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Döbelner Tafel hilft jetzt Kurzarbeitern

Menschen in Not sollen auch ohne Nachweis Ware erhalten. Die Betreiber planen zudem einen Lieferservice in der Region.

Marion Sommerfeldt (3. von links) hat am Donnerstag mit ihrem Team Lebensmittel in der Döbelner Ausgabestelle der Tafel verteilt. Unverzichtbar dabei: Mundschutz und Handschuh.
Marion Sommerfeldt (3. von links) hat am Donnerstag mit ihrem Team Lebensmittel in der Döbelner Ausgabestelle der Tafel verteilt. Unverzichtbar dabei: Mundschutz und Handschuh. © Dietmar Thomas

Mittweida/Döbeln. Donnerstagmorgen, kurz vor 9.30 Uhr an der Eichbergstraße 1 in Döbeln. Knapp 25 Männer und Frauen warten am Eingang der Döbelner Tafel darauf, dass sich die Tür öffnet.

Endlich ist es soweit. Marion Sommerfeldt und ihr Team lassen den ersten Bedürftigen herein, nachdem vorher angeklopft worden ist. Einzeln eintreten, Abstand halten, Hände desinfizieren. Auch bei der Tafel wird Hygiene in diesen Tagen großgeschrieben. Die Mitarbeiter tragen Handschuhe und Mundschutz.

Die Bedürftigen warten trotz der morgendlichen Kühle geduldig draußen vor der Tür, mit ausreichendem Abstand zueinander. Marion Sommerfeldt und ihr Team packen die grünen Kisten zusammen, aus denen sich die Kunden ihre Waren selbst herausnehmen sollen. Ohne Pause geht es für die Mitarbeiter der Tafel bis 15 Uhr durch. Nur immer mal einer aus dem Team verschnaufe mal kurz, sagt Sommerfeldt.

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Bis zu 75 Bedarfsgemeinschaften gehen regelmäßig zur Tafel nach Döbeln oder zu den Außenstellen in Waldheim, Roßwein und Hartha. Doch diese sind seit 23. März geschlossen. Das Personal reicht nicht aus, um alle Ausgabestellen zu besetzen. Das Netz-Werk Mittweida als Betreiber der Tafel hat ehrenamtliche Helfer, die zur Risikogruppe gehören, freigestellt. Stattdessen helfen nun diejenigen bei den Tafeln mit, die sonst in den Gebrauchtwarenhäusern stehen. Denn auch diese mussten während der Krise schließen (DA berichtete).

Geblieben sind nur die beiden Hauptausgabestellen der Tafel in Döbeln am Eichberg sowie in Mittweida. „Einige Bedürftige sind auch von auswärts nach Döbeln gekommen. Es wurden zum Teil Fahrgemeinschaften gebildet“, schildert Anne Katrin Koch, Geschäftsführerin des Netz-Werks. Doch längst nicht alle sind mobil genug, um die Ausgabestelle in Döbeln zu erreichen. 

Lieferservice geplant

Gerade für diejenigen, die ihre Heimat kaum verlassen können, plant der Trägerverein nun einen Lieferservice. „Wir haben einen solchen bei der Aktion Mensch beantragt, aber noch keine Rückmeldung erhalten“, sagt Koch. Denkbar sei, mit den zur Verfügung stehenden Fahrzeugen direkt in die Orte zu fahren, in denen Bedarf besteht. Bei wem dies der Fall ist, soll vor dem Start des Lieferdienstes erst noch genau ermittelt werden.

Doch das ist nicht das einzige Neue bei der Tafel. Von deren Angebot sollen nun auch diejenigen profitieren, die durch die Corona-Krise auf Kurzarbeit angewiesen sind und dadurch weniger Geld zur Verfügung haben. Noch sei die Anfrage von Kurzarbeitern gering. Doch Marion Sommerfeldt rechnet damit, dass sich das Mitte/Ende April mit dem ersten Kurzarbeitergeld ändern könnte. 

Keine Kontrolle

Kontrolliert werden sollen die Menschen in Not nicht. Geschäftsführerin Koch geht davon aus, dass sich jemand auch wirklich nur in der Not an die Tafel wendet. „Nach wie vor ist die Hemmschwelle, zur Tafel zu gehen, sehr hoch“, sagt sie. Daher rechne sie auch nicht mit einem Ansturm.

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Ware aus den Supermärkten sei derzeit noch genug da, sagt Koch. Sicherlich habe es eine Phase des Hamsterns gegeben. Doch die Supermärkte hätten darauf reagiert. Mitunter sei jetzt sogar noch mehr da, als vor der Krise. Am Donnerstag hatten die Fahrer der Tafel allerdings einen anderen Eindruck beim Abholen der Ware. Viel sei nicht mehr übrig gewesen, hieß es.

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