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Wie Dohna die Feuerwehr retten will

Die Feuerwehr soll helfen, doch jetzt braucht sie selbst Hilfe. Ein Drei-Punkte-Programm.

Zu jeder Zeit raus, wie hier im Januar bei einem Unfall: Die Feuerwehr macht auch in Dohna viel mehr als Brände löschen.
Zu jeder Zeit raus, wie hier im Januar bei einem Unfall: Die Feuerwehr macht auch in Dohna viel mehr als Brände löschen. © Marko Förster

Um es kurz zu sagen: Die Dohnaer Feuerwehr hat ein Personalproblem. Es gibt zu wenig Leute in der aktiven Feuerwehr. Konkret heißt das, es fehlen 32. Berechnet wird das so: Für jeden Platz in den Fahrzeugen soll es zwei Personen geben, weil ja immer mal jemand nicht zum Einsatz kann. Das wären bei 40 Plätzen 80 Feuerwehrleute. Zwar sagt die Statistik, dass es 77 sind, tatsächlich verfügbar sind aber nur 48. Ein Grund ist unter anderem, dass unter 18-Jährige nicht direkt an der Gefahrenstelle eingesetzt werden können. Aber auch wer woanders arbeitet, ist nicht verfügbar. 

Dieser Personalmangel hat Folgen. Eine ist, dass oft nicht in der geforderten Mannschaftsstärke ausgerückt werden kann, das heißt neun Personen pro Fahrzeug. 

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Eine weitere Folge ist das damit verbundene Nichteinhalten der Frist, in der die Feuerwehr am Einsatzort sein soll. Rein zeitlich ist sie es zwar, aber weil mit zu wenig Leuten, gelten die neun Minuten als nicht erfüllt. Bei 54 Einsätzen in den vergangenen drei Jahren wurde die Frist nur sieben Mal eingehalten. 

Das Dilemma

Die Gorknitzer Feuerwehr hatte es vor einigen Jahren mit Löscheimern versucht, die sie den Leuten vor die Tür stellte, um sie so zum Mitmachen zu animieren. Mit sehr mäßigem Erfolg. 

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Eine neue Idee wurde diese Woche in der Dohnaer Oberschule den Schülern vorgestellt. Spontan haben sich drei Neuntklässler bereiterklärt, im neuen Schuljahr am  Feuerwehrunterricht teilzunehmen. Am Ende der zehnten Klasse haben dann 16 Schüler die erste Ausbildung auf dem Weg zum Feuerwehrmann bzw. zur Feuerwehrfrau absolviert. Bis die Schüler von heute jedoch die Feuerwehrleute von morgen sind  vergehen noch ein paar Jahre. Außerdem gehen wahrscheinlich einige Schüler durch Lehre oder Studium und später wegen Arbeit oder Familie weg. Deshalb hat sich der Röhrsdorfer Ortschaftsrat Gedanken gemacht. Der von ihm ausgehende neue Vorstoß umfasst mehrere Vorschläge. Ortsvorsteher Jens Werner stellte sie jetzt im Technischen Ausschuss vor. Der Stadtrat wird sich am 1. Juli damit befassen. 

Dohnas Drei-Punkte-Plan

Doppelmitgliedschaft für die Feuerwehr

Feuerwehrleute, die in Dohna arbeiten, aber nicht hier wohnen, sind natürlich an ihrem Wohnort in der Feuerwehr. Wenn dort tagsüber ein Einsatz ist, sind sie nicht da. Wenn aber in Dohna ein Einsatz ist, dürfen sie nicht, weil sie ja hier nicht Mitglied der Feuerwehr sind. Das kann nur durch eine Doppelmitgliedschaft ermöglicht werden. Laut Sächsischem Gesetz über den Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz ist das möglich. Es muss also nur zwischen den jeweiligen Kommunen bzw. Feuerwehren und betreffenden Personen geregelt werden. Dabei ist natürlich auf die Bedürfnisse der Firmen und deren wirtschaftliche Lage Rücksicht zu nehmen. 

Pflichtfeuerwehr statt Freiwillige
Auch die erlaubt das Gesetz. Kommunen sind sogar aufgefordert, eine Pflichtfeuerwehr aufzustellen, wenn eine Freiwillige nicht zustande kommt. Das heißt, es können einzelne Einwohner und Gemeindebedienstete zum Dienst verpflichtet werden, so weit sie feuerwehrdienstpflichtig sind. Das sind alle Einwohner zwischen vollendeten 18. und 65. Lebensjahr. Um es nicht so weit kommen zu lassen, können Stadtangestellte einbezogen werden. Derzeit sind drei Bauhofmitarbeiter und zwei in der Verwaltung auch in der Feuerwehr. Die Feuerwehrmitgliedschaft bei Stellenausschreibungen zu fordern, hält Bürgermeister für schwierig durchsetzbar.

Stärkere Werbung

Ohne die geht es nicht. Dabei sollte insbesondere auch an Firmen herangetreten werden. Die nämlich sind es am Ende, die einverstanden sein müssen, dass ihre bei ihnen Arbeitenden während der Arbeitszeit zum Einsatz gerufen werden können. Dabei sollten alle ihre Kontakte nutzen und zusammenwirken. Als Termin für entsprechende Brief nennt Jens Werner den September. 

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