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Dorfbach soll flutsicher werden

Der Starkregen hat Schäden von knapp 400 000 Euro angerichtet. Jetzt wird geplant, wie das künftig verhindert werden kann.

© hübschmann

Von Harald Daßler

Regelrecht abgebrochen ist der Hang. Als Wasser- und Schlammmassen am Nachmittag des 27. Mai vom Feld herab durch Schletta in den Schlettabach trieben, zerstörten sie den Feuerlöschteich. Wenige Wochen zuvor war er erst wieder hergerichtet worden, erklärt Bürgermeister Uwe Klingor. Gemeinsam mit den Käbschütztaler Gemeinderäten bereitet er jetzt die Reparatur der Unwetterschäden vor.

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Dieser Durchlauf, den der Käbschütztaler Bürgermeister für die Schadensmeldungen mit seinem Handy fotografierte, hielt den Wasser- und Schlammmassen nicht stand.
Dieser Durchlauf, den der Käbschütztaler Bürgermeister für die Schadensmeldungen mit seinem Handy fotografierte, hielt den Wasser- und Schlammmassen nicht stand.

Auf mehr als 18 000 Euro werden die Kosten geschätzt, um den Feuerlöschteich in Schletta wieder in Ordnung zu bringen, so dass er in kürzester Zeit wieder als Wasserentnahmestelle für die Feuerwehren der Gemeinde zur Verfügung steht. Weitere 38 000 Euro wird es kosten, um die Schäden zu beseitigen, die Wasser und Schlamm in diesem Ortsteil anrichteten. Ein Durchlauf oberhalb einer Halle soll schnell instand gesetzt werden.

Im Ortsteil Niederjahna hatten die Fluten, die sich durch das Unwetter im Schletta- und Jahnabach ansammelten, zehn Grundstücke überspült. Hier sind 225 000 Euro notwendig, um alle Schäden zu beseitigen. Wie der Bürgermeister informiert, sollen zunächst zwei Holzbrücken und ein Wehr im Park repariert und ein Tosbecken entschlammt werden. Allein für das Entschlammen zweier Teiche ist mit Kosten von 111 000 Euro zu rechnen. Diese Arbeiten sollen im Herbst in Angriff genommen werden. 75 000 Euro sind notwendig, um die Brücke in der Niederjahnaer Teichstraße zu reparieren. Für größere Bauvorhaben wie dieses soll zunächst eine Planung in Auftrag gegeben werden.

„Gestern erhielt ich die Zusage, dass der Freistaat 90 Prozent der Kosten zur Beseitigung der Unwetterschäden übernimmt“, sagt Uwe Klingor. Aber nicht nur die Eigenanteile, welche jetzt aus der Gemeindekasse zur Verfügung gestellt werden müssen, bereiten ihm Sorgen. Zunächst mal muss die Gemeinde in Vorleistung gehen, weil die Abrechnungen erst nach dem Ende der Arbeiten erfolgen. Wenn alles gut läuft, können die ersten drei Reparaturvorhaben in vier Wochen abgeschlossen sein. Dennoch müssen Bürgermeister und Gemeinderäte an die Reserven gehen. Auf 240 000 Euro beziffert der Bürgermeister die Summe, die Käbschütztal derzeit auf der hohen Kante hat.

So bleibt Uwe Klingor nichts anderes übrig, als nun vorsorglich eine Haushaltssperre zu verkünden. Alle nicht unbedingt notwendigen Ausgaben sollen aufgeschoben werden, bis alle Unwetter-Reparaturen in Niederjahna, Schletta sowie in Oberjahna, Löthain und Jesseritz erledigt sind. Eine Aufstellung der Gemeindeverwaltung listet 22 einzelne Maßnahmen auf, die nach derzeitigem Stand Kosten in Höhe von 388 315,47 Euro verursachen. Bürgermeister Klingor will es aber nicht beim Reparieren belassen. Für besonders gefährdete Ortsteile wie Niederjahna soll noch in diesem Jahr ein Hochwasser-Risikomanagement-Plan erarbeitet werden. Die Kosten von etwa 44 000 Euro für dieses Papier sieht er als eine Investition in die Zukunft der Gemeinde. Es soll diejenigen Stellen benennen, von denen Gefahren ausgehen – und Maßnahmen vorschlagen, die Wasser kontrolliert abfließen lassen, wenn kleine Gewässer wie Schletta- und Jahnabach anschwellen.

Uwe Klingor geht es aber auch um eine möglichst breite Beteiligung beim Ausarbeiten des Papiers. Einen verlässlichen Partner weiß der CDU-Politiker in Jens Klobuch, der beim Agrarunternehmen Lommatzscher Pflege für den Ackerbau und damit auch für bewirtschaftete Flächen auf Käbschütztaler Flur zuständig ist. Der Landwirt hat nicht nur Technik und Mitarbeiter in Bewegung gesetzt, um in Schletta und Niederjahna beim Aufräumen und Säubern zu helfen.

Er weiß auch, dass Art und Weise der Bewirtschaftung mit beeinflussen, in welchem Umfang Schäden bei Unwettern wie am 27. Mai entstehen. So werde auf dem Boden in der hügeligen Landschaft aufs Pflügen verzichtet, Stroh im Boden gelassen, ein Erosionskataster geführt, im Anbau auf Fruchtfolgen statt Monokultur gesetzt, nennt Jens Klobuch einige Maßnahmen. Die Fruchtfolgen orientieren sich auch daran, dass der Boden Regenwasser aufnehmen und längere Zeit halten kann.

Er widerspricht jenen, die jetzt wohlfeil der Landwirtschaft die Hauptschuld an den Verwüstungen durch das Unwetter anlasten wollen. Auch wenn sich die Wassermengen, die an jenem Tag über Meißen, Klipphausen und Käbschütztal niedergingen, schlicht als zu gewaltig erwiesen, ist es im Interesse der Landwirte, die Böden zu schonen, erklärt der Landwirt. Jetzt müsse genau geschaut werden, an welchen Stellen sich Engpässe beseitigen lassen, um ein Aufstauen des Wassers zu vermeiden.