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Doppelt schwerer Abschied

Auch ohne Infektion hat das Coronavirus viel Einfluss auf die letzten Stunden - das berichten Hospizmitarbeiter aus Herrnhut und Zittau sowie Pflegeheimleiter.

Abschied von einem geliebten Menschen zu nehmen ist schwer - in Corona-Zeiten noch mehr als sonst.
Abschied von einem geliebten Menschen zu nehmen ist schwer - in Corona-Zeiten noch mehr als sonst. © Felix Kästle/dpa

Spielt Corona im Hospiz eine Rolle? Ja und nein, muss René Rixrath darauf antworten. Jemanden mit einer Corona-Infektion hat er nicht in seinem Haus. Zum Glück. "Aber passieren könnte das theoretisch", sagt der Leiter des Herrnhuter Hospizes Siloah. Zwar ist es unwahrscheinlich, dass jemand mit Corona-Komplikationen ins Hospiz überwiesen wird - für Einweisungen gibt es einen bestimmten Katalog an Krankheitsbildern. Auch über Beatmungstechnik verfügt man in Herrnhut nicht. Doch, dass jemand eine solche Infektion in sich trägt, wenn er aus einer Klinik nach Herrnhut kommt, ist nicht auszuschließen.

Rixrath und seinen Mitarbeitern macht das Virus vielmehr an anderer Stelle zu schaffen: Trost und Beistand fallen der Corona-Krise teilweise stark zum Opfer. Gerade, was die Möglichkeiten der Familien betrifft. Wie in Alten- und Pflegeheimen auch darf im Hospiz Siloah pro Tag und Person nur ein Besucher kommen. "Wo es möglich ist, betreten die Besucher die Zimmer über die Terrassen, damit sie nicht durch das ganze Haus laufen müssen", erklärt Rixrath. Manche Familien nutzen deshalb Videotelefonie, um Kontakt zu haben. Ein kleiner Trost. Ob in den letzten Minuten dann noch einmal ein Angehöriger eingelassen wird, müsse man im Einzelfall entscheiden. "Dennoch versuchen wir, niemanden im Sterbeprozess allein zu lassen", betont Rixrath.

Der Hospizleiter spürt bei den Bewohnern "eine Verunsicherung wegen Corona". Dass jemand sage, die Infektionsgefahr sei ihm egal, sei noch nicht vorgekommen. Abgesehen davon müssen die Hospizmitarbeiter ebenso geschützt werden. Das bedeutet neben stetigem Mundschutz und Hygiene in der Konsequenz auch, dass die ehrenamtlichen, sehr engagierten Hospizhelfer jetzt keinen Zutritt bekommen können. "Das ist wirklich traurig", bestätigt Rixrath, der die Arbeit der engagierten Ehrenamtlichen sehr schätzt.

Gang zum Friedhof verboten

Wie groß deren Bredouille ist, kann Katrin Eckhart skizzieren. Die stellvertretende Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes in Zittau sorgt sich nicht nur um die Menschen, die nun ohne zusätzliche Begleitung aus dem Leben gehen müssen, sondern auch um die Trauernden, denen man weniger Halt bieten kann. "Ich weiß von einem Fall, wo eine Trauernde von Behörden auf dem Weg zum Friedhof aufgehalten wurde, weil der Verstorbene in einer anderen Gemeinde bestattet ist", sagt sie. Hier Trost zu spenden ohne einander zu treffen, ist schwer.

Kontakt zu halten zu Patienten und Familien versuche man nun verstärkt per Telefon oder - wenn es geht - auch über Videotelefonie. "Aber bei vielen Heimbewohnern, gerade mit Demenz, die wir sonst begleiten, ist das nicht möglich", schildert Frau Eckhart. Videotelefonie ist in Pflegeheimen zwar derzeit in der Tat ein gewisser Trend - wenn es den Bewohnern gut geht. Für das voneinander Abschied nehmen, ist es keine Alternative, betont auch Stephan Kothe vom Pflegestift Oberland. Sein Träger "Dienste für Menschen" betreibt neben dem Heim in Ebersbach weitere in Seifhennersdorf, Löbau und Görlitz. Und das Thema würdiger Abschied treibt ihn wie seine Kollegen in diesen Zeiten genauso um.

Auch in der Pflegeresidenz in Bernstadt, wo Sterbebegleitung einen wichtigen Stellenwert hat, musste man dies auf ein Minimum zurückfahren, bestätigt Pflegedienstleiter Dustin Stenke. Auch hier wird von Fall zu Fall entschieden, ob Angehörige in den letzten Stunden noch einmal zu Besuch kommen dürfen. Schließlich gilt es zu vermeiden, eine Infektion ins Heim mit seinen 62 Bewohnern zu tragen.

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