merken
PLUS Döbeln

Döbelnerin kauft sich frei

Eine junge Mutter hat im Internet Kindersachen verkauft. Die Waren sind bei der Käuferin allerdings nie angekommen.

Symbolfoto
Symbolfoto © dpa

Döbeln. Sie sitzt sichtlich angespannt auf der Anklagebank, schlägt im Verlauf der Verhandlung mehrfach die Hände vors Gesicht, ringt nach Luft. Die junge Döbelnerin soll über die Facebook-Plattform „Marketplace“ im März 2019 Kindersachen im Wert von 100 Euro an eine Chemnitzerin verkauft haben. Die Sachen kamen, aus welchem Grund auch immer, nie an.

Nach der Strafanzeige der geschädigten Chemnitzerin muss sich die junge Mutter nun vor Gericht verantworten. Durch die Vorspiegelung falscher oder der Unterdrückung wahrer Tatsachen soll die 28-Jährige, laut Staatsanwaltschaft, einen Vermögensvorteil erlangt haben. Mittlerweile ist das Geld zurückgezahlt worden.

Fahrrad
Rauf auf den Sattel
Rauf auf den Sattel

Fit unterwegs und immer auf der Suche nach etwas Sehenswertem? Auf unserer Themenwelt Fahrrad gibt es ganz viel zu entdecken!

Der Anwalt der Angeklagten sieht die Situation allerdings ganz anders. Der Vorwurf sei falsch. Außerdem hätte es sich um einen Versendungsversand gehandelt. Ab dem Zeitpunkt, wo der Verkäufer das Paket abgegeben hat, trage der Käufer die Gefahr.

Doch was war überhaupt passiert? Die Angeklagte hatte die Ware, nach eigenen Angaben, mit einem Paketdienstleister versendet. Doch als sie mit ihrem Kind im Krankenhaus lag, sei die Ware zurückgekommen. Zunächst behauptete die Angeklagte ihr Mann, mit dem sie sie sich im Trennungsjahr befand, hätte die Sendung entgegengenommen, ihr Lebengefährte die Ware danach verschickt, da sie sich in der Klinik aufgehalten hätte. Später beschrieb sie, auf Nachfrage von Richterin Nancy Weiß, das Paket, auf dem sich ein typischer Retoure-Aufkleber befunden hätte.

Zumindest die Geschichte, dass die Ware aufgrund eines Drehers in der Postleitzahl nicht zugestellt werden konnte, könnte stimmen. Der Abgleich eines Chatprotokolls zwischen Verkäuferin und Käuferin machte das deutlich. Dagegen war sich die Geschädigte im Zeugenstand ganz sicher, genaue Angaben gegenüber der Verkäuferin gemacht zu haben, obwohl das Chatprotokoll anderes ausweist. „So unterschiedlich sind die Meinungen, wenn etwas Zeit ins Land gegangen ist“, sagte der Anwalt der Angeklagten kopfschüttelnd.

Als die Ware trotz mehrfacher Anfrage nach geraumer Zeit auch beim zweiten Versuch nicht ankam, eröffnete die Chemnitzerin auf Paypal einen „Fall“, um ihr Geld zurückzubekommen, und erstattete außerdem eine Anzeige. Anlass für einen Betrugsvorwurf sah der Anwalt der Angeklagten nicht. Vielmehr hätte er seiner Mandantin, wenn er Kenntnis davon gehabt hätte, geraten, den Betrag nicht zu erstatten. Denn theoretisch wäre die Ware über den Paketdienstleister versichert. 

Den Nachweis des Versendens, zum Beispiel durch Vorlage einer Quittung, konnte die Angeklagte aber im ersten wie zweiten Fall nicht erbringen. Dennoch sah der Anwalt die Beweislage bei der Staatsanwaltschaft, dass die Vortäuschung von Lieferfähigkeit und -willigkeit vorlag. „Hätte die Käuferin die Adresse gleich richtig eingegeben, hätte alles gepasst“, sagte der Rechtsbeistand.

Um den Fall abzuschließen, erwog Richterin Nancy Weiß, den Fall an die Staatsanwaltschaft für weitere Ermittlungen zurückzugeben. Eine Nachfrage beim Paketdienstleister, ob ein Paket mit einem Postleitzahldreher nicht ankommt, und eine Befragung des Lebensgefährten wären Optionen. 

Während sich die Staatsanwaltschaft die Einstellung des Falles nach Paragraf 153 a – Absehen von der Verfolgung unter Auflagen und Weisungen – was eine Zahlung an eine gemeinnützige Einrichtung bedeuten kann, vorstellen konnte, lehnte das die Verteidigung zu diesem Zeitpunkt weiter ab. „Das möchte ich nicht“, sagte der Anwalt, der eher mit Paragraf 150 – Absehen von der Verfolgung bei Geringfügigkeit – leben wollte.

Die nervlich sichtlich angeschlagene Angeklagte verdeutlichte, die Sache so schnell wie möglich aus der Welt haben zu wollen. Nach Beratung mit ihrem Anwalt nahm dieser das Angebot der Staatsanwaltschaft an. Der Vorwurf des Betruges wurde gegen eine Spende von 150 Euro an das Kinderhospiz Bärenherz in Markkleeberg eingestellt.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln