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Döner auch im Sommer beliebt

Gammelfleisch-Fund und Schulferien können dem beliebten Fast-Food nichts anhaben - das Lebensmittelamt steht bei Kontrollen oft vor anderen Problemen. 

Ezgin Yildiz schneidet den Dönerspieß an. Verdorbenes Fleisch hat er bisher noch nie geliefert bekommen.
Ezgin Yildiz schneidet den Dönerspieß an. Verdorbenes Fleisch hat er bisher noch nie geliefert bekommen. © Rafael Sampedro

Gammelfleisch? Davon hat Ezgin Yildiz nichts gehört. Jeden Tag steht er in seinem Bistro "Newroz", direkt am Zittauer Rathaus gelegen, hinter der Theke und serviert seinen Kunden Dürum, Pizza und Pasta. Vor allem aber auch Döner. Dass der Zoll vor einigen Tagen im Landkreis Görlitz knapp 2.000 Kilogramm verdorbenes Dönerfleisch aus dem Verkehr gezogen hat, ist unter seinen Gästen kein Thema. Und schreckt sie auch nicht ab, zu dem mit Fleisch und Salat gefüllten Fladenbrot zu greifen. "Bisher hat uns noch kein Kunde darauf angesprochen", sagt der Inhaber des "Newroz"-Bistro.

Und der 35-Jährige hat gut zu tun - auch wenn das Thermometer Temperaturen um 30 Grad Celsius anzeigt. Das Geschäft läuft, daran kann die Hitze nichts ändern. Döner sind beliebt, egal ob es kalt oder heiß ist. Der Kundenstrom würde sich nur ein bisschen verlagern, sagt Ezgin Yildiz. Eigentlich ist abends nach neun kaum noch etwas los und das Team vom "Newroz"-Bistro beginnt so langsam mit dem Aufräumen. Auch vor einigen Tagen wollte er gerade mit dem Saubermachen beginnen, als mehrere Kunden einen Döner wollten.

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Kaum Auswirkungen haben auch die Schulferien. Zu den Kunden von Ezgin Yildiz gehören durchaus auch Schüler und Studenten. Aber deren Wegbleiben im Sommer wird durch die vielen Touristen ausgeglichen, erklärt der Döner-Imbiss-Betreiber. "Fünf bis sechs Familien kommen fast jeden Tag hier essen", fügt er hinzu. Und auch eine ganze Reihe Tschechen und Polen lieben Ezgins Döner. Dabei würden sie ihn zu Hause sicher ein bisschen günstiger bekommen. Aber vielleicht nicht in der Qualität. Der 35-Jährige schwärmt von dem Fleisch. Das Kalbfleisch bezieht er aus Berlin, das Schweinefleisch aus Eisenach. "Wir sind die einzigen in Zittau, die von diesem Lieferanten ihr Fleisch bekommen", erklärt Ezgin Yildiz. In Löbau und in Ebersbach gebe es jeweils noch einen weiteren Abnehmer, weiß der Bistro-Inhaber. Bisher sind alle zufrieden.

Auch Sehmus Ceylan kann über seinen Lieferanten nicht klagen. Er beziehe sein Fleisch aus Stuttgart und hatte bis heute keine Probleme mit ihm. Der Lieferant habe mehrere Millionen in sein Werk investiert. "Warum soll er das aufs Spiel setzen?", so Ceylans rhetorische Frage. Er spüre wie der Kollege von der Zittauer Neustadt ebenfalls keine Umsatzeinbussen wegen des Gammelfleisch-Fundes, der Hitze oder der Schulferien. "Es ist genauso viel los wie immer", sagt er.

Diese Einschätzung scheint aber nur auf die Zittauer Innenstadt zuzutreffen. Wer das  Zentrum verlässt und den Stadtring überquert, hört auch andere Meinungen. Im Sommer gehe der Umsatz schon zurück, meint Tahsin Karaca vom Jiyan Kebab auf der Friedensstraße. Sein Imbiss liegt um die Ecke von der Parkschule - mancher Schüler nutzt die Mittagspause, um sich im Jiyan Kebab einen Döner zu holen. "Wenn die Schule wieder beginnt, merken wir das sofort", so Karaca. 

Ähnlich äußert sich der Mitarbeiter vom Nazan Kebabhaus auf der Bahnhofstraße. In der Urlaubszeit gehe es etwas ruhiger in dem Imbiss zu. Es sei aber von Tag zu Tag verschieden, mal ist mehr los, mal weniger. Am Fleisch, das aus Berlin bezogen wird, liege es keinesfalls, betont der Imbissmitarbeiter. Das sei immer gut. Den Kunden habe es bisher immer geschmeckt. Zum Beweis fordert er gleich zum Geschmackstest auf.

Weder Sommerhitze noch Ferien beeinträchtigen den Betrieb in der "Arena" am Löbauer Neumarkt. Denn neben Schülern versorgen sich hier auch regelmäßig die Mitarbeiter Löbauer Betriebe mit Döner, Pizza & Co. Gammelfleisch-Angst? Unbekannt. "Hier hat in den letzten Wochen niemand nach der Herkunft unseres Fleisches gefragt", sagt ein Mitarbeiter auf SZ-Anfrage. Nach einem großen bundesweiten Gammelfleisch-Skandal sei das vor einigen Jahren mal ein Thema gewesen, dass manche Kunden verunsichert hätte. Auf den jüngsten Zollfund habe jedoch kein Kunde reagiert.

Bei "Seda Döner" in der Weißenberger Straße in Löbau kann man ebenfalls keine Konjunktur-Delle ausmachen. "Unsere Kunden kennen uns seit 20 Jahren und vertrauen uns", sagt der Mitarbeiter hinter der Theke auf SZ-Anfrage.

Auch die Lebensmittelüberwachung des Landkreises kontrolliert regelmäßig "Verkaufseinrichtungen für die Drehspießprodukte" wie es im Amtsdeutsch heißt. Nach Auskunft der Behörde komme es auch hin und wieder zu Beanstandungen. "Dabei stehen allerdings nicht die mikrobiologischen Belastungen im Vordergrund", informiert Kreispressesprecherin Julia Bjar auf SZ-Anfrage. In den letzten drei Jahren seien Mängel im Rahmen der gesetzlichen Verbraucherinformation ein Schwerpunkt der Überwachungstätigkeit in den Imbissbetrieben gewesen. "Die korrekte Deklaration von Zusatzstoffen und Allergenen fiel häufig schwer oder stellte die Betreiber vor sprachliche Probleme und bedingte die Unterstützung der Lebensmittelüberwachung", so die Behörde.

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