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Döbelner Vermieter schickt Mutbriefe

Die Corona-Krise bringt für viele Mieter Probleme mit sich, finanzielle und soziale. Für beides gibt es Lösungen.

Viele Menschen verbringen mehr Zeit Zuhause, da sie durch die Corona-Pandemie in Kurzarbeit sind. Doch was, wenn sie deshalb die Miete nicht mehr zahlen können.
Viele Menschen verbringen mehr Zeit Zuhause, da sie durch die Corona-Pandemie in Kurzarbeit sind. Doch was, wenn sie deshalb die Miete nicht mehr zahlen können. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Durch die Corona-Pandemie mussten viele Firmen ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Manchem wurde sogar ganz gekündigt. Jene, die in dieser Situation nur wenige oder keine Rücklagen haben, geraten schnell in Zahlungsschwierigkeiten – a auch bei der Miete.

„Den Mietern darf nicht gekündigt werden, wenn die Mietschulden zwischen dem 1. April und dem 30. Juni 2020 entstanden sind“, sagt Eyk Schade vom Mieterverein. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass nach heutigem Stand die Miete ab Juli wieder regulär entrichtet und die Mietschulden bis zum Juni 2022 nachgezahlt werden müssten.

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Zurzeit hätten sich aber noch keine Mieter mit diesem Problem an den Verein gewendet. Damit rechnet Schade verstärkt ab Mai. „Im März und April sind bei den meisten noch die normalen Gehälter geflossen“, so die Begründung. Das sehen die meisten größeren Vermieter ähnlich.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Bei der Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) Kontakt Hartha gebe es den einen oder anderen Mieter, der in der Verwaltung nachgefragt habe, weil er nicht wisse, wie es weitergehen soll. „Die Mieter erhalten ein Formular, das wir entwickelt haben, mit dem sie bei der zuständigen Behörde Wohngeld beantragen können“, erklärt Vorstandsvorsitzender Jörg Keim. 

Generell habe die WBG das Mahnwesen eingeschränkt. Derzeit sind beim Bund und im Land Sachsen Wohnfonds im Gespräch. Aus denen könnten Mieter eine finanzielle Unterstützung erhalten, wenn sie in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind. „Wir begrüßen die Idee und würden einen solchen Fonds gern nutzen“, so Keim.

Befürchtungen bisher unbegründet

Die Waldheimer Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft habe alle Mieter informiert und ihnen Mut gemacht, sich bei Problemen zu melden. „Außer bei einem Gewerbetreibenden, der sich erkundigt hat, war das aber noch nicht der Fall“, sagt Geschäftsführerin Ina Pugell. Auch der Umzug einer Familie aus Bayern nach Waldheim sei, trotz anfänglicher Bedenken, problemlos über die Bühne gegangen.

Ähnlich sieht es in der Wohnungsgenossenschaft Roßwein aus. „Bei uns stellt sich das Problem nicht“, meint Geschäftsführer Lutz Hammer. Das Gros der Mieter sei Rentner. Und von den Arbeitenden sei ihm niemand bekannt, der von Kurzarbeit betroffen ist.

Bereits bevor das Corona-Virus ausgebrochen ist, hätten die Mitarbeiter TAG Wohnen in Döbeln persönliche Gespräche mit Mietern geführt, die ihre Miete nicht mehr zahlen konnten. Dabei seien individuelle Möglichkeiten gesucht worden, um ihnen aus diesen Schwierigkeiten zu helfen. „So würden wir das auch jetzt handhaben. Aber es gibt keinen Anstieg bei Mitschuldnern, auch wenn wir diese Befürchtung durchaus hatten“, meint Grit Zobel, Pressesprecherin der TAG.

Hoffen auf Fördergeld

Auch bei der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt (WGF) in Döbeln herrscht noch relative Ruhe. „Nur zwei selbstständige Mieterinnen, die ihren Job derzeit nicht ausüben können, haben uns angekündigt, dass es zu Zahlungsschwierigkeiten kommen kann“, sagt der kaufmännische Vorstand Tino Hütter. Ansonsten gebe es keinen außergewöhnlichen Anstieg bei nicht geleisteten Mietzahlungen. Wie die WBG Hartha hofft auch die WGF auf Fördermöglichkeiten für in Not geratene Mieter. Schon immer selbstverständlich sei das persönliche Gespräch mit den Mietern. „Gemeinsam haben wir stets einen individuellen Lösungsweg gefunden“, so Hütter.

Elke Makk kümmert sich in der WGF um die sozialen Belange der Mieter. „Die vermissen die wöchentlichen Treffs und die täglichen Zusammenkünfte“, sagt sie. Die zahlreichen Freizeitgruppen haben ihre Aktivitäten eingestellt, die Begegnungsstätte ist geschlossen. „Aber zu den Geburtstagen ab 75 Jahren gratulieren wir noch kurz persönlich – mit Mundschutz“, sagt Elke Makk. „Am härtesten trifft es die älteren Menschen, die derzeit nur vom Pflegedienst, aber nicht von ihren Kindern besucht werden dürfen“, sagt sie. 

Vorwiegend mit Ratschlägen ist sie auch jetzt für die Mieter da, derzeit überwiegend per Telefon. Im Moment werde der Mehrgenerationensportplatz in Döbeln Ost wieder hergerichtet, Rasen gemäht und Unkraut gezogen. „Wenn die Regierung weitere Lockerungen beschließt, könnten wir den Platz für unsere Gruppen öffnen“, so Elke Makk. Allerdings dürften sich auch dann nur maximal zehn bis 15 Personen gleichzeitig dort aufhalten. In den nächsten Tagen flattert allen rund 2.500 Mietern ein „Mutbrief“ ins Haus, der ihnen sagen soll: Die WGF ist auch jetzt für jeden da.

Bei allen Vermietern ist in der Corona-Zeit die Neuvermietung an Wohnungen stark zurückgegangen. Das führen alle auf die allgemein herrschende Unsicherheit zurück, wie es im normalen Alltagsleben weitergeht und darauf, dass Familie und Freunde derzeit nicht bei einem Umzug helfen dürfen. Der muss einer Firma überlassen werden.

Weitere Informationen erhalten Ratsuchende derzeit per Telefon und Mail bei ihren Vermietern sowie beim Mieterbund. Dieser, die WG Fortschritt und die TAG in Döbeln hoffen, dass sie ihre Geschäftsstellen ab dem 4. Mai zumindest teilweise wieder öffnen können.

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