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Riesa

Absage für die Sachsenhymne

DJ Happy Vibes hat ein Lied geschrieben, das er zum Tag der Sachsen vorstellen wollte. Doch das wird nichts.

Andreas Hofmann alias DJ Happy Vibes posierte als August der Starke beim Dreh des Videos zur Sachsenhymne in Dresden. Rechts: Jasmin Weber als Gräfin Cosel .
Andreas Hofmann alias DJ Happy Vibes posierte als August der Starke beim Dreh des Videos zur Sachsenhymne in Dresden. Rechts: Jasmin Weber als Gräfin Cosel . © privatDJ Happy Vibes

Riesa. Trotz der sprichwörtlichen Sangesfreude der Sachsen hat es nach dem Mauerfall nie zu einer Sachsenhymne gereicht. Als Lied der Sachsen oder Sachsenlied werden bisher verschiedene Musikwerke bezeichnet, die als inoffizielle Landeshymne Verwendung finden. Während drei davon noch aus dem Kaiserreich stammen, ist das lustige „Sing, mei Sachse sing“ zwar auch schon wieder 40 Jahre alt. Doch zur offiziellen Landeshymne wurde es trotzdem nicht.

Nun steht der Tag der Sachsen in Riesa bevor, und ein neuer Vorschlag wird in den Ring geworfen. Am 2. August will DJ Happy Vibes alias Andreas Hofmann aus Kesselsdorf seine Sachsenhymne veröffentlichen. Einen Trailer findet man bereits im Netz. Denn gedreht wurde für die Klassikversion ein Kurzfilm mit August dem Starken und der Gräfin Cosel, dargestellt von Andreas Hofmann und der Sängerin Jasmin Weber.

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Im Riesaer Organisationsbüro zum Tag der Sachsen ist die Überraschung über die Nachricht der neuen Hymne allerdings groß. „Mir sagt das nichts“, erklärt Dirk Mühlstädt von der Riesaer FVG, die das Volksfest federführend übernimmt. Der FVG-Eventmanager verweist auch auf den Ruf, der Happy Vibes vorauseilt.

2016 hatte Hofmann mit fragwürdigen Aktionen und Äußerungen zur Asylpolitik für Aufsehen gesorgt. Seine Radioshow „Maxi-Mal“, die unter anderem bei Radio Dresden zu hören war, wurde kurz darauf von der Produktionsfirma abgesetzt – wegen rückläufiger Hörerzahlen, so hieß es damals. Offiziell wurde Andreas Hofmann nun mitgeteilt, dass es für den Tag der Sachsen in Riesa schon zu spät ist, denn dann wird ein Lied zu 900 Jahren Stadtjubiläum vorgestellt.

„Vielleicht zum nächsten Tag der Sachsen“, so die Antwort an DJ Happy Vibes. Die FVG geht damit offenbar auf Nummer sicher, will unnötige politische Diskussionen vermeiden. Die kann man jetzt, in der heißen Phase der Vorbereitungen, auch kaum gebrauchen.

Derzeit laufen in Riesa die „Verzahnungsarbeiten“. Noch passe nicht jeder einzelne Cluster perfekt zum nächsten, erklärt Dirk Mühlstädt. Daran werde noch gearbeitet. So geht es beispielsweise noch an die Feinabstimmung für die Vignetten, die während des Volksfests zum Parken berechtigen sollen. Bis Anfang kommender Woche soll diese Frage geregelt sein.

Eine Art „Sachsenlied“ wird es zum Tag der Sachsen übrigens trotzdem zu hören geben. Im Stern wird die Elbland Philharmonie Sachsen am 7. September ein Sonderkonzert aufführen. „Filmmusik meets Beatboxer“ heißt es – und soll neben Klängen aus der Filmwelt auch die Festmusik von Hans-Peter Preu beinhalten.

Und dann gibt es ja noch das Riesa-Lied, das auf einer der Festbühnen gespielt werden soll und für das der Stadtbahnverein zur Melodie von „Hey, wir woll’n die Eisbärn seh’n“, weiter nach Strophen sucht. „Derzeit sind etwa 20 Strophen eingegangen“, sagt Vereinschef Kurt Hähnichen. Das Ziel sei, bis Anfang August 90 oder etwas mehr zu erreichen. „Wir sind da auf einem guten Weg, auch 90 ist eine Leistung.“

Für die große Bühne soll eine Jury später die besten Vorschläge auswählen. Derzeit liefen auch die ersten Vorschläge im Radio. – Die Absage aus Riesa dürfte Andreas Hofmann nicht allzu lang beschäftigen. Er ist seit dieser Woche mit seinem Produkt schon ganz anders unterwegs.

Seit Montag läuft die Hymne über Kaffeefilter, Bierdeckel, Mundwasser, Teebeutel und Aktendulli – sprich: über sächsische Erfindungen – auf dem Musikpromotionsnetzwerk MPN. Außerdem wurde eine Pop-Barock-Version der Hymne an alle 5 000 deutschen DJs und an 1.500 Webradios geschickt.

„Damit sie den Titel rauf und runter spielen können“, so Hofmann. Als dritten Schritt will der Produzent 2.000 CDs in den Handel bringen. Neben dieser Musikschiene wird der 53-Jährige auch politisch aktiv.

Zur Landtagswahl tritt Hofmann für die Freien Wähler an. Sollte er es ins Parlament schaffen, so will er den Hymnenvorschlag offiziell in den Landtag einbringen, sagt er. „Es gibt auch weitere Befürworter wie Helmar Federowski, der CDU-Mitglied ist.“ Die AfD sei allerdings nicht unter den Unterstützern, betont der Kesselsdorfer.

Debatte um Hymne ist nicht neu

Für Hofmann war der Tag der Sachsen 2014 in Großenhain der Anstoß, sich mit dem Thema zu befassen. „Damals sorgte man für Aufsehen mit einem Beschluss, fortan ‚Gott segne Sachsenland‘ als Hymne zu favorisieren“, schmunzelt Andreas Hofmann. 

Der CDU-Vorschlag wurde damals mit dem Hinweis verworfen, dass das Lied als Jubel-Ouvertüre zum 50. Thronjubiläum König Friedrich August I. zu monarchiefreudig für eine moderne Demokratie sei. So machte es sich Musikproduzent DJ Happy Vibes nun zur Aufgabe, dieses „sächsische Kulturgut“ zu kreieren.

Er ist damit nicht der Erste. Der 77-jährige Meißner Peter Knauke etwa hatte zum Tag der Sachsen 2016 in Limbach-Oberfrohna und 2017 in Löbau darum geworben, den Stolz der Sachsen musikalisch zum Ausdruck zu bringen. Knauke gründete schon früher einen Initiativkreis für die Sachsenhymne. Eine Internetumfrage kürte die Version „Frieden dir, mein Land der Sachsen“ zum Favoriten. Auf der Bühne des Landtages soll sie 2017 zu Gehör gebracht worden sein.

www.hymne-fuer-sachsen.de

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