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Domherrenhof kommt nicht zur Ruhe

Der Chef von Meißens jüngstem Hotel blieb gerade mal ein halbes Jahr in der Stadt. Waren seine Pläne zu hochgegriffen?

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Von Peter Anderson

Auf Meißens Domherrenhof scheint ein Fluch zu liegen. 2006 hatte der damalige Sitzungsort des Kreistages von Sachsens Bund der Steuerzahler die Negativ-Auszeichnung Schleudersachse verliehen bekommen. Jede Sitzung des Kreistages kostete den Steuerzahler aufgrund schlecht ausgehandelter Verträge 100 000  Euro. Ende vergangenen Jahres wurde ein Neuanfang als kleines, aber feines Hotel gewagt. Nach reichlich einem halben Jahr allerdings verlässt Chef Philipp Veigele sein Aufbauwerk. Er und die Geschäftsführerin der Elbland Service und Logistik GmbH Claudia Baumann hätten sich „in beiderseitigem Einvernehmen getrennt“, heißt es auf SZ-Anfrage aus den Elblandkliniken. Veigele stelle sich neuen Herausforderungen, so die knappe Begründung.

Die Elblandkliniken hatten den Domherrenhof nach einer langen Zeit des Leerstandes vom Landkreis gekauft und als Hotel hergerichtet. Von Beobachtern war dies als geschickt eingefädelter Deal von Landrat Arndt Steinbach (CDU) verstanden worden, der die Last vom Hals haben wollte.

Im Widerspruch zu der Floskel vom „beiderseitigen Einvernehmen“ steht, dass von einem Weggang Veigeles in den vergangenen Wochen nicht auch nur ansatzweise etwas zu spüren war. Im Gegenteil, der 29-Jährige plante Werbe-Aktionen, um besonders das Restaurant und die Terrasse des Hotels in Meißen und dem Umland bekannter zu machen. Die vier Zimmer und vier Suiten sollen zu 30 Prozent ausgelastet gewesen sein. Keine herausragende Quote, aber immerhin ein Anfang. Für die nächsten Monate hatten verschiedene Firmen größere Tagungs-Pakete gebucht, so Veigele. Erste prominente Stammgäste wie der Moderator und Entertainer Maxi Arland schätzten den Domherrenhof als familiäres Hotel mit hohem Standard. Auf dem Internet-Buchungsportal www.booking.com erreichte das Hotel bei 38 Bewertungen 8,7 von zehn möglichen Punkten.

Während oberflächlich von einer weitgehend gelungenen Startphase gesprochen werden kann, dürfte die wirtschaftliche Lage des Mini-Hotels weniger gut aussehen. Veigele hatte den Ehrgeiz, mit der Küche im Domherrenhof neue Maßstäbe in Meißen zu setzen bzw. an die erfolgreichen Jahre von Gault-Millau-Koch Silvio Escher im Goldenen Löwen anzuknüpfen. Das kostete allerdings viel Geld. Mit Michael Trautzsch verpflichtete der ambitionierte Hotelier einen Könner mit Erfahrung. Nach namhaften Stationen in der gesamten Bundesrepublik kochte Trautzsch zwei Jahre auf Kreuzfahrtschiffen rund um den Globus. Ende März kam ein zweiter mit Sicherheit nicht billiger Spitzenkoch hinzu. Stefan Kotte wechselte aus Berlin nach Meißen. In der Bundeshauptstadt hatte er das Restaurant „Quadriga“ im Brandenburger Hof geführt und zuvor das „Tirolia“ in Kitzbühel. Kotte kann Sterne und Punkte in Feinschmecker-Führern wie Gault Millau und Guide Michelin vorweisen.

Trotz gleich zweier Spitzenköche beschränkt sich der Status des Restaurants im Domherrenhof weiter auf den eines Geheimtipps. Das dürfte sich höchstens mit größerem Aufwand und teuerer Werbung ändern lassen. Zu vermuten steht daher, dass die Aussicht auf langfristig rote Zahlen die Elbland Service und Logistik GmbH bewogen haben, die Notbremse zu ziehen.