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Riesa

Doppelte Nachfrage im Seifenwerk Riesa

Gerade erst war der Traditionsbetrieb aus der Insolvenz gerettet worden. Jetzt verschafft die Hygiene-Nachfrage ihm eine Extra-Schicht.

Das Riesaer Seifenwerk - von hier werden laut Unternehmen alle großen Handels- und Drogeriewarenhäuser beliefert. Im Hintergrund das Teigwarenwerk Riesa.
Das Riesaer Seifenwerk - von hier werden laut Unternehmen alle großen Handels- und Drogeriewarenhäuser beliefert. Im Hintergrund das Teigwarenwerk Riesa. © Foto: Lutz Weidler

Riesa. Die Corona-Pandemie wirbelt die Wirtschaft durcheinander. Während Autohersteller ihre Werke schließen und Zulieferer wie das Riesaer Reifenwerk darauf mit ähnlichen Maßnahmen reagieren müssen, steigt in anderen Branchen die Nachfrage sprunghaft an.

Das merkt man etwa bei den Teigwaren Riesa - und auch bei einem weiteren Traditionsbetrieb direkt nebenan. "Wir haben aktuell die doppelten Abverkaufszahlen", sagt William Gemkow vom Seifenhersteller Kappus. Man produziere auf Volllast, um die Lieferketten aufrecht zu erhalten.

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William Gemkow arbeitet seit drei Jahren für Kappus.
William Gemkow arbeitet seit drei Jahren für Kappus. © privat

In normalen Zeiten habe man beim Hersteller Produkte für drei bis vier Wochen auf Lager. "Derzeit aber gehen die Waren sofort raus", sagt der 35-Jährige.

Denn bei Kappus ist in den vergangenen anderthalb Jahren kräftig umstrukturiert worden: Mitte März hatte sich der Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko, der die Kappus-Gruppe seit der Insolvenzanmeldung im September 2018 fortführt, mit der Münchner Beteiligungsgesellschaft Ad_Astra auf eine Übernahme des Seifenherstellers geeinigt. Voraussichtlich im Mai soll der Geschäftsbetrieb auf den neuen Eigentümer übergehen.*

Zuvor hatten vier Werke zu Kappus gehört, nun sind es nur noch zwei - neben Riesa bleibt das Werk in Heitersheim (Baden-Württemberg) erhalten. Ein Standort in Offenbach war bereits geschlossen worden, in Krefeld wird nur noch bis zum Herbst produziert.

Fest- oder Flüssigseife?

Aufträge, die derzeit noch in Krefeld abgearbeitet werden, sollen dann von Riesa übernommen werden. Dafür soll die Produktion in Riesa weiter ausgebaut werden. Dabei läuft sie unter den derzeitigen Bedingungen ohnehin schon auf Hochtouren.

"Man braucht ja nur in die Regale der Geschäfte zu schauen", sagt William Gemkow. "Neben Toilettenpapier, Mehl und Pasta haben auch Hygieneprodukte derzeit Hochkonjunktur." Ob Fest- oder Flüssigseife: In ganz Deutschland würden die Verkaufszahlen stark steigen.

"Und tatsächlich hilft ja Seife in Zeiten von Viren", so der Kappus-Mann. Und gilt das auch für Festseife, die ja vor allem in Riesa produziert wird? "Ganz besonders", sagt Gemkow. Denn während die Keimbelastung am Plastikspender von Flüssigseife relativ hoch sei, würden sich Keime auf Festseife kaum halten. "Dafür ist der Wassergehalt zu gering und gleichzeitig der Wirkstoffgehalt sehr hoch."

Klassische Produkte aus Riesa.
Klassische Produkte aus Riesa. © Sebastian Schultz

Bei Kappus geht man davon aus, dass sich auch nach der Corona-Pandemie die Nachfrage nach Festseife positiv entwickelt: Nachhaltigkeit liege im Trend, Festseife komme ohne Mikroplastik aus und mit wenig Verpackung.

Und deshalb plant man auch, in Riesa personell aufzustocken. Arbeiten an der Paul-Greifzu-Straße derzeit 76 Angestellte, sucht Kappus nun 15 neue Mitarbeiter. "Vor allem technische Anlagenfahrer, aber auch Mitarbeiter in Lager, Versand, Qualitätssicherung", sagt Gemkow. "Also quer durch alle Abteilungen." Das sei ein gutes Zeichen des neuen Investors für den Standort Riesa.

Derzeit läuft die Produktion im Zwei-Schicht-System von Montag bis Freitag, bei Bedarf auch am Sonnabend. Man plane aber, auf ein Drei-Schicht-System umzustellen. Man habe die Produktion in Riesa bereits aufgestockt, während noch das Insolvenzverfahren lief - weil etwa die Produktion der Marke Kappus aus Offenbach nach Sachsen verlegt wurde. In den Bereichen Vertrieb und Entwicklung habe man von dort auch einige Mitarbeiter übernehmen können. "In der Produktion klappt das eher nicht, weil da kaum jemand von Offenbach oder Krefeld nach Riesa wechseln möchte", sagt Gemkow, der selbst aus Leipzig stammt.

Von Riesa in die Welt: Für den Standort spricht bei Kappus die Lage Riesas auch zum osteuropäischen Markt.
Von Riesa in die Welt: Für den Standort spricht bei Kappus die Lage Riesas auch zum osteuropäischen Markt. © Foto: Lutz Weidler

Eine Ausbildung in Riesa gibt es aktuell nicht, das sei aber angedacht. "Derzeit bilden wir aktiv nur in Heitersheim aus", sagt Gemkow. In Riesa seien an der einen oder anderen Stelle auch noch Investitionen nötig. Aus dem vor der Schließung stehenden Schwesterwerk in Krefeld würden auch noch technische Anlagen nach Riesa verlegt.

Und wo kann man Riesaer Seife derzeit kaufen? Im werkseigenen Seifenladen derzeit nicht - der ist geschlossen, um während der Corona-Krise den Besucherverkehr im Werk so gering wie möglich zu halten. Aber etwa bei Kaufland oder Globus sei die Marke Kappus gelistet, außerdem sei man bei zahlreichen Discountern oder Drogeriemärkten im Angebot - allerdings nicht unter dem eigenen Namen. "70 Prozent der Festseifen kommen von uns", sagt der Kappus-Mitarbeiter.

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*In einer früheren Version des Textes hatte es geheißen, die Übernahme sei bereits im März 2020 erfolgt. Laut eines Hinweises des Insolvenzverwalters wird die Übernahme allerdings erst im Mai wirksam.

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