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Doppelte Belastungsprobe für Pflegeheim

Die Bewohner des Pflegeheims Am Sonnenhang in Döbeln haben schwierige Wochen hinter sich. Jetzt feiern sie wieder.

Vor einigen Wochen wäre das noch undenkbar gewesen: Schüler der Heimererschule führen im Seniorenhaus Am Südhang in Technitz ein Programm auf. Mit den nötigen Sicherheitsabständen.
Vor einigen Wochen wäre das noch undenkbar gewesen: Schüler der Heimererschule führen im Seniorenhaus Am Südhang in Technitz ein Programm auf. Mit den nötigen Sicherheitsabständen. © Lutz Weidler

Döbeln. Pflegeschüler der Heimererschule haben in der Liegehalle des Seniorenhauses Am Südhang in Technitz eine Show abgezogen. Sie warfen sich in Kostüme und nahmen ihrer Zuschauer mit zu einer musikalischen Zeitreise, die dann wieder in der Gegenwart endete. Gegenwart, das ist auch Corona. Und dass die Schüler ihr Projekt in Technitz überhaupt umsetzen konnten – wenn auch mit dem nötigen Abstand – ist auch ein Zeichen der wieder eingezogenen Normalität.

Das Pflegeheim hatte seit März schwere Wochen der Isolierung hinter sich gebracht. Schwere Wochen für die Bewohner, die Angehörigen, aber auch für das Personal. „Wir haben ja auch Menschen neu aufgenommen. Die Angehörigen mussten die alten Menschen an der Tür abgeben, konnten nicht mal schauen, wie sie untergebracht sind und ob sie zurechtkommen“, sagte Carola Enge, die Geschäftsführerin des Pflegeheims.

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Fast zwölf Wochen lang bestand weitgehendes Kontaktverbot. „Wir haben sehr viel improvisiert, die Bewohner auf die Übergangsterrasse gefahren, dass sie mal winken oder sprechen konnten.“ Im Freien waren Treffen möglich gewesen. Aber bei manchen bettlägerigen Bewohnern sei es unmöglich gewesen, sie nach draußen zu bringen.

Von Erkrankungsfällen war die Einrichtung verschont geblieben, obwohl immer die Gefahr bestand, dass das Personal unbewusst die Krankheit einschleppt. „Wir waren für die Bewohner die größte Gefahr. Damit muss man umgehen können. Die Mitarbeiter haben sich sehr professionell verhalten. Keiner ist in Panik verfallen“, sagte Carola Enge.

Eingesperrt waren die Bewohner nicht. Die Mitarbeiten seien im eigenen Gelände mit ihnen spazieren gegangen. „Es war aber jetzt höchste Zeit, dass die Einschränkungen gelockert werden. Das war eine psychische Belastung.“ In der Zeit hatten auch keine Therapeuten das Haus betreten dürfen. So gut wie möglich habe das Personal die Übungen mit den Bewohnern ausgeführt. „Damit die Beweglichkeit erhalten bleibt. Es sollte auch kein Rückschritt eintreten“, sagte Carola Enge.

Ein Sommerfest hat die Einrichtung auch schon gefeiert. Allerdings ohne Angehörige. „Mit Mundschutz macht sich das schlecht“, sagte die Leiterin. „Wir hatten die Hutzenbossen aus dem Erzgebirge da. Die Bewohner haben es sehr genossen.“

Die Anzahl der Bewohner ist in Technitz derzeit auf 102 reduziert. Eigentlich könnten in der Einrichtung 117 Menschen betreut werden. Aber eine Etage der Einrichtung ist derzeit geschlossen. Das hat nichts mit Corona zu tun, sondern mit dem Mangel an Pflegepersonal. „Wir waren beim Personal am Limit. Wenn man vier Langzeitkranke hat, kann man die Leute nicht so schnell ersetzen. Wir haben uns schwer damit getan, den Wohnbereich zu schließen. Aber im Nachhinein hat sich das als richtig erweisen“, so die Geschäftsführerin. Perspektivisch soll der Wohnbereich aber wieder geöffnet werden.

Das Pflegeheim bildet auch selbst Altenpfleger aus. Fünf angehende Pflegefachleute bekommen derzeit in der Einrichtung ihre praktische Ausbildung, drei werden im August fertig. Während der Unterricht an der Heimerer-Schule eingestellt war, hatten sie als fest angestellte Mitarbeiter zumindest praktisch arbeiten können. Andere mussten dagegen ganz zu Hause bleiben. „Die Pflegehelfer, die bei uns ihr Praktikum absolvieren, durften das Haus nicht betreten“, sagte Carola Enge.

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