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Döbeln testet Gesundheitsprojekt für Arbeitslose

Zwei Jahre lang ist der Kreis Döbeln Modellregion für ein Gesundheitsprogramm, das Hartz IV-Empfänger bei der Bewältigung ihrer Arbeitslosigkeit unterstützen soll. „AktivA“ nennt sich das an der Technischen...

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Von Markus Tichy

Zwei Jahre lang ist der Kreis Döbeln Modellregion für ein Gesundheitsprogramm, das Hartz IV-Empfänger bei der Bewältigung ihrer Arbeitslosigkeit unterstützen soll. „AktivA“ nennt sich das an der Technischen Universität Dresden entwickelte Konzept, bei dem Betroffene an mehreren kostenlosen Einzelberatungen im Döbelner Gesundheitsamt teilnehmen können.

„Studien belegen, dass Arbeitslosigkeit krank macht. Aber gerade für Langzeitarbeitslose wird in der Gesundheitsförderung wenig getan“, erklärt Annett Voigtländer, Leiterin der Abteilung Eingliederung des Amtes für Arbeit und Beschäftigungsförderung. Wer trotz Arbeitslosigkeit versuche, sich fit zu halten, habe größere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Seit 2006 arbeitet das Gesundheitsamt des Kreises an der Umsetzung von AktivA. Vor wenigen Tagen fiel der Startschuss. „Wir haben im Landkreis einen großen Bedarf“, sagt Matthias Gröll, zuständiger Mitarbeiter im Gesundheitsamt. Ähnliche Förderprogramme gebe es in Nordrhein-Westfalen und in der Lausitz – AktivA ist völlig neu. „Die TU Dresden hat bei Tests deutliche Effekte nachgewiesen“, so Gröll.

Und so funktioniert AktivA: Das Amt für Arbeit bietet Langzeitarbeitslosen die Teilnahme an insgesamt sechs kostenlosen Einzelberatungen im Gesundheitsamt an. Auch mit Bildungsträgern der Region werde zusammengearbeitet. Die Fahrtkosten zum Gesundheitsamt übernimmt das Arbeitsamt.

Die eigens für diese Beratungen geschulte examinierte Krankenschwester Helgard Lagies spricht mit den Betroffenen zum Beispiel über Möglichkeiten, den Bewerbungsfrust in Grenzen zu halten, über gesunde Ernährung, über Alltagsprobleme. Jeweils anderthalb Stunden sind für ein Gespräch eingeplant. „Manchen Menschen hilft es schon, wenn sich jemand Zeit für sie nimmt, wenn sie als Mensch wahrgenommen werden“, beschreibt Karin Ilgert, Leiterin des Amtes für Arbeit.

Bei Bedarf stellt Beraterin Helgard Lagies den Kontakt zu Sportvereinen her, vermittelt Arzttermine oder die Teilnahme an Ernährungskursen.

Erste positive Rückmeldungen lägen bereits vor. „Eine junge Frau, die seit Monten nicht mehr aus dem Haus gegangen ist, macht jetzt in einer Gruppe Sport, schreibt wieder Bewerbungen“, berichtet Matthias Gröll. Etwa fünf bis zehn Personen pro Monat können an dem Programm teilnehmen. „Das ist nicht viel, aber ein Anfang“, so Voigtländer.

Finanziert wird die Umsetzung des Modellprogramms und die Stelle der Beraterin von der Bundesagentur für Arbeit und der Sächsischen Landesgesellschaft für Gesundheitsförderung. „Die TU Dresden begleitet das Programm. Sind die Ergebnisse gut, bemühen wir uns um eine Verlängerung“, sagt Annett Voigtländer.