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Döbras Sportplatz liegt in Afrika

Sein Sohn und Wilhelm Kürsten sind an Rolf Gründigs Afrika-Begeisterung schuld. Kürsten war Ende des 19. Jahrhunderts von Döbra bei Liebstadt nach Afrika aufgebrochen. 1904 kam er zurück nach Deutschland.

Von Heike Sabel

Sein Sohn und Wilhelm Kürsten sind an Rolf Gründigs Afrika-Begeisterung schuld. Kürsten war Ende des 19. Jahrhunderts von Döbra bei Liebstadt nach Afrika aufgebrochen. 1904 kam er zurück nach Deutschland. In Afrika blieb der Name Döbra. So hatte Kürsten sein Anwesen genannt, das er an die dortige Katholische Kirche verkaufte. Knapp 100 Jahre später nahm Rolf Gründigs Sohn den Vater mit nach Namibia. Inzwischen hat es den Sohn auch beruflich dorthin verschlagen.

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Drei Wochen vor der Reise damals bekam Gründig einen Artikel über das namibische Döbra in die Hand. Das hiesige ist nur rund 20 Kilometer von seinem Heimatort Cotta entfernt. Schnell filmte Gründig noch eine Botschaft von hier für dort. Die Schule in Liebstadt, dessen Ortsteil Döbra ist, die Volkssolidarität, der Bürgermeister waren dabei. Hier wurde genau so über die Namensgleichheit gestaunt wie in Afrika.

Bei Gründig wuchsen nach der ersten Reise Neugier und Interesse. Er forschte und vermittelte. Gründig fand Nachfahren von Kürsten, entfernte Verwandte von ihm leben noch. Eine Tochter hatte in Namibia einen Deutschen geheiratet. Eine in Brasilien geborene und in Frankfurt/Main lebende Urenkelin hat Gründig angerufen. So wuchs das Bild, die Geschichte bekam Gesichter. Schließlich war der Döbraer Bürgermeister vor drei Jahren zum 750-jährigen Ortsjubiläum ins Osterzgebirge gereist. Damals hatten Grundschüler, Senioren und Kirchgänger über 1000 Euro für den Sportplatz in Afrika spendiert.

Inzwischen ist der Platz mithilfe einer Regensburger Jugendgruppe gebaut worden. „Er ist nicht vergleichbar mit unseren Sportstätten, aber man kann auch sehen, welche Bedingungen dort herrschen“, sagt Gründig. Der Platz entstand auf einer großen Fläche, die einer Sand- und Steinwüste glich. Sie wurde begradigt, verdichtet, neue Erde angekarrt. Bisher kennt Gründig nur die Fotos. Trotzdem staunt er schon, was daraus geworden ist. In ein paar Tagen wird er selbst auf dem Platz stehen.

Außerdem will Döbra-Botschafter Gründig versuchen, weitere Kontakte zu knüpfen. Es ist zwar kein kurzer und kein einfacher Weg von Döbra nach Döbra, aber ein lohnenswerter. Gespräche mit dem Bürgermeister und dem Leiter der Schule stehen unter anderem auf Gründigs Reiseprogramm.

Dritte, aber nicht letzte Reise

Es wird die dritte Reise von Gründig nach Afrika sein. „Aber sicher nicht die letzte.“ Ob der Liebstädter Bürgermeister oder ein Döbraer offizieller Vertreter mal nach Afrika fliegt, ist aufgrund der finanziellen Situation Liebstadts eher nicht zu erwarten. Auch ein weiterer Besuch der Afrikaner im Osterzgebirge ist zuerst eine Geldfrage. Dafür haben inzwischen mehrere Leute von hier auf ihren privaten Namibia-Reisen einen Abstecher nach Döbra unternommen. „Irgendwie ist immer jemand von hier dort.“ Letztlich sind es diese persönlichen Begegnungen, die so eine Verbindung ausmachen, sagt Gründig.

Dass ihm gleich bei seiner ersten Reise eine Kamera gestohlen wurde, gehört dazu. „Aber das kann einem überall auf der Welt passieren.“ Abhalten wird es ihn nicht davon, sie weiter zu erkunden.