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Döbeln

„Döbelner sind nicht asozial“

Das Frauen-Endspiel des Leipzig-Pokals im Handball ist abgebrochen worden. Vorher hat es emotional richtig gekracht.

Auch wenn sich die Frauen der zweiten Mannschaft der HSG Neudorf/Döbeln über die Vorkommnisse beim Leipzig-Pokal-Finale geärgert hatten, so freuten sie sich letztendlich mit ihren Fans über Platz zwei im Wettbewerb.
Auch wenn sich die Frauen der zweiten Mannschaft der HSG Neudorf/Döbeln über die Vorkommnisse beim Leipzig-Pokal-Finale geärgert hatten, so freuten sie sich letztendlich mit ihren Fans über Platz zwei im Wettbewerb. © privat

Es ist hochemotional zugegangen beim Finale des Leipzig-Pokals in der Tauchaer Sporthalle. Der hochfavorisierte Amazon Athletic Club Leipzig wurde seiner Rolle als Bezirksmeister gegen seinen Vorgänger, die HSG Neudorf/Döbeln II, mehr oder weniger gerecht. Die Leipzigerinnen führten über die gesamte Spielzeit, aber demonstrierten, gegen die Pokalverteidigerinnen von der Mulde, nicht die Souveränität der Punktspiele.

So gelang es den Schützlingen von Tobias Sperling, zwischenzeitlich auf drei Tore zu verkürzen. Für reichlich Diskussionsstoff sorgte dann allerdings die Verletzung der Leipzigerin Charlotte Wojna in der 53. Minute. Diese blieb 25 Minuten praktisch unbehandelt auf dem Boden liegen. 

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In Folge kam es zu verbalen Auseinandersetzungen. Als der Neudorfer Anhang forderte, das Spiel fortzusetzen, wurde den Fans von Leipziger Spielerinnen asoziales Verhalten vorgeworfen. Letztendlich einigten sich beide Seiten, aufgrund des Spielstandes, dass die Partie abgebrochen wird. 

Der Döbelner Anzeiger unterhielt sich mit dem Sportlichen Leiter der HSG Neudorf/Döbeln, Steve Böttger, über das unschöne Ende eines eigentlich packenden Pokalspiels.

Steve Böttger, Pokalendspiele sind normalerweise Handballfeste. Dieses war am Ende keins mehr. Warum?

Die Verletzung der Spielerin ist sehr tragisch. Ihr wünschen wir auf diesem Wege auch gute Besserung. Aber wie sich die gegnerischen Akteurinnen dann gerade gegen Selina Reichenbach verhalten haben, der sie die Schuld für die Verletzung unterstellten, kann ich nicht nachvollziehen.

Das bedeutet?

Wenn die Spielerin auf das Übelste und sogar rassistisch beleidigt sowie mit körperlicher Gewalt bedroht wird, kann ich das nicht akzeptieren. Die 16-Jährige setzte sich dann auf die Bank und weinte bitterlich. Dort hört der Sport für mich auf.

Welche Rolle spielten die gegnerischen Verantwortlichen?

Die spielten eine große Rolle, hatten schon während des Spieles versucht, auf die Unparteiischen einzuwirken. Anstatt sich um seine verletzte Spielerin zu kümmern, redete AAC-Trainer Tim Hupel dann weiter auf die Schiedsrichter ein. 

Auch haben die Leipzigerinnen die Verletzung zu einer Auszeit genutzt und standen alle auf dem Feld, obwohl laut Regelwerk nur zwei Betreuer auf das Spielfeld dürfen. Dass die Schiedsrichter und der Technische Delegierte vom Bezirk da nicht eingriffen, war schon seltsam. Darüber haben sich unsere Zuschauer völlig zurecht aufgeregt.

Der HSG Neudorf/Döbeln II wurde vom Gegner eine robuste Spielweise vorgeworfen?

Anhand der Verteilung der Zeitstrafen hat man das nicht gesehen, die lag bis dahin bei 3:4. Es war kein überhartes Spiel, sondern, auch weil es um etwas ging, ein ganz normales Finale. Die Aussagen des gegnerischen Trainers, dass es nicht sein Anspruch sei, sich auf solch ein Niveau herabzulassen, sondern, dass man Spiele immer deutlicher gewinnen will, ist schon fragwürdig.

Welche Fehler sind in der Halle gemacht worden?

Über die Schiedsrichterleistung kann man immer streiten, da müssen auch andere Leute darüber urteilen. An dem Tag fand ich sie aber nicht finalwürdig. Ganz klar hätten die Organisatoren die schwer verletzte Spielerin nicht 25 Minuten auf der Platte liegenlassen dürfen, während sich auch schon die Männermannschaften für ihr Finale warm liefen. Um die Spielerin herum. 

Da hat in solch einer Situation einfach Ruhe in der Halle zu sein, da muss die verletzte Spielerin geschützt werden. Vielleicht sollte man sich auch überlegen, zu solch einem Pokalendspiel die besten Schiedsrichter zu schicken, auch um deren Leistung über die Saison hinweg zu würdigen. 

Zudem verstehe ich nicht, dass der Technische Delegierte nicht auf den gegnerischen Trainer einwirkte, um diesen zu beruhigen. Und dass es keine Progression gegen die Leipziger Bank gegeben hat. Uns als Döbelner wird dann asoziales Verhalten vorgeworfen, wenn man sich über diese Missstände aufregt.

Was hat zur Entscheidung geführt, auf einen Spielabbruch hinzuwirken?

Es waren mehrere Gründe. Einerseits die lange Zeit, wodurch die Spielerinnen kalt wurden. Dadurch stieg die Verletzungsgefahr. Außerdem wollten wir nach der Bedrohung durch AAC-Spielerinnen unsere Mädels nicht der Gefahr aussetzen, dass wirklich etwas passiert und der verletzten Spielerin auch den gebührenden Respekt zollen.

Es ist hitzig hergegangen, hat dabei jemand Schaden genommen?

Ich kann es nicht tolerieren, wenn wir als Döbelner in den sozialen Medien beziehungsweise in der Presse als asozial dargestellt werden. Das ist für mich rufschädigend für die HSG Neudorf/Döbeln und auch die Stadt Döbeln. Das werde ich jetzt und auch künftig nicht tolerieren. 

Das ist der Sportart Handball nicht würdig. Man muss sich überlegen, dass 100 Döbelner Anhänger für eine Superstimmung in der Halle gesorgt haben. Das sind mehr, als irgend ein anderer Verein in solch einem Finale zusammen bekommt. Dass es dann natürlich auch lauter wird, ist klar. 

Aber die sind nicht asozial. Und wenn die Fans dann von Spielerinnen so beschimpft werden, und versucht wird, uns den Schwarzen Peter zuzuschieben, ist das nicht nachzuvollziehen. Zudem der Gegner immer wieder versucht hat, das Regelwerk zu seinen Gunsten zu beugen.

Geht der Leipziger Sieg aus sportlicher Sicht dennoch in Ordnung?

Der Sieg geht sportlich auf jeden Fall in Ordnung. Aber unsere Frauen haben eine wirklich tolle Leistung geliefert. Umso trauriger ist es, dass solch ein Finale, das ein wirklich tolles Handballspiel war, so ein unwürdiges Ende gefunden hat.