merken
PLUS Döbeln

Döbelner Mountainbiker auf Gletschertour

Jens Böber bewältigte eine der größten Herausforderungen der Szene. Und ist selbst ein wenig überrascht, wie glatt alles lief.

Jens Böber am Ziel: Mit dem Glaciara bewältigte er vor ein paar Tagen einen der anspruchsvollsten Kurse über Berge, Täler, entlang an Seen, Wäldern und sogar im "ewigen" Eis.
Jens Böber am Ziel: Mit dem Glaciara bewältigte er vor ein paar Tagen einen der anspruchsvollsten Kurse über Berge, Täler, entlang an Seen, Wäldern und sogar im "ewigen" Eis. © Foto: privat

Döbeln. Jens Böber ist lange, schmerzvolle und strapaziöse Touren gewohnt. Nachdem der 39-jährige Mountainbiker aus Döbeln in den vergangenen Jahren bereits Rundkurse im Erzgebirge und in Österreich absolvierte, zog es ihn im Juli noch höher hinaus: ins Wallis zum wohl anspruchsvollsten Kurs, dem Glaciara. 

Das Schweizer Kanton im Süden des Landes bietet alles, was das Bikerherz begehrt, Berge, Täler, Wälder, Seen und hier sogar das ewige Eis. Darunter der „Koloss“ aus Eis. Mit 23 Kilometern Länge und einer Dicke von bis zu 900 Metern ist er der mächtigste Gletscher der Alpen, der Aletsch. Seine 27 Milliarden Tonnen Eis sind ein überwältigender Anblick und bieten eine einzigartige Kulisse für den Stoneman Glaciara.

Anzeige
Die Karriere in Fahrt bringen
Die Karriere in Fahrt bringen

Im Autohaus Dresden gilt: Wenn Mitarbeiter gute Leistungen zeigen, dürfen sie ihr ganzes Potential entfalten. Da ist so mancher schnelle Aufstieg möglich.

128 Kilometer mit fast 4.800 Höhenmetern

Die Stoneman-Serie ist seit einigen Jahren die Herausforderung für Mountainbiker aus Deutschland und Europa. Das Konzept ist einfach. Es gilt einen ausgeschilderten Rundkurs mit frei wählbarem Startpunkt und Startdatum zu bezwingen. Dabei sind feste Checkpoints anzufahren, an denen eine mitgeführte Kontrollkarte abzustempeln ist.

Am letzten Juli-Samstag startete für Jens Böber das große Abenteuer. Die Eckpunkte: 128 Kilometer mit 4.770 Höhenmetern. Der Start erfolgte mit Sonnenaufgang um 6 Uhr. Bei frischen 12 Grad Celsius begann der Tag auf 700 Metern Meereshöhe. Die Müdigkeit war schnell überwunden. Böber hatte sich entschieden den befürchteten Anstieg von 1.700 Metern zum Breithorn als erstes anzugehen. Die Beine waren gut und der aufgrund von Aufregung fehlende Schlaf war kein Nachteil.

Schnell waren die ersten sieben Kilometer abgespult, jetzt warteten 15 Kehren hinauf zum Pass. Nach guten 2 Stunden 30 Minuten und bislang 18 Kilometern war der höchste Punkt erreicht. Böber war sehr zufrieden und zuversichtlich. Nur beim Stempeln gab es Probleme. 

Wochenlange Vorbereitung

Das Thermometer zeigte knapp über Null Grad und die Hände waren steif. „Nach ein paar Liegestützen und anderen Übungen gingen die Handgriffe wieder wie geschmiert, und die erste Abfahrt könnte genossen werden“, beschreibt der Athlet den Gemütszustand.

Intensiv hatte sich Jens Böber im Vorfeld auf die Strapazen vorbereitet. Zehn bis zwölf Stunden trainierte er in der Heimat auf dem Rad, oft auf dem Weg zur Arbeit. Und auch „kopfmäßig“ war er offenbar gut eingestellt. „Ich fahre am liebsten mein Tempo. Und so setze ich mir im Vorfeld kleine Etappenziele - meist von einer Stempelstelle zur nächsten“, erklärt der Döbelner seine „Taktik“

In Serpentinen hinab ging es nach Binn und später über Ernen bis ins Tal. Nach abwechslungsreichem Auf und Ab entlang des Rotten, später die Rhone genannt, und der Fahrt hinauf zur Stempelstelle nach Reckingen lag Böber mit einer Stunde Vorsprung zu seinem eigenen Plan gut im Rennen, was ihm später noch helfen sollte.

Nun ging es hinauf nach Bellwald. Ein schmaler Trail führte über Bergwiesen und Lärchenwälder mit teils 25-prozentiger Steigung. Die Sonne stand schon hoch am Mittagshimmel, der 500 Meter Anstieg entwickelte sich zum ersten richtigen Test. Nach sechs Stunden war das Bergdorf erreicht, „und die erste planmäßige längere Pause kam genau rechtzeitig“, so Jens Röber.

Pause in der Zivilisation

Bewusst hatte er in der Tourplanung bedacht, das Mittagessen beziehungsweise die Pause „in der Zivilisation“ zu verbringen. Verpflegungsstationen im herkömmlichen Sinne gibt es nicht. Böbers Gepäck bestand daher „aus bewährter Hausmannskost: Energieriegel, Brote, Bananen und ausreichend Getränke“.

Bloß gut. Denn jetzt begann die Tour erst richtig. Nach einer kleinen technischen Abfahrt folgte der zweite Anstieg von 1.700 Metern hinauf zum Märjelen See am Rande des Aletsch Gletscher auf 2.400 Metern Meereshöhe. „In unerbittlicher Hitze, gequält von Durst, Hunger, Sonne und diversen Schmerzen“, überstand Jens Böber einige Krisen und war nach reichlich vier Stunden erleichtert am Tälligrattunnel.

Der 1.000 Meter lange, schnurgerade Tunnel ist das eisige Tor zu der Welt der Gletscher. Doch das Highlight,, der Aletsch war da noch immer nicht in Sicht. Es folgten noch einmal 15 Kilometer in unwegsamem, steilen Gelände, die Hälfte davon nur zu Fuß sicher zu bewältigen. Doch selbst ein platter Reifen konnte Jens Böber nicht abhalten, den letzten Checkpoint Moosfluh auf 2.400 Metern zu erklimmen. Der Lohn dafür war der lang ersehnte Blick auf das eisige Monument der Alpen.

Nach der letzten Stempelstelle warteten „nur“ noch 18 Kilometer Abfahrt ins Tal. Nach rund 14 Stunden Gesamtzeit war das Ziel erreicht. „Von Anfang bis Ende das perfekte Mountainbike Abenteuer“ befand Böber. „Ich war offenbar gut vorbereitet.“ Und noch erstaunlicher: Die Erholungsphase nach der Strapaze war nur kurz. „Ich war am nächsten Tag schon wieder wandern, bin auch Rad gefahren“, sagt er schmunzelnd.

Drei weitere DSC-Athleten auf Erzgebirgstour

Neben dem Gletscherstürmer waren drei weitere  Radsportler des Döbelner SC im Erzgebirge in Aktion. Michael Ludwig, Lutz Mothes und Jörg Bednarek haben sich den Herausforderungen des Stoneman Miriquidi Gold (C-Edition 2020) gestellt.

Weiterführende Artikel

Vor der Tortur auf Sachsens härtester Radstrecke

Vor der Tortur auf Sachsens härtester Radstrecke

316 Kilometer, 5.300 Höhenmeter, 13 Anstiege – drei Dresdner gehen für den guten Zweck auf die schweißtreibende Tour. Aber nicht ohne Leistungstest.

Bei bestem Sommerwetter, fast schon grenzwertig für eine solche Herausforderung, galt es, beinahe 300 Kilometer und fast 5000 Höhenmeter zu bewältigen. Mit Start in Oberwiesenthal um 5 Uhr früh und dem finalen Anstieg auf den Fichtelberg wurde diese Leistung, gemeinsam mit weiteren vier Sportfreunden erfolgreich bewältigt. "Eine stolze Leistung und auch eine tolle Teamarbeit", erkennt auch Jens Böber an.

Der Artikel wurde am 14.08.2020 um 16.50 Uhr aktualisiert.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln