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Döbelns letzte Videothek muss schließen

Die Corona-Krise hat den Niedergang beschleunigt. Die letzten Kunden sind aufs Internet umgeschwenkt.

In den nächsten Monaten wird Marco Santi versuchen, Videos und Videospiele zu verkaufen. Etwa 10.000 Artikel hat er in seiner Videothek an der Sattelstraße.
In den nächsten Monaten wird Marco Santi versuchen, Videos und Videospiele zu verkaufen. Etwa 10.000 Artikel hat er in seiner Videothek an der Sattelstraße. © Dietmar Thomas

Döbeln. Marko Santi hat in einer sterbenden Branche lange durchgehalten. An der Sattelstraße unterhält der 54-Jährige die letzte Videothek im weiten Umkreis. Aber jetzt gibt Santi auf. „Ich mache die Videothek zum 30. September zu. Ich muss den Kunden diese Vorlaufzeit geben, damit sie ihre Restguthaben aufbrauchen können. Es ist schon schade, ich habe viel Zeit und Geld investiert.“

Die Branche war schon lange im Niedergang, aber Santi hatte sich immer noch halten können. Aber dann kam die Corona-Krise. Zwei Monate lang hatte er seine Videothek geschlossen. Aber auch nach der Wiedereröffnung im Mai ist das Geschäft nicht wieder angelaufen.

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Santi hat eine Erklärung: „Die Leute haben Streaming-Dienste wie Netflix oder Amazon Prime genutzt und sich daran gewöhnt. Das ist ja auch bequem“, sagte Santi. Allerdings seien diese Angebote auch teurer. In seiner Videothek gebe es einen Film schon für einen Euro für vier Stunden. „Aber die Leute müssen dafür herkommen.“ Die Umsätze seien extrem gesunken. Und das, obwohl Santi einen Automaten hat, an dem sich die Kunden 24 Stunden am Tag bedienen können. Dazu komme auch noch, dass er nach dem Besitzerwechsel des Hauses mehr Miete bezahlen soll.

"Eigentlich ist das keine Hilfe"

Santi hatte wie viele andere die Corona-Hilfen des Freistaats in Anspruch genommen. Bis zu 9.000 Euro hatte es gegeben. „Aber eigentlich ist das keine Hilfe. Damit sollte ein Liquiditätsengpass überbrückt werden. Aber wer keinen Liquiditätsengpass nachweisen kann, wird das Geld zurückzahlen müssen. Es sagt auch keiner so richtig, was da alles reinzählt“, sagte er. Santi hat sich darauf eingerichtet, dass er das Geld zurückgibt.

Vor elf Jahren hatte der Geschäftsmann seine Videothek eröffnet. Am Anfang sei es auch ganz gut gelaufen, erzählt er. Obwohl es da auch noch andere Anbieter in Döbeln gab. Dann kam der erste Einbruch. Beim Hochwasser 2013 hatte es die Videothek schwer erwischt. „Das Geschäft hatte sich damals schon nicht erholt“, erzählt er. In der Sattelstraße läuft zudem gerade nicht viel. Der Inhaberin des Lottoladens gegenüber hatte Ende Mai zugemacht. „Die Lage der Straße ist nicht schlecht, es gibt an beiden Seiten Parkplätze. Aber es gibt hier kein Geschäft, das Kunden zieht.“

In den nächsten Monaten wird Santi seine Videothek nach und nach auflösen. Verkauft wird, was zu verkaufen ist. Videos und Videospiele. „Ich habe hier über 10.000 Artikel“, erzählte er. Der Automat, den er nach dem Hochwasser für 15.000Euro hatte reparieren lassen, soll auch noch etwas einbringen. Den Schrottwert. „Der wiegt 300 Kilo“.

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