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Döbelner erfinden Willkommenskultur

„Willkommen in Döbeln“ kommt langsam ins Laufen. Das Netzwerk organisiert Hilfsangebote für Flüchtlinge.

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Von Jens Hoyer

Etwa 20 Leute hatten sich um den großen Tisch im Familienzentrum der evangelischen Kirchgemeinde Platz genommen. Seit einigen Monaten formiert sich in Döbeln das Bündnis „Willkommen in Döbeln“, das sich um Asylsuchende und Geflüchtete kümmern will. Mitglieder der evangelischen Kirchgemeinde gehören dem Netzwerk an, des Vereins Treibhaus und von Sportvereinen. Und eine Reihe Menschen, die aus privatem Interesse mitarbeiten wollen, darunter einige junge Leute, die gerade ihre Ausbildung zum Erzieher absolvieren.

Neben den Angeboten für Asylbewerber, die es bisher schon gegeben hat, werden in den kommenden Wochen noch einige andere anlaufen. „Es gibt viele Ideen. Aber so richtig haben wir den Schritt zur Praxis noch nicht geschafft“, sagte Stefan Conrad, Sozialarbeiter beim Verein Treibhaus. Einige kleinere Projekte wurden gestartet. So organisiert der Verein Treibhaus jetzt Kindernachmittage. Jeden Montag von 16 bis 18 Uhr können die Kinder der Flüchtlinge die Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung nutzen, die es im Haus der Demokratie gibt. Schüler des Lessing-Gymnasiums sollen außerdem Nachhilfe für die Schüler anbieten, sagte Stefan Conrad. „Ehe wir mit dem Fragebogen einen Bedarf ermitteln, fangen wir einfach mal an. Wir merken dann schon, wo der Schuh drückt.“ Mit einer Pinnwand im Asylbewerberheim soll auf die Angebote in Döbeln hingewiesen werden.

Die Koordination der Hilfsangebote ist beim Verein Treibhaus angesiedelt. Auf Dauer ist die Mehrarbeit aber nicht zu schaffen, sagte Conrad. Bei der evangelischen Landeskirche gibt es aber Geld für solche Projekte. Über die evangelische Kirchgemeinde soll ein Förderantrag gestellt werden. „Dann könnte sich jemand über einen Minijob mal einen Tag in der Woche um die Koordination kümmern“, so Conrad.

Für 20. Mai ist ein öffentliches Forum zu Asyl in Döbeln in der Jacobikirche geplant. Ein Flüchtling aus Afghanistan, der in Döbeln das Gymnasium besuchte und jetzt in Leipzig lebt, will über seine Erfahrungen berichten. Die Organisatoren hoffen auch auf Erfahrungsberichte und Kontakte von und mit den derzeit hier lebenden Flüchtlingen.

Einer der Vorreiter der Integration von Asylbewerbern ist der Sportverein Vorwärts, der seit Jahren immer montags Sportmöglichkeiten für die Bewohner des Heims in der Sporthalle Burgstraße anbietet. Jetzt bekommt er Unterstützung. „Wir begleiten die Leute dahin“, sagte Vikar Philipp Pohle. „Wir haben relativ gute Kontakte.“ Rolf Wittrin, Pastor bei der Landeskirchlichen Gemeinschaft, gibt seit längerer Zeit diese Sprachkurse für Asylbewerber. Außerdem kommen viele Kinder mit Migrationshintergrund zu den Treffen der Jugendgruppe „Spürhunde“.

Es sei kein Problem, die Asylbewerber für den Sport zu begeistern, sagte Pohle. Vor alle Eritreer, aber auch Syrer, Georgier und Iraker kommen gehen mit zum Freizeitsport, 17 waren es in der vergangenen Woche, 15 am Montag, so Pohle. Der SV Vorwärts will auch eine Vorschulgruppe einrichten – und am 1. Juli wird bei einem sportlichen Kinderfest auf dem Steigerhausplatz dafür Werbung gemacht. „Dafür brauchen wir noch Betreuer“, sagte Pohle. Etwa 30 Kinder leben derzeit in Flüchtlingsfamilien in Döbeln.

Die wachsende Anzahl macht sich auch in den Schulen und Kindereinrichtungen bemerkbar. Die Kinder haben Anspruch auf einen Betreuungsplatz. Wie Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer sagte, sei es kein Problem, alle unterzubringen. In den Grundschulen der Stadt muss allerdings noch ein siebter Zug aufgemacht werden. Zusätzlich nötig wird eine sogenannte Klasse „Deutsch als Zweitsprache“. Die Kunzemannschule, wo bisher eine „DaZ-Klasse“ angesiedelt ist, kann nicht mehr alle Kinder unterbringen. Eine weitere Klasse soll nun in der Grundschule Döbeln Ost eingerichtet werden.