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Doch noch Streit um Straßennamen

Radeberg will mehrfach vergebene Namen ändern. Bisher verlief die Debatte friedlich. Jetzt brodelt es in Liegau.

Von Jens Fritzsche

Nun ist es also doch noch passiert. Dabei verlief die Diskussion um die notwendigen neuen Straßennamen für Radeberg und seine Ortsteile bisher ziemlich friedlich. In Radeberg und den Ortsteilen gibt es bekanntlich jede Menge mehrfach vergebener Straßennamen, was bei gleicher Postleitzahl seit Jahren zu regelmäßigen Verwechslungen und Ärgernissen geführt hatte – und sich nun auf Anfrage der Stadtverwaltung auch noch die Rettungsdienste aus Furcht vor gefährlichen Verwechslungen deutlich für eine Umbenennung von mehrfach vergebenen Straßennamen ausgesprochen hatten. Also mussten neue Namen her – und bisher verlief die Diskussion, wie erwähnt, weitgehend friedlich.

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Doch ausgerechnet in Liegau-Augustusbad – dort, wo es anders als in den anderen beiden Ortsteilen von Anfang an eigentlich nur Zustimmung zur Veränderung gegeben hatte –, ausgerechnet hier regt sich nun massiver Widerstand. Heute wird Liegaus Ortsvorsteher Gabor Kühnapfel (SPD) sogar eine Petition von aufgeregten Einwohnern bekommen. Wobei Kühnapfel nicht wirklich das Ziel der Kritik ist; er hatte Mitte vergangener Woche einfach im Ortschaftsrat mehrere Straßennamenvorschläge vorgestellt und die Räte mussten sich letztlich entscheiden. Und taten dies im Fall der Hauptstraße nicht wie bisher stets gedacht und vorgeschlagen für „Liegauer Hauptstraße“, sondern überraschend für den neuen Namen Rödertalstraße. Was historisch auch eigentlich kein Drama wäre, denn die Straße hieß sowieso nur die wenigste Zeit ihres Bestehens überhaupt Hauptstraße. Bis 1930 trug sie den Namen Dorfstraße. Doch im Ortschaftsrat hatte nun eine Anwohnerin der Hauptstraße mit Blick auf die nahe an der Straße fließende Röder und auch in Erinnerung an die einstige Rödertalschänke, die hier ihr Domizil hatte, den Namensvorschlag Rödertalstraße eingebracht. Und hatte in der Diskussion durchaus positive Reaktionen erzielt. „Ich war so überrascht, dass ich irgendwie in Schockstarre verfallen war“, sagt nun Ralf Weinert, der im Ortschaftsrat sitzt. Und der auch überzeugt war, wie er nun sagt, „dass die Ortschaftsräte sich nicht auf diesen neuen Vorschlag einlassen werden“. Er sollte sich deutlich irren. Mit 6:3 ging der Vorschlag durch. Die Hauptstraße in Liegau wird also nun zur Rödertalstraße, wenn der Stadtrat kommenden Mittwoch über das Thema insgesamt entscheiden wird. Und der dürfte sich wohl so entscheiden, wie es der Ortschaftsrat vorgegeben hat. Denn bisher gilt in Radeberg die stumme Übereinkunft, dass sich der Stadtrat weitgehend an Vorschläge und Entscheidungen aus den Ortsteilen hält.

„Das müssen wir in diesem Fall verhindern, die Straße muss Liegauer Hauptstraße heißen“, ist Ralf Weinert überzeugt – und nicht nur er. Anwohner Dietmar Meyer aus Liegau warnt in einem Brief an die SZ davor, dass sich nun zahlreiche Anwohner übergangen fühlen, da sich in der bisherigen Diskussion eben besagter Name „Liegauer Hauptstraße“ als favorisierter Wunsch der Liegauer herauskristallisiert hatte. „Letztlich kann eine Straßenumbenennung nur dann erfolgreich sein, wenn sie von einer breiten Mehrheit mitgetragen wird“, so Dietmar Meyer. Das sieht auch Ortschaftsrat Ralf Weinert so und sammelt derzeit mit drei weiteren Anwohnern der „Noch-Hauptstraße“ Unterschriften. Über 100 haben sie schon zusammen. Heute sollen diese Unterschriften, wie erwähnt, als Petition an den Ortsvorsteher gehen.

Ortsvorsteher Gabor Kühnapfel ist nicht wirklich erfreut über diese Entwicklung. „Jeder Bürger hätte in die Ortschaftsratssitzung kommen und mitdiskutieren können, jeder hatte im Vorfeld die Chance, seine Meinung zu sagen – im Nachgang dann aus dem Dunkel ins Licht zu treten, ist immer ein wenig schwierig“, ist er durchaus ein wenig angefressen. Gabor Kühnapfel selbst hat dabei für den Namen Liegauer Hauptstraße gestimmt. „Aber ich akzeptiere natürlich die 2/3-Mehrheit“, findet er. „So funktioniert Demokratie“, fügt er an. Eine Mehrheit, so der Ortsvorsteher, die in einer wirklich öffentlichen und ausgiebigen Diskussion zustande gekommen war. „Natürlich kann man eine solche Entscheidung auch kippen – aber die erste Frage ist, ob die Zeit dafür nicht zu knapp ist“, bleibt Gabor Kühnapfel vorsichtig. Denn der Ortschaftsrat müsste kurzfristig bis spätestens Dienstag entscheiden, „und wie die Entscheidung ausfallen wird, ist ja auch noch offen“, so der Ortsvorsteher. Auch ein Ausklammern der Liegauer Hauptstraße aus der Stadtratsentscheidung könnte seiner Meinung nach ins Auge gefasst werden, „aber dazu müsste ich erst mit dem Oberbürgermeister reden“, stellt er klar. Und – fügt er an – „dazu muss ich natürlich erst mal die Unterschriften wirklich in der Hand haben, bisher habe ich noch nichts, und die Sitzung des Ortschaftsrats war vergangenen Mittwoch …“