merken
PLUS Döbeln

Döbelns Riesenbohrer vor dem Fenster

So nah ist das Gerät noch nie einem Gebäude in der Stadt gekommen. Der Hausherr findet das aber gut.

ntlang des Autohauses Döbeln arbeitet der Riesenbohrer der Firma Swietelsky auf einer aufgeschütteten Arbeitsebene in der Flutmulde. Die Fassade ist mit Planen abgehangen. Auf der anderen Seite ist schon die fertige Mauer zu sehen.
ntlang des Autohauses Döbeln arbeitet der Riesenbohrer der Firma Swietelsky auf einer aufgeschütteten Arbeitsebene in der Flutmulde. Die Fassade ist mit Planen abgehangen. Auf der anderen Seite ist schon die fertige Mauer zu sehen. © Jens Hoyer

Döbeln. Die Sicht aus der unteren Etage des Autohauses Döbeln an der Rosa-Luxemburg-Straße ist gleich null. Die Fenster und die Fassade sind mit Planen verhängt. Der Grund steht davor: Ein mächtiges Bohrgerät hat in dieser Woche damit begonnen, entlang der Fassade sogenannte Bohrpfähle in die Tiefe zu treiben.

Das ist nach sechs Jahren Bauzeit an der Hochwassermauer der Flutmulde fast schon Routine. So nah ist der Bohrer einem Haus aber noch nie gekommen. „So dicht an der Fassade, das ist schon beeindruckend. Und man merkt es auch. Wenn die auf den Felsen bohren, kommt schon einiges in Bewegung. Dann bekommen die Sachen auf dem Schreibtisch auch mal Füße“, meint Gernot Schliebe, Chef des Autohauses. „Aber die machen das sehr gut. Die Baufirma ist sehr kooperativ.“ 

Anzeige
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit

Einfach, bequem und flexibel in die Zukunft investieren. Langfristig gute Chancen bietet der Anlage-Assistent MeinInvest.

Im Autohaus seien zur Sicherheit zwei Sensoren installiert worden, die die auftretenden Schwingungen registrieren. Wenn die Erschütterungen zu groß werden, wird das Bohrgerät abgeschaltet, um die Bausubstanz zu schonen, sagte Schliebe. Die ältesten Teile des Autohauses wurden um 1900 auf Schwemmland auf einer Insel gebaut. Damals floss noch der Mühlgraben der Niedermühle durch das Grundstück.

Ursprünglich sollte die Hochwasserschutzwand noch näher ans Haus gerückt werden, sagte Thomas Zechendorf, Projektleiter von der Landestalsperrenverwaltung. „Aber das ging nicht. Der Bestand stimmte nicht mit den Unterlagen überein, die wir im Archiv vorgefunden haben. Wir hatten Angst, dass wir was kaputt machen. Oder wir hätten für viel Geld Untersuchungen vornehmen lassen müssen.“ Deshalb war man einen halben Meter weiter vom Haus abgerückt. Damit fällt auch der Flutgraben in diesem Abschnitt schmaler aus als ursprünglich geplant. „Das ist aber kein Problem. Das führt zu keinem Aufstau“, sagte Zechendorf. Man habe das Abflussverhalten durchrechnen lassen.

Bei anderen Häusern an der Ausbaustrecke hatte die LTV die Fundamente mit Beton unterspritzen lassen. In diesem Falle hat der Bauherr darauf verzichtet. „Das hätte Schäden angerichtet“, sagte Zechendorf. „Wenn der Bohrer nicht gerade auf einen großen Felsbrocken trifft, ist das das schonendste Verfahren, das man anwenden kann.“

Der Abschluss der Arbeiten an der Flutmulde ist jetzt in greifbare Nähe gerückt. Gegen Jahresende sollen die Betonarbeiten an den Hochwasserschutzwänden beendet sein. Dann ist der Hochwasserschutz durch den Flutgraben hergestellt, sagte Zechendorf. Die Restarbeiten werden im nächsten Jahr abgeschlossen. Am Steigerhausplatz soll das Ufer der Flutmulde für die Döbelner begehbar gemacht werden. Darüber gebe es eine Vereinbarung mit der Stadt Döbeln, sagte Zechendorf. Im Gegenzug hatte die Stadt auf eine Behelfsbrücke beim Bau der Brücke Straße des Friedens verzichtet, um die Mehrkosten zu kompensieren.

Gernot Schliebe nimmt die Zumutungen durch die Bauarbeiten gerne in Kauf. „Ich finde, die Maßnahme bringt schon eine gewisse Sicherheit für uns.“ Das Autohaus war beim Hochwasser 2002 schwer beschädigt worden, als die Mulde nach der Brücke Bahnhofstraße einen Strudel bildete und eine Ufermauer aus Bruchstein weg- und das Fundament des Ausstellungsraums unterspült wurden. Das ist mit der mächtigen Stahlbetonwand an der Mulde nicht mehr möglich.

Im oberen Teil der Flutmulde laufen jetzt noch Restarbeiten auf Höhe von Kaufland. Dort entsteht gerade ein Fußweg vom Pferdebahnmuseum bis zum Tümmlersteg. Außerdem muss noch der Parkplatz an der Schillerstraße wieder hergerichtet werden, den die Baufirma als Lagerplatz genutzt hat, sagte Zechendorf.

Wie es nach Abschluss der Arbeiten an der Flutmulde mit dem Hochwasserschutz weitergeht, ist laut Zechendorf noch nicht klar. Fortgesetzt werden die Flutschutzarbeiten zwischen Wappenhenschstift und Krankenhaus. Die Finanzierung sei noch nicht gesichert. „Es kommt darauf an, welche Finanzmittel die EU ausschüttet“, sagte Zechendorf. Die Planungen für diesen Abschnitt seien aber schon weit gediehen. „Es könnte dort sofort losgehen.“

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln