merken
PLUS

Doppelstockzüge für die Schweiz sind vom Feinsten

Noch hält sich Bombardier wegen Einspruchsfrist mit Details des Auftrags zurück.

Von Sebastian Beutler

Für die Waggonbauer war gestern der Weg in ihren Betrieb endlich wieder mal reine Freude. Denn die meisten von ihnen erfuhren da aus erster Hand, was der Auftrag aus der Schweiz für sie bedeutet. Als die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) am Mittwoch vergangener Woche ihre Entscheidung öffentlich machten, für 1,4 Milliarden Euro 59 Doppelstockzüge mit 436 Wagen bei Bombardier zu bestellen, hatten sich die meisten entweder schon in den bevorstehenden Feiertag verabschiedet oder waren wegen Kurzarbeit zu Hause.

Anzeige
Wo Generationen betreut werden
Wo Generationen betreut werden

Die Arbeiterwohlfahrt Lausitz berät und betreut Kinder, Jugendliche und Erwachsene seit 30 Jahren.

Noch zögert Bombardier mit Einzelheiten des Auftrags. Das kanadische Unternehmen will zunächst die in der Schweiz übliche 20-tägige Einspruchsfrist abwarten. Dass durchaus Beschwerden bis zum 2.Juni eingehen können, ist nicht ganz abwegig. Schließlich verfügt die Schweiz mit Stadler Rail im Kanton Thurgau über einen eigenen, renommierten Produzenten von Eisenbahntechnik. Dass der größte Auftrag für neue Züge in der Schweizer Bahngeschichte nun zu einem guten Teil ins Ausland geht, ist bei den Eidgenossen nicht nur mit Applaus aufgenommen worden. Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) berichtete jedenfalls in ihrer Wochenendausgabe, dass die unterlegenen Konkurrenten Stadler Rail und Siemens Schweiz nach Einsichtnahme in die Unterlagen entscheiden, ob sie gegen die Entscheidung vorgehen wollen.

Unterdessen kommen aus der Schweiz bereits jetzt Details des Auftrags. So hat sich die Schweizer Tochter von Bombardier, die den Auftrag erhalten hat, verpflichtet, 60 Prozent der Wertschöpfung bei den Eidgenossen zu lassen. Das lässt vermuten, dass die Görlitzer Waggonbauer den Rohbau der Züge liefern werden. Hält Bombardier die Termine nicht ein, drohen Bußen bis zu 30 Prozent der Auftragssumme. Im positiven Fall, so berichtete die NZZ, kann Bombardier bis 2024 mit Folgeaufträgen über 3,9 bis 4,3 Milliarden Euro rechnen. Dahinter verbergen sich weitere 100 Züge für die Schweiz.

Die Schweizer Ingenieure von Bombardier haben praktisch eine neue Generation von Doppelstockzügen entwickelt. Sie sind geräumiger, verfügen über energieeffiziente Motoren, sind vollklimatisiert, an allen Sitzplätzen sind Steckdosen und kabelloses Internet verfügbar. „Ein sehr kundenfreundlicher Zug“, lautet das Lob der SBB.