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Schiekel macht Ernst

Peter Schiekel hat im zweiten Anlauf seinen Nachfolger gefunden. Der Neue ist kein Unbekannter in der Dohnaer Firma für Präzisionssysteme aus Edelstahl.

Der Alte und der Neue: Uwe Sippach (l.) übernimmt jetzt die Verantwortung für das Tagesgeschäft bei SPS. Firmengründer Peter Schiekel bleibt Geschäftsführender Gesellschafter.
Der Alte und der Neue: Uwe Sippach (l.) übernimmt jetzt die Verantwortung für das Tagesgeschäft bei SPS. Firmengründer Peter Schiekel bleibt Geschäftsführender Gesellschafter. © Lachmann/SPS

Peter Schiekel wollte in den Hintergrund treten, bevor er nur noch Störfaktor ist, wie er es sagte, als er 65 wurde. Das war im Dezember 2018. Uwe Sippach war da schon im Unternehmen, als Prokurist. Nun übernimmt er am 1. Juli die operative Geschäftsführung der Schiekel Präzisionssysteme (SPS) Dohna. Gleichzeitig verlässt die langjährige Personalchefin Jana Merzdorf das Unternehmen. Frauen haben es offenbar in Leitungspositionen des Unternehmens nicht ganz leicht. 

Die zunächst als potenzielle Nachfolgerin von Schiekel vorgestellte Lara Knuth hatte das Unternehmen nach relativ kurzer Zeit wieder verlassen. Die Chemie hatte doch nicht so gestimmt, sagte Schiekel damals. Diesmal soll es  zwischen Merzdorf und Sippach nicht so gepasst haben. Dem Erfolg des Unternehmens haben diese "chemischen" Probleme bisher nicht geschadet. Peter Schiekel verkündete zu jeder Jahres- und Halbjahrespressekonferenz neue Rekorde. Nun überlässt er das künftige Verkünden von Ergebnissen nach 27 Jahren einem Jüngeren. 

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Seit 2003 befindet sich die Schiekel Präzisionssysteme GmbH im Dohnaer Gewerbegebiet.
Seit 2003 befindet sich die Schiekel Präzisionssysteme GmbH im Dohnaer Gewerbegebiet. © Daniel Schäfer

Uwe Sippach ist 55, gebürtiger Görlitzer, er hat in Zittau/Görlitz Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen studiert und wohnt mit seiner Familie in Moritzburg. Sippach ist seit 2018 im Unternehmen, bisher als Prokurist. Nun übernimmt er die Verantwortung für das operative Geschäft. Bereits zur Jahrespressekonferenz Ende Februar war Sippach dabei. Schiekel zieht sich zwar aus dem aktuellen Tagesgeschäft zurück, bleibt aber Geschäftsführender Gesellschafter. Er sei keiner, der klammert und den Chef raushängen lässt. Immer öfter klappt es mit seinem "freitags frei".

Investitionen trotz Krise

Dass Uwe Sippach gerade jetzt die operative Leitung übernimmt, da das erfolgsverwöhnte Spezialunternehmen wie die meisten Betriebe unter den Folgen der Corona-Krise leidet, sieht er auch als Chance. „Trotz Kurzarbeit seit Anfang Mai sind wir stets arbeitsfähig geblieben und strecken inzwischen unsere Fühler nach neuen interessanten Märkten und Branchen aus“, sagt er. Auch Investitionen habe man in dieser Zeit getätigt. So läuft seit Anfang Mai eine moderne Spänepresse für die Edelstahlreststoffe der Dreh- und Fräsautomaten. „Das ist unser Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz, weil wir weniger Transportaufwand verursachen und auch die Restmengen an Kühlschmierstoff und Restöl weit unter den vom Gesetzgeber festgelegten Grenzwerten liegen“, sagt Sippach.

Schiekel in Zahlen

  • 1992 hatten die Brüder Gert und Peter Schiekel ihr Unternehmen in Nentmannsdorf gegründet.
  • 2003 war die Firma so gewachsen, dass sie ins Gewerbegebiet Dohna zog.
  • Die aktuell 145 Mitarbeiter kommen aus insgesamt zehn Ländern. Im nächsten Jahr soll mit China ein elftes hinzukommen.
  • 2019 war mit dem bisher besten Jahresergebnis abgeschlossen worden: 13,4 Millionen Euro.
  • 2020/21 soll eine weitere Halle, rund 500 Quadratmeter groß, am Dohnaer Standort gebaut werden. 

Für Schiekel brachte die Corona-Zeit auch die Erfahrung, in Notlagen Mitarbeiter genauer kennengelernt zu haben. "Man sieht beispielsweise Stärken einzelner Kollegen, die sonst selten gefragt sind und deshalb kaum abgerufen werden – beispielsweise, ob jemand sehr flexibel auch andere als die bisher gewohnten Aufgaben übernehmen kann." Die Zukunft liege in neuen Märkten für die Dohnaer Edelstahlprodukte. "Längst gibt es Signale, dass deutsche und europäische Firmen wieder Produktionskapazitäten aus Asien zurückholen wollen, um künftig weniger abhängig von den Folgen der Globalisierung zu sein."

Mit neuen Gedanken angefreundet

Jana Merzdorf scheint ihren Wechsel nicht geplant und nicht unbedingt gewollt zu haben. Sie sagt: "Ich hätte es auch nicht gedacht." Offiziell wird dennoch von einer einvernehmlichen Trennung gesprochen. Merzdorf und Schiekel waren ein Team, das lange und gut zusammenarbeitete und in Sachen Personal viele neue Wege ging. Auch die Eingliederung von Mitarbeitern aus inzwischen zehn Ländern ist so gelungen. Nun startet sie am 1. Juli in eine neue berufliche Herausforderung. 

Peter Schiekel hatte das Unternehmen mit seinem Bruder Gert aufgebaut. Als dieser im Mai 2016 plötzlich mit nur 55 Jahren starb, war das ein Schock für alle. Peter Schiekel nahm das zum Anlass, mit der Suche nach einem Nachfolger zu beginnen. Nun ist er sicher, mit Sippach den Richtigen als Chef für die 145 Mitarbeiter gefunden zu haben. Ende nächsten Jahres will sich Schiekel dann ganz auf das Gesellschafterdasein zurückzuziehen. Mit den Gedanken an das Reisen und den Enkel hat er sich schon angefreundet und findet ihn immer interessanter. Es gibt ein Leben nach der Arbeit ...

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