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Riesa

„Diskussionen zu unterbinden, ist der falsche Weg“

Ulrich Keil führt Die Linke in die Ratswahl. Er will eine andere Debattenkultur und ist gegen eine Gewerbesteuersenkung – trotz eigener Firma.

Der Spitzenkandidat der Partei Die Linke für die Stadtratswahl in Gröditz, Ulrich Keil, in seinem heimischen Garten. Der 59-Jährige ist einer der dienstältesten Stadträte überhaupt und sähe gern mehr Jüngere am Zug.
Der Spitzenkandidat der Partei Die Linke für die Stadtratswahl in Gröditz, Ulrich Keil, in seinem heimischen Garten. Der 59-Jährige ist einer der dienstältesten Stadträte überhaupt und sähe gern mehr Jüngere am Zug. © Eric Weser

Gröditz. Der Fliederduft, das saftige Grün des Maiwuchses an der Lärche, ideale Standplätze für Ginkgos: Wer Ulrich Keil beim Gang durch seinen heimischen Garten über die Pflanzen dort reden hört, kommt nicht unbedingt auf die Idee, dass er es mit einem studierten Elektrotechniker zu tun hat, der mit seiner Firma weltweit arbeitet. 

Mal in Europa, Asien, Afrika. Das ist ein Grund, warum Keils Stuhl hin und wieder leer bleibt, wenn der Stadtrat tagt. Viele Gröditzer haben den Unternehmer dennoch seit 1990 immer wieder dorthin gewählt.

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Eigentlich wäre er heilfroh, wenn sich mal jüngere Leute engagieren würden, sagt der Vater zweier erwachsener Söhne und zweifache Opa. Aber da es nur wenige junge Leute gibt, tritt Keil wieder an. Weil er sich wie vor 30 Jahren verantwortlich für eine sozial ausgerichtete Gesellschaft fühle, wie er sagt. Und weil man nur etwas ändern könne, wenn man mitwirke.

Zur Politik kam der einstige Peritzer, der 1981 während des Studiums nach Gröditz umsiedelte, in der DDR. Als Stahlwerksingenieur in Gröditz sei er 1986 in die SED eingetreten. Nach der Wende blieb Keil der in PDS umbenannten Partei treu. 1990 holten die Sozialisten bei den ersten freien Kommunalwahlen drei Sitze, Keil holte die viertmeisten Stimmen. Ein Jahr später zog er in den Stadtrat ein, weil ein Genosse Gröditz verließ.

Er habe seither alle stadtpolitischen Höhen und Tiefen mitgemacht, sagt Ulrich Keil, der in seiner Freizeit mit seiner Frau das Hobby Gesellschaftstanz pflegt. Das ein oder andere politische Tänzchen gibt es auch im Rat. 

Zu Beginn der nächsten Legislatur müsse die Lage bei den Kitas geklärt werden. „Entweder Stadt und freie Träger kommen an einen Tisch und machen vernünftige neue Verträge. Oder es gibt einen Bruch“, sagt Ulrich Keil. Daneben müsse etwas für die Jugendarbeit getan werden. „Die Schließung des Jugendclubs kann nicht das Ende sein.“ Der neue Skatepark sei zu wenig. Keil will auch die Vereinsförderung ändern. Die großen Vereine wie der TSV und der Fußballverein sollten nicht mehr durch den Sonderfördertopf bedacht werden, da sie schon relativ viel Geld von der Stadt bekämen.

Und dann ist da noch das Thema, das mancher in Gröditz nicht mehr hören kann, das Ulrich Keil aber unverdrossen anspricht: die Wiederbelebung der 2013 geschlossenen Schwimmhalle. „Das ist kein Hirngespinst von mir. Ich denke, dass man das mit entsprechender Finanzierung hinbekommen kann.“ 

Das sei ja auch die Position von Stadtchef Jochen Reinicke (parteilos), sagt Keil, der als Geldgeber neben der Stadt das Land, den Kreis und Nachbarkommunen im Blick hat. – So gut wie in diesem Punkt ist der Linke an anderer Stelle nicht auf den Stadtchef zu sprechen. Noch nie seien die Räte so als Kontrolleure gefragt gewesen wie in den letzten Jahren, sagt Keil. „Die Informationen laufen nicht mehr so gut wie unter dem vorherigen Bürgermeister. Wir erfahren vieles nur tröpfchenweise, müssen teilweise ins Rathaus gehen. Dort dürfen wir uns angeblich keine Notizen machen.“ 

Bei Ratssitzungen würden Nachfragen abgewürgt, Diskussionen unterbunden. „Das ist der falsche Weg“, meint Keil. Demokratie lebe von öffentlicher Diskussion. Wie Die Linke, die auf mindestens drei der 18 Ratssitze hofft, das ändern will? „Mehrheiten suchen“, sagt Ulrich Keil. 

Doch das war schon in der ablaufenden Legislatur schwierig. Und dürfte, wie Keil selbst eingesteht, demnächst eher schwieriger werden. Denn mit den Freien Wählern, die derzeit noch drei Rätinnen stellen, fällt ein Bündnispartner weg. „Das schmerzt“, sagt Keil. – Als Unternehmer und auch als Stadtrat, der gern mehr Firmen im Ort ansiedeln würde, schmerzt Ulrich Keil auch der hohe Gewerbesteuersatz in Gröditz. Doch eine Senkung „könnte ich nicht verantworten, weil ich weiß, wie es um unsere Finanzen steht.“

Vieles, was aus Sicht des Gröditzers in der Stadtpolitik nicht richtig läuft, hat für Ulrich Keil mit der Gesetzgebung von Bund und Land zu tun. Die Dreiseithof-Sanierung, der Neubau der Sporthalle am Eichenhain – für Keil sind das Ausdrücke einer verfehlten Förderpolitik. 

Ob er nicht konsequenterweise für den Landtag, statt wie jetzt für Stadtrat und Kreistag kandidieren müsste, um daran etwas zu ändern? Eigentlich ja, sagt er. Aber das könne er seinen zehn Mitarbeitern und den Kunden gegenüber nicht verantworten. Sein gesellschaftliches Engagement komme immer an zweiter Stelle.