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Döbelner kaufen Küchen statt Kleidung

Zwei bis drei Prozent weniger Mehrwertsteuer sollen die Wirtschaft wieder ankurbeln. Funktioniert das wirklich?

Aufgrund der Mehrwertsteuersenkung verzeichnet Ina Starke bei Palko in Döbeln eine größere Nachfrage bei Küchen.
Aufgrund der Mehrwertsteuersenkung verzeichnet Ina Starke bei Palko in Döbeln eine größere Nachfrage bei Küchen. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Reduzierte Preise zum Sommer- und Winterschlussverkauf animieren seit Jahrzehnten viele zu einem zusätzlichen Einkaufsbummel. Klappt das auch mit der gesunkenen Mehrwertsteuer? Sächsische.de hat sich bei den regionalen Händlern umgehört.

Klaus Vester, Chef von Vepo-Polster in Ostrau, registriert zwar einen guten Verkauf seiner Polstermöbel. Allerdings bringt er das weniger mit der Senkung der Mehrwertsteuer in Verbindung, sondern mehr mit dem Service seiner Firma. „Bei den Kunden hat ein Umdenken stattgefunden“, meint Vester.

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Im Autohaus Dresden gilt: Wenn Mitarbeiter gute Leistungen zeigen, dürfen sie ihr ganzes Potential entfalten. Da ist so mancher schnelle Aufstieg möglich.

Hoher Aufwand wird honoriert

Sie würden es honorieren, dass nicht nur die Anlieferung der Couch durch das Unternehmen erfolge, sondern die Mitarbeiter auch die Verpackung und das alte Sofa mitnehmen. Nicht selten werde derselbe Kunde sogar zweimal aufgesucht, wenn der zwischen dem Abholen der alten Polstergarnitur und der Lieferung der neuen renovieren möchte.

Das sei zwar mit einigem Aufwand verbunden, aber in einem kleinen Familienunternehmen möglich. Vester freut sich über den derzeit guten Zuspruch, glaubt aber nicht, dass es lange so weiter geht.

Kundenzuspruch zurückhaltend

Als sehr verhalten, bezeichnet Thomas Otto-Scholz vom Gewe-Wintergartenzentrum in Roßwein den Kundenzuspruch. Er verzeichnet einen geringeren Umsatz als in den Vorjahren. Bereits im vergangenen Jahr habe es einen großen Einbruch in Sachsen und Thüringen gegeben. „Das ist der Trend im Osten – im Gegensatz zu Westdeutschland. Dort geben die Menschen mehr Geld aus, weil sie befürchten, dass es bald nichts mehr wert ist“, erklärt Otto-Scholz nach Gesprächen mit Berufskollegen.

Deutsche Produkte bevorzugt

Unterschiedliche Erfahrungen macht Ina Starke vom Palko Elektro Groß- und Einzelhandel. „Im Küchenbereich ist es spürbar, dass die Leute die Ersparnis mitnehmen möchten“, sagt sie. Manch einer, der den Küchenkauf erst in zwei oder drei Jahren geplant hat, ziehe den jetzt vor. Dabei kaufen die Döbelner wertiger, achten auf eine bessere Ausstattung und Qualität.

Bei Waschmaschinen und anderen technischen Geräten bemerkt Ina Starke die „DDR-Mentalität“. Die Kunden fragen, ob auch diese Geräte reduziert sind, kaufen aber meist nur, wenn ein defektes Teil ersetzt werden muss. „Die Sachsen sind sparsam“, meint Ina Starke. 

Die Kunden achten jetzt aber auffallend oft darauf, dass es deutsche Produkte sind und sie keinesfalls in China hergestellt wurden. Die Palko-Chefin hofft, dass mit den derzeitigen Mehrkäufen die Verluste aus der Schließzeit während des Lockdowns ausgeglichen werden können. Gleichzeitig befürchtet sie aber dadurch auch eine Flaute im ersten Quartal kommenden Jahres

Preisreduzierte Ware bevorzugt

Ähnlich sieht es in den beiden Geschäften aus, die Ralf Hensgens betreibt. In der Möbel-SB-Halle in Döbeln-Masten sind hochwertige Küchen sehr gefragt. „Wer in der nächsten Zeit ohnehin vorhatte, sich eine neue Küche anzuschaffen, nimmt die Mehrwertsteuersenkung jetzt mit“, meint er. Statt in den Urlaub zu fahren, stehe bei vielen nun mehr im Vordergrund, sich zu Hause schön einzurichten und es sich gemütlich zu machen.

Im Henwi-Kaufhaus in der Döbelner Innenstadt habe sich die „Stimmung zwar wieder aufgehellt“, aber vom Vorjahresgeschäft sei es noch weit entfernt. Das werde sich sobald auch nicht ändern. Die Kunden interessierten sich mehr für die stärker reduzierte Sommerware als für die drei Prozent Mehrwertsteuer. Der Kassenbon-Durchschnitt sinke. Die Herbstkollektion sei zwar schon da, werde derzeit aber nur von einigen wenigen, sehr modebewussten Kunden gekauft.

Fernseher und Jahreswagen gefragt

Die erste Werbung mit den durch die Mehrwertsteuer veränderten Preisen habe ein positives Echo gebracht, sagt Steffen Matthes, Inhaber von EP Schmalfuß in Döbeln. Vor allem Waschmaschinen und Fernsehgeräte, die sich die Kunden ansonsten später gekauft hätten, gingen vermehrt über den Ladentisch. 

Zwar verzeichnet der Technik- und Elektronik-Händler einen leicht erhöhten Umsatz. Aber die Einbußen aus der Corona-Schließzeit könnten damit voraussichtlich nicht ausgeglichen werden.

Für Neu- und einige Gebrauchtfahrzeuge zahlen die Kunden derzeit zwischen 500 und 1.000 Euro weniger. „Aber es gibt wenige, die nur deshalb kaufen“, sagt Uwe Mothes vom Autohaus Döbeln. Das verzeichnet insgesamt eine größere Nachfrage als zu Beginn des Jahres .

 „Vor allem Jahreswagen laufen sehr gut“, so Mothes. Bei Neuwagen bestehe noch Nachholbedarf. Durch längere Lieferzeiten bedingt, profitierten dort Kunden von der Mehrwertsteuersenkung, die ursprünglich gar nicht mit einem Preisnachlass gerechnet hatten. Sie hatten ihr Fahrzeug schon zu Beginn der Pandemie, also weit vor dem Bundesratsbeschluss bestellt.

Mehrwertsteuer

- Die Mehrwertsteuersenkung soll die durch die Corona-Pandemie geschwächte Kaufkraft wieder stärken.

- Die Senkung ist zum 1. Juli in Kraft getreten und gilt bis zum 31. Dezember 2020.

- Bis dahin fallen statt 19 nur 16 Prozent Mehrwertsteuer beim Einkauf an.

- Der ermäßigte Satz, der für viele Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs gilt, wurde von sieben auf fünf Prozent reduziert.

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