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Domherrenhof wird Luxus-Villa

Ein Unternehmer aus Weinböhla hat die Investruine gekauft. Aber braucht Meißen überhaupt so teuren Wohnraum?

Von Dominique Bielmeier

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Das längliche, blaue Info-Schild an der Meißner Freiheit, dort, wo der schmale, gepflasterte Weg links zur Albrechtsburg abbiegt, ist längst nicht mehr aktuell: „Hotel Domherrenhof“ steht darauf, und ein Pfeil weist geradeaus. Hinter dem dunkelgrünen Tor ein paar Meter weiter wird schon eine ganze Weile nicht mehr übernachtet – aber inzwischen kräftig gebaut.

Aus dem ehemaligen Nobelhotel der Elblandkliniken, einer langjährigen Investruine, sollen Wohnungen werden. Nach SZ-Informationen hat die MDU GmbH, die auch eine Niederlassung in Meißen hat, den Domherrenhof im Dezember gekauft. Geschäftsführer Ronny Dürschke aus Weinböhla will sich dazu vorerst nicht äußern. Auf den Kauf angesprochen, heißt es nur knapp: „Dazu sagen wir nichts.“

Der Domherrenhof hatte in den Neunzigern Schlagzeilen gemacht als teuerster Sitz eines Kreistages in ganz Deutschland. Die immense Verschwendung von Steuermitteln brachte dem Kreis damals die Negativ-Auszeichnung „Schleudersachse“ ein. Nun gilt rund um die Immobilie höchste Geheimhaltungspflicht: Eine Verschwiegenheitsklausel verbietet allen am Kauf beteiligten Parteien, öffentlich darüber zu sprechen. Der Domherrenhof passt jedoch perfekt in das Portfolio der MDU-Gruppe, die gezielt in Immobilien in den neuen Bundesländern investiert. Das Unternehmen besitzt Gebäude in Coswig, Oschatz, Torgau oder Annaberg-Buchholz. Die meisten werden als Wohnraum genutzt, viele sind historische Bausubstanz.

Wenig Parkplätze, toller Ausblick

Auf ihrer Internetseite erklärt die MDU-Gruppe, welche Voraussetzungen eine Immobilie für sie erfüllen muss: Das „Hauptaugenmerk“ liege „auf dem vergleichsweise günstigen Einkauf“. Dafür werde auch eine „auf den ersten Blick nicht optimale Ausgangssituation“ in Kauf genommen – zum Beispiel ein verwahrloster Eindruck.

„Vergleichsweise günstig“ dürfte auch der Kauf des Domherrenhofes gewesen sein, der insgesamt mehrere Jahre auf dem Markt war. Der Aufsichtsrat der Elblandkliniken hatte schließlich eine Preisuntergrenze von rund einer halben Million Euro angesetzt. Für diese Summe hatte das Unternehmen das Denkmal 2010 vom Landkreis gekauft. Geplant war, dort die Akademie der Kliniken unterzubringen. Mindestens noch einmal so viel Geld wurde für den Um- und Ausbau zum Tagungshotel mit fünf hochwertig ausgestatteten Doppelzimmern und drei Suiten ausgegeben.

Viel mehr als eine halbe Million Euro dürfte der Verkauf des Domherrenhofes schließlich auch nicht eingebracht haben. Elblandkliniken-Chef Frank Ohi sagte bereits kurz nach dem Verkauf im Dezember, das Objekt sei für seine Kliniken kein wirtschaftlicher Erfolg gewesen. In einem ersten Exposé im Herbst 2013 war noch von einem Verkaufspreis von über zwei Millionen Euro die Rede gewesen. Ob sich das 1 500 Quadratmeter große Grundstück auf dem Burgberg für Wohnungen eignet, wird sich zeigen. Probleme könnte es mit den knappen Parkplätzen auf der Freiheit geben. Auch wie der große Ballsaal in dem Gebäude genutzt werden soll, ist offen. Dafür erwartet spätere Mieter ein romantischer Garten und hauseigener Weinberg – mit beeindruckendem Rundumblick über Meißen. Branchenkenner rechnen mit zukünftigen Kaltmieten von acht bis neun Euro pro Quadratmeter. Damit läge der Domherrenhof, was die Mieten in Meißen angeht, im oberen Preissegment.

In der Stadt gebe es keine so große Nachfrage nach höherwertigem Wohnraum wie beispielsweise in Dresden, sagt Uwe Schatz, Geschäftsführer des Dresdner Makler-Unternehmens Der Immo Tip, das den Domherrenhof vermittelt hat. „Es ist schwierig, ernstzunehmende Investoren von außen zu finden, die in Meißen investieren wollen.“ In der Region selbst würden Investoren jedoch vermehrt Immobilienbestand aufkaufen und sanieren.

Dass der Bedarf nach solchem Wohnraum in Meißen vorhanden ist, zeigt das Beispiel der Villa am Kapellenweg 11 auf dem Plossen: Die fünf Wohnungen und eine Gewerbeeinheit in dem Gebäude, welches das städtische Wohnungsunternehmen SEEG gerade selbst saniert, sind bereits alle vermietet. Zur Hälfte mit Leuten, die dafür nun nach Meißen ziehen werden.

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