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Dörfer werden moderner als die Stadt

Ortsteile von Lommatzsch erhalten modernes Glasfasernetz. In der Innenstadt gibt es schon Breitband. Mit Technik von gestern.

In der Lommatzscher Innenstadt, hier an der Kornstraße, ist der Breitbandausbau beendet.
In der Lommatzscher Innenstadt, hier an der Kornstraße, ist der Breitbandausbau beendet. © Archivfoto: Gerhard Schlechte

Lommatzsch. Jetzt geht's los. Fast alle Ortsteile von Lommatzsch bekommen schnelles Internet. Die Energieversorgung Sachsen Ost (Enso) hat den Zuschlag für den von Bund, Freistaat und Landkreis zu 100 Prozent geförderten Breitbandausbau in den ländlichen Ortsteilen von Lommatzsch erhalten. Bis 2023 will das Unternehmen dort ein modernes Glasfasernetz bis in die Häuser errichten. Ausgenommen sind die Ortsteile Daubnitz, Wachtnitz, Ickowitz, Piskowitz und Rauba. "Bis auf Rauba sind in diesen Orten mit der vorhandenen Technik jetzt schon Übertragungswerte von 30 Megabit pro Sekunde möglich", sagt Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP). Probleme gäbe es allerdings in Rauba. Dieser Ortsteil sei aber in einem Landkreisprojekt erfasst. 

Nicht ausgebaut wird das Netz auch in der Innenstadt. Denn dort ist der Breitbandausbau bereits seit 2018 abgeschlossen. Die Enso hat hier Glasfaser eigenwirtschaftlich, das heißt auf eigene Kosten und ohne Fördermittel, verlegt.  Allerdings nach dem Vectoring-Verfahren, einer inzwischen veralteten, aber billigeren Technik. Vectoring bedeutet, dass zwar Glasfaserkabel verlegt wird, jedoch nur bis zum Anschlusskasten der Telekom. 

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Von dort bis in die Häuser wurde das bereits vorhandene Kupferkabel verwendet. Mit diesem sind aber solch hohe Übertragungsraten wie mit Glasfaser nicht möglich. Die Bürgermeisterin verteidigt das Vorgehen.  "Vectoring war damals üblicher Stand der Technik. Wir hatten uns im Stadtrat generell auf das günstigere Vectoring verständigt, auch für die Ortsteile, sind erst danach umgeschwenkt", sagt sie. 

Mit "Danach" ist gemeint, erst als feststand, dass der Breitbandausbau gefördert wird, hat man sich für Glasfaser entschieden. Da war die Innenstadt aber schon nahezu ausgebaut.  Und so kommt es, dass die Ortsteile nach Beendigung des Breitbandausbaus gegenüber der Innenstadt besser gestellt sind. Nachträglicher Austausch der Kupferkabel wäre zwar möglich, aber mit hohem Aufwand und hohen Kosten verbunden, welche die Hauseigentümer selbst tragen müssten.

Fast 600 Hausanschlüsse

Der Startschuss für den Breitbandausbau in den Orten soll im Herbst dieses Jahres erfolgen. "Zunächst werden die Ortsteile von außen an das Glasfasernetz angeschlossen, bevor voraussichtlich ab März 2021 innerorts die Bagger rollen", sagt Tilo Kadner, Regionalbereichsleiter für den Landkreis Meißen bei der Enso. Insgesamt sind Tiefbauarbeiten auf einer Strecke von 71 Kilometern nötig. Dabei werden 250 Kilometer Glasfaser verlegt. Es entstehen 588 Hausanschlüsse mit 944 Wohn-, Gewerbe- und öffentlichen Anschlussnehmern, von denen voraussichtlich ab dem dritten Quartal 2022 die Ersten ans Netz gehen. 

"Wichtig ist im Vorfeld, dass die zugesandten Aufträge zur Errichtung des Breitbandanschlusses rechtzeitig zurückgeschickt werden. Nur dann ist der Anschluss kostenfrei", so Kadner. Diese Aufträge sende die Enso den Hauseigentümern voraussichtlich im Spätsommer zu. 

Für die Haushalte wird künftig eine Versorgung mit Datenraten von mindestens 100 Mbit/s im Download möglich sein. Bei Enso erhielten Privathaushalte und Unternehmen zudem Anschlüsse für 1 Gbit/s und mehr. Zusätzlich zum Breitbandausbau ist geplant, nach entsprechender Bewertung, die Erneuerung von Mittel- und Niederspannungsleitungen sowie Umspannstationen vorzuziehen. "Dabei werden auch Stromleitungen erneuert, die noch nicht verschlissen sind. Dafür haben die Anwohner dann für viele Jahre Ruhe, muss die Straße nicht erneut aufgerissen werden", sagt Tilo Kadner.  

Und wenn die Gräben einmal offen sind, wird dies auch gleich genutzt, um in  mehreren Ortsteilen die Straßenbeleuchtung zu erneuern und diese mit modernen LED-Leuchten zu versehen. Die Kosten dafür trägt die Stadt. Erneuert werden soll die Straßenbeleuchtung in Zöthain, Birmenitz und Churschütz.  Dort stammt die Beleuchtung teilweise noch aus DDR-Zeiten.

Ein teurer Spaß

Das Verlegen des Glasfaserkabels bis an den Hausübergabepunkt, der sich gewöhnlich im Keller befindet, ist für die Hauseigentümer kostenlos, so die Enso. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Bezahlt wird das Ganze mit Fördermitteln, also Steuergeld. Ein teurer Spaß wird es, das schnelle Internet zu nutzen. Wer als Privatkunde beispielweise im Download bis zu 250 Mbit/s nutzen will, zahlt im ersten Jahr 29,95 Euro monatlich. Ab dem zweiten Jahr sind es dann 54,95 Euro im Monat. 

Bei bis zu 1.000 Mbit/s sind es im ersten Jahr monatlich 49,95 Euro, danach 94,95 Euro. Wird dann auch noch eine Telefonflatrate für das deutsche Festnetz dazugebucht,  kommen fast 100 Euro im Monat zusammen. Die günstigste Variante mit bis zu 25 Mbit/s kostet bei Enso im Monat 29,95 Euro. 

Doch müssen die Lommatzscher Kunden zwingend ein teures Produkt von Enso kaufen oder können sie bei ihrem bisherigen Anbieter bleiben? Das können sie, sagt Enso-Pressesprecher Stephan Hönigschmid, allerdings können sie das schnelle Internet dann nicht nutzen.  "Über ihren bisherigen Telefonanschluss können Kunden weiterhin mit ihrem aktuellen oder einem anderen Anbieter ein DSL-Produkt zu den jetzt üblichen Geschwindigkeiten nutzen. Sollte er oder sie jedoch an höheren Bandbreiten über die Glasfaserverbindung interessiert sein, muss nach aktuellem Stand ein Enso-Produkt gebucht werden, da kein anderer Anbieter aktuell Highspeed-Internet über Glasfaser in dem Ausbaugebiet anbietet", so Hönigschmid. Wird durch den vollständig mit Steuergeldern finanzierten Breitbandausbau  die Enso damit zum Monopolisten, was schnelles Internet in Lommatzsch betrifft? Der Pressesprecher verneint das: "Grundsätzlich handelt es sich bei dem im Rahmen der Förderung errichteten Netze um ‚Open Access‘-Netze. Sie bieten die Möglichkeit, dass andere Anbieter das Netz von Enso mitnutzen können. Erst mit einer entsprechenden Anfrage wird  Enso bekannt, ob Interesse an einer Mitnutzung besteht." Gegenwärtig liege noch keine derartige Anfrage vor.

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