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Dohnaer Buchdruckerei soll Museum werden

Vor 60 Jahren lernten sie gemeinsam. Nun führt Helmut Hauswald das Lebenswerk seines Freundes Joachim Liebers fort.

© Marko Förster

Von Heike Sabel

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Der Setzer setzt. Der Drucker druckt. So einfach ist das, sagt Helmut Hauswald. In der Buchdruckerei von Joachim Liebers am Dohnaer Markt ist die Zeit scheinbar stehengeblieben. Nicht nur, dass die Uhr an der Wand schon lange nicht gestellt wurde. Die Maschinen sind 50 und mehr Jahre alt. Die Boston-Presse ist über 100 Jahre. Setzkästen mit Schrifttypen in allen möglichen Größen und Sprachen, Musterklischees für 500 verschiedene Bierdeckel, Briefumschläge, Kalenderkarten – „Das alles hier sind Schätze“, sagt Hauswald.

Er und Joachim Liebers kennen sich seit 1954. Damals lernten sie gemeinsam Buchdrucker. Liebers wurde in Heidenau selbstständiger Handwerksmeister, Hauswald arbeitete in der Mitteldeutschen Druckanstalt in Heidenau. Als Liebers von Heidenau in die ehemalige Stadtschänke am Dohnaer Markt zog, tat er sich schwer. Spätestens beim Hochwasser 2002 war er froh darüber, denn auf der Heidenauer Mühlenstraße wäre seine historische Druckerei abgesoffen. Inzwischen fühle er sich als Dohnaer, sagt Roswitha Eggers, die Vermieterin.

Helmut Hauswald und Roswitha Eggers ertappen sich dabei, wie sie von Joachim Liebers in der Vergangenheit sprechen. Beiden ist klar, in seine Druckerei wird Liebers wohl nicht mehr zurückkehren. Seit fast zwei Jahren ist er schwer krank. Auf zwei an den Wänden hängenden Kalendern von 2013 ist der Mai zu sehen. Im ersten Wochenende steht Borthen. Beim Blütenfest war Liebers mit seinem Stand Stammgast. Am 4. Mai 2013 geschah es dann. Liebers bekam Gehirnbluten. Vor Kurzem holte seine Frau Liebers Kittel aus dem Schrank. „Das tat weh“, sagt Roswitha Eggers.

Helmut Hauswald hat seinem Freund Joachim Liebers viel zu verdanken. Liebers war es, der ihm 1995 den Tipp gab, dass Karstadt einen Schaudrucker suche. Bis Juni 2002 war Hauswald der „Letterman“, wie ihn eine Schulklasse mal nannte. Oder Gutenberg. Als solcher ist er mit seiner Druckerpresse auf vielen Festen zu Gast.

Nun wird Hauswald Gastgeber. In der Druckerei seines Freundes. Die ersten Schulklassen haben sich angemeldet, aus Pirna und Dresden. Auch für Besucher soll die Traditionswerkstatt der Buchdruckerzunft, wie sie Liebers auf seinen Kopfbögen nannte, öffnen. Helmut Hauswald und seine Mitstreiter führen die Gäste dann in die schwarze Kunst der Druckerei ein. Von 20 Leuten, die Hauswald ansprach, machen zehn mit. Als siebente Gruppe gehören sie jetzt dem Dohnaer Kulturverein an.

Ein Buchdruckmuseum am historischen Markt wäre ein Gewinn, sind sich alle einig. Deshalb unterstützt die Stadt den Kulturverein beim Erhalt der historischen Druckereitechnik, sagt Bürgermeister Ralf Müller (CDU). Hauswald arbeitet am Konzept. Mit Roswitha Eggers zeigt er die Räume der Druckerei. Regale, Kisten, Pakete. Fraktur-, Antiqua- und Kursivschrift, Ausschluss-Metallplättchen für die Trennung der Worte, Regletten für den Platz zwischen den Zeilen. „Hier gibt’s viel aufzuräumen“, sagt Hauswald. Im hintersten Raum stehen sechs Weinregale. Liebers Leidenschaft. Auch die Vermieterin und der Freund erhielten ab und zu eine Flasche. Nun liegen nur noch in einem Regal ein paar Flaschen, dafür umso mehr Bücher in den Schränken. In einem fand Hauswald eine Mappe mit zehn Federzeichnungen von Kurt Kotte. Die Mappen wurden vor 25 Jahren zum 950-jährigen Stadtjubiläum Dohnas gedruckt. Jetzt will Hauswald zu den Zeichnungen aktuelle Fotos stellen. Eine Idee zum 975-Jährigen im Sommer.

Hauswald schmeißt die Heidelberger an. Ein paar Aufträge abarbeiten. Das ist er Joachim Liebers schuldig. Und den Kunden und dem neuen Verein. „Eine Druckerei muss arbeiten, dann lebt sie“, sagt er.

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