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Dorfladen behauptet sich gegen Onlineshops

Seit 25 Jahren verkauft Dietlinde Schmalenberg in Wehrsdorf Spielzeug, Schreibwaren und Geschenke. Ihr Erfolg ist hart erarbeitet.

© Uwe Soeder

Von Katja Schäfer

Wehrsdorf. Was für eine Auswahl! Wer das Geschäft von Dietlinde Schmalenberg betritt und nicht nur ein ganz konkretes Produkt im Sinn hat, kommt so schnell nicht wieder heraus. Die Regale laden zum Stöbern ein. Zu entdecken gibt es schöne Kerzen, kreativ gestaltete Karten, ansprechende Kalender, ungewöhnliche Keramik, ausgesuchte Kosmetik und viele andere Dinge, die sich gut als Geschenk eignen. Außerdem jede Menge Spielzeug, aber auch Schreibwaren, Bürobedarf, Zeitschriften… Zu recht heißt der Laden, der mitten in Wehrsdorf neben dem Erbgericht liegt, „Die 1 000 Dinge für jeden Tag“.

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Seit 25 Jahren führt Dietlinde Schmalenberg ihn. Mit großer Leidenschaft. Das ist wohl auch einer der Gründe dafür, dass sich das Geschäft so gut behauptet; in Zeiten, wo es auf dem Land – abgesehen von Lebensmittelmärkten – nur noch wenige Einkaufsmöglichkeiten gibt. Im April 1993 eröffnete die Wehrsdorferin ihren Laden. „Ich habe bei Null angefangen“, blickt Dietlinde Schmalenberg zurück und meint damit, dass sie kein alteingesessenes Geschäft übernahm, sondern ein neues gründete und sich erst einen Kundenkreis aufbauen und einen Ruf erarbeiten musste. Um dafür gerüstet zu sein, absolvierte die Frau, die zuvor Finanzökonomie studiert und in einem großen Betrieb Berufserfahrung gesammelt hatte, einen Buchhalter-Lehrgang. Alles andere – vom Wareneinkauf bis zur Schaufensterdekoration – eignete sie sich selbst an. Die Räume hat sie seit damals von der Wohnbaugesellschaft der Gemeinde Sohland gemietet. „Vorher wurden sie von der Post genutzt“, erinnert sich die 61-Jährige. An diese Tradition knüpft sie an, betreibt seit über 20 Jahren eine Postagentur, bietet auch Postbank-Leistungen an. Lotto kann man bei ihr ebenfalls spielen. „Wir hatten hier im Laden schon ein paar schöne große Gewinne“, berichtet sie strahlend, ohne jedoch mehr zu verraten.

Gefragte Holzkunst

Vor einiger Zeit hat Dietlinde Schmalenberg das Sortiment umgestellt. Normale Haushaltswaren wie Töpfe oder Gläser findet man in ihrem Laden jetzt nicht mehr. Dafür umso mehr Spielzeug. „Das wird sehr gut angenommen. Schließlich gibt es so was im Umkreis kaum“, sagt die Händlerin. Besonders gut gehen Lego-Artikel und Ravensburger Spiele. Aus dem Geschenke-Bereich ist in der Weihnachtszeit vor allem Holzkunst aus dem Erzgebirge gefragt. Herrnhuter Sterne bietet Dietlinde Schmalenberg das ganze Jahr über an. Sie ist autorisierte Händlerin dafür. Massenware findet man im 1 000-Dinge-Geschäft nicht. „Mir ist es wichtig, was Besonderes anzubieten. Ich ordere nicht von einer Sache zehn Stück, sondern lieber zehn verschiedene Dinge“, sagt Dietlinde Schmalenberg und erzählt stolz davon, dass sogar aus Bautzen Stammkunden kommen.

Dass sich der Laden im kleinen Wehrsdorf so gut gegen die große Internet-Konkurrenz behauptet, führt Dietlinde Schmalenberg vor allem auf einen Aspekt zurück: „Bei uns können die Leute sich die Waren genau ansehen, sie auch anfassen und was ihnen gefällt sofort mitnehmen.“ Mit „wir“ meint sie auch ihre Tochter Ramona Augst, die seit 15 Jahren bei ihr beschäftigt ist. „Da sie selbst Kinder hat, weiß sie gut, welches für Spielzeug für welches Alter geeignet ist und kann zum Beispiel ältere Kunden gut beraten, die Geschenke für ihre Enkel suchen“, sagt Dietlinde Schmalenberg. Zurzeit ist Ramona Augst in Elternzeit. Deshalb geht Mitarbeiterin Ursula Nowack der Ladeninhaberin zur Hand. Allen drei Frauen ist gute Beratung ganz wichtig. Schließlich sei das einer der Punkte, weshalb Leute lieber im Laden kaufen, als im Internet zu bestellen, betont Dietlinde Schmalenberg.

Ranzen-Partys für Schulanfänger

Sie lässt sich aber auch so einiges einfallen, um Kunden zu gewinnen und zu halten. Einmal im Jahr richtet sie Ranzen-Partys aus. Dazu lädt die Unternehmerin künftige Schulanfänger und ihre Eltern in einen Raum der Grundschule ein. Dort sind dann viele Ranzen und Zuckertüten ausgestellt. Bei Kaffee und Kuchen können die Besucher alle Modelle in Ruhe anschauen und bei Gefallen Bestellungen aufgeben. Außerdem stellt die Händlerin zum Schulanfang Sets mit der benötigten Grundausstattung zusammen, die auch gut verschenkt werden können. „Sehr dankbar bin ich dafür, dass ich schon seit vielen Jahren die Schulbücher verkaufen darf“, sagt Dietlinde Schmalenberg. Viel Freude haben sie und ihre Tochter am Dekorieren der Schaufenster, die sie passend zur Jahreszeit und zu besonderen Anlässen gestalten. Dabei lassen sie sich immer wieder was Neues, aber eins bleibt gleich: In der Weihnachtszeit dreht stets eine kleine Eisenbahn ihre Runden hinter den großen Scheiben. Dann bleiben oft Kinder staunend stehen.

Dass all das viel Arbeit macht, gibt Dietlinde Schmalenberg unumwunden zu. „Nicht selten bin ich pro Woche 50 Stunden im Laden. Aber immer mit Begeisterung“, sagt die Händlerin, der an ihrer Tätigkeit vor allem die Vielseitigkeit und der Umgang mit den Kunden gefallen. „Der Laden ist mein Lebenswerk und aufzuhören noch lange kein Thema“, unterstreicht sie.