentiert und dass er sich da auch komplett nur Richtung Frauen bewegt. Wenn, dann müsste man so konsequent sein, das überall anzuprangern“, sagt Vereinsvorstand Sven Dörendahl. „Aber Männer sind anscheinend so stark, dass sie es verkraften, wenn sie in Anführungszeichen auf irgendwas reduziert werden. Ich denke, die Spielerinnen finden das genauso blödsinnig. Ich weiß ja nicht, ob der Werberat mal mit Suhler Spielerinnen gesprochen hat“, regt der Ex-Profi an.

Hat das Kontrollgremium offenbar nicht getan, sonst hätten sie erfahren, dass das VfB-Team mit der zweideutigen Aufschrift offenbar die wenigsten Probleme hat. „Wir sind nicht explizit gefragt worden, wie wir den Spruch finden. Aber keine von uns stört sich daran oder fühlt sich in irgendeiner Art und Weise diskreditiert. Für uns ist das eine normale Werbung“, sagt die frühere Dresdnerin Steffi Kuhn, die seit dieser Saison in VfB-Diensten steht.

Sven Dörendahl hält die Diskussion für Heuchelei. „Sport hatte schon im alten Rom etwas mit Attraktivität, ganz plump gesagt, auch immer mit Sex zu tun. Die Diskussion ist übertrieben.“ Über den Schriftzug des VC Dresden hat sich übrigens noch niemand beschwert. „Erstens ist das so klein gedruckt, dass das kaum einer lesen kann. Und selbst wenn es besser lesbar wäre, würde keiner etwas sagen. Bei den Männern ist das doch egal. So quer kann gar keiner denken“, erklärt der 45-Jährige. Konsequenzen hat die Rüge des Werberats nicht.

Das Gremium darf nicht in die Veröffentlichungspraxis von Firmen und Medien eingreifen, eben nur öffentlich rügen. „Wir sind eine Prachtregion und wir lassen uns nicht vorschreiben, wo wir unsere Werbung platzieren. Deswegen werden wir weiter mit „Prachtregion.de“ auf den Hosen der Spielerinnen des VfB Suhl werben“, sagt die zuständige Landrätin Peggy Greiser, früher selbst Leistungssportlerin. Zudem habe der Landkreis die Kampagne bereits ausgeweitet. Inzwischen trägt auch die Männermannschaft des VfB Suhl 91 die Werbung auf der Hose. „Interessanterweise“, sagt Greiser, „gab es hierzu noch keine Beschwerden.“

Beim VC Dresden muss man sich ohnehin zwangsläufig mit anderen, dringlicheren Themen beschäftigen. Der Tabellenzweite der 3. Liga Ost plagt sich mit akuten Personalproblemen. Mit Tino Walter und Paul Schneider fallen die beiden etatmäßigen Außenangreifer aus – vielleicht längerfristig. Ein Mittelblocker und ein Libero greifen jetzt auf den Außenbahnen an. Ob sich unter diesen Umständen der zweite Platz hinter dem designierten Aufsteiger Delitzsch verteidigen lässt, vermag Dörendahl nicht seriös zu prognostizieren.