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Dönerläden erhöhen die Preise

Ab Februar müssen Kunden für ein Fladenbrot mit Fleisch und Salat 50 Cent mehr bezahlen.Der Grund sind gestiegene Kosten. Die Auswirkungen spüren die Besitzer schon jetzt.

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Von Thomas Christmann

Am Döner verdient hat Mehmet Cinar schon seit zwei Monaten nichts mehr. Er musste sogar Schulden machen. „Alles ist teurer geworden“, sagt der Inhaber vom Best Kebap Haus in der Berliner Straße, dem ältesten Dönerladen in Görlitz. Vor drei Jahren übernahm er das Geschäft. Doch Umsatz und Gewinn gingen zurück. Entweder hätte der 32-Jährige bald schließen oder auf Kosten der Qualität günstiger einkaufen müssen. Doch beides kam für ihn nicht infrage.

Auch anderen Dönerläden in Görlitz geht das nicht anders. Deshalb haben die türkischen Besitzer jetzt erstmals seit der Einführung des Euros 2002 eine Preiserhöhung beschlossen. Seit dieser Woche kleben die Zettel an den Schaufenstern. Sie kündigen an, den Döner ab Februar um 50 Cent auf 3,50 Euro zu verteuern. Als Grund werden die höheren Preise, speziell für Lebensmittel, genannt.

Emin Oflaz vom Sipan Dürüm & Döner Kebap in der Elisabethstraße spricht hier von 30 Prozent mehr Kosten, allein seit 2010. Auch Strom und Gas seien teurer geworden. Gerade einmal 20 Cent verdiene er noch an einem Fladenbrot mit Fleisch, Salat und Soße. Zu wenig für den Inhaber. „Wir können doch nicht umsonst arbeiten“, sagt der 27-Jährige, der einen Mitarbeiter beschäftigt. Ein weiteres Problem sieht Oflaz in der steigenden Konkurrenz. Über 20 Dönerläden gebe es inzwischen in Görlitz. Die Hälfte tue es auch.

Ali Sevtekin bleiben am Monatsende derzeit 1000 Euro für sich und seine Familie. Nicht viel bei mindestens zwölf Stunden Arbeit jeden Tag. Nach zehn Jahren stabiler Preise seien fünfzig Cent mehr nun gerechtfertigt, sagt der Besitzer von Ali’s Imbiß auf der Bismarckstraße. Beim Ciya Restaurant im City-Center werden neben dem Döner auch die Pizzen um 30 bis 70 Cent teurer. Sonst rentiere sich das Geschäft nicht mehr, sagt Inhaber Yusuf Akkus.

Zugesetzt haben die steigenden Preise auch Ates Bozan von der City-Pizza in der Berliner Straße. Gerade deshalb ist der Inhaber über die laufenden Bauarbeiten vor seinem Laden verärgert. Der Umsatz sei um 20 Prozent gesunken. Ende 2011 musste er zwei seiner zehn Mitarbeiter entlassen. „Ich brauche auch etwas zum Leben“, sagt der 39-Jährige. So sind nicht nur die Angestellten zu bezahlen, auch Frau und zwei Kinder wollen versorgt sein. Erst im Januar habe sich das Kilo Fleisch seines Lieferanten wieder um 20 Cent erhöht. Und 30 Kilo würden jeden Tag verbraucht. „Qualität ist teuer“, so Bozan. Doch seine Kunden hätten Verständnis für die Preiserhöhung.

Und ob Zittau, Löbau oder Bautzen – in anderen Städten kostet der Döner bereits 3,50 Euro oder sogar 4 Euro. Auch in Görlitz stand schon länger eine einheitliche Preiserhöhung an. Getraut haben sich nur die wenigsten. So verlangen die Dönerläden am Rande der Stadt wie Markersdorf oder Rauschwalde schon seit längerer Zeit 50 Cent mehr. Inwiefern es sich auf das Geschäft ausgewirkt habe, blieb vom Inhaber unkommentiert. Doch das Geld der Kunden sitze allgemein nicht mehr so locker. Viel Leerstand, viel Hartz IV, viele Rentner, heißt es da von den Dönerläden aus der Innenstadt.